Das königliche Portrait als herrschaftlicher Kommunikationsträger am Beispiel zweier Monarchen und dessen persönliche und geschichtliche Auswirkungen ist Thema dieser Arbeit. Was haben Richard II. von England (1377-1399), der letzte Plantagenet im England des späten 14. Jahrhunderts und Marie-Antoinette (1755-1793), Königin von Frankreich und österreich-französische Capet-Witwe, wie sie im Laufe der Französischen Revolution (1789–1799) despektierlich genannt wurde, miteinander zu tun und weswegen vereine ich sie nun in dieser Arbeit?
Es gibt es tatsächlich einige Parallelen, die beide für mein Thema auszeichnen. Sie wurden von ihren Zeitgenossen als exzessiv, extravagant und kapriziös beschrieben, zwei im Luxus schwelgende Monarchen, die sich - und ihrem Volk - ihren aufwendigen Lebensstil und die schönen Dinge, mit denen sie sich umgaben, einiges kosten ließen. Hochmut kommt vor dem Fall sagt man, und tatsächlich folgte dem zunächst kometenhaften Aufstieg dieser beiden jungen Monarchen die Entmachtung, tiefste Demütigung und schließlich gar die Elimierung der Person.
Die literarischen und geschichtlichen Aufzeichnungen ließen Richard und Marie-Antoinette über Jahrhunderte in keinem guten Licht erscheinen, ja, man kann sagen, es wurde kein gutes Haar an ihnen gelassen. In beiden Fällen wird das harsche geschichtliche Urteil mittlerweile von der neueren Literatur zaghaft hinterfragt, dennoch bleibt es in den Köpfen der Allgemeinheit bestehen. Und dabei könnte man es belassen, wären da nicht die Kunstwerke. Denn beiden war auch ein exquisiter, innovationsfreudiger Kunstsinn gemeinsam, welcher sich unter anderem in einer Reihe von Portraits zeigt, in denen sie sich in Szene setzten und damit der Nachwelt als Auftragsgeber wertvolle künstlerische Neuerungen bescherten. Diese von ihnen mitgeprägten Werke zeigen Aspekte ihrer Persönlichkeit und ihres Wirkens, die für sich sprechen und sich somit der Vereinnahmung von außen entziehen. Mit diesen Portraits hinterließen uns die beiden Monarchen ein persönliches Andenken. Dieses will ich exemplarisch anhand von jeweils zwei Portraits veranschaulichen, die uns Richard II. und Marie-Antoinette und deren Auffassung von Königtum quasi aus erster Hand näher bringen: das Westminster-Portrait und das Wilton Diptychon von Richard II. und zwei von Elisabeth Vigée-Lebrun gemalte Portraits von Marie-Antoinette (Marie-Antoinette en Chemise und Marie-Antoinette et ses Enfants).
Inhaltsverzeichnis
- 1. EINLEITUNG
- 1.1. HOFKULTUR UND HERRSCHERBILD IM KONTEXT
- 1.2. SAKRALES KÖNIGTUM IM BILDE
- 1.3. RICHARD II. UND MARIE-ANTOINETTE: ZWEI STIEFKINDER DER GESCHICHTE
- 2. RICHARD II.: DER HÖCHSTE ANSPRUCH SOLL DES KÖNIGS SEIN!
- 2.1. RICHARD II.: SCHÖNGEISTIGER MÄRTYRER, ABSOLUTISTISCHER VISIONÄR ODER VERWEICHLICHTER DESPOT?
- 2.2. EIN BILD ZWINGT IN DIE KNIE: DAS PORTRAIT VON WESTMINSTER ABBEY
- 2.3. DAS WILTON DIPTYCHON: RÜCKZUGSORT EINES KÖNIGS
- 2.4. DER KUNSTGESCHICHTLICHE FUẞABDRUCK RICHARDS II.
- 3. MARIE-ANTOINETTE: EINE KÖNIGIN ERKLÄRT SICH ZUR PRIVATPERSON
- 3.1. SCHWESTERN IM GEISTE: KÖNIGLICHE MUSE UND KÜNSTLERIN
- 3.2. MARIE-ANTOINETTE EN CHEMISE: EIN SKANDAL!
- 3.3. SCHADENSBEGRENZUNG: MARIE-ANTOINETTE ET SES ENFANTS
- 3.4. MARIE-ANTOINETTE IM LICHT VIGÉE-LEBRUNS: DUMMCHEN, IT-GIRL ODER MUTIGE REBELLIN?
- 4. ZUSAMMENFASSUNG
- 4.1. DER ZERRSPIEGEL DER GESCHICHTE: WELCHE SICHT IST DIE RECHTE?
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Masterarbeit befasst sich mit der bildpolitischen Inszenierung von Richard II. von England und Marie-Antoinette von Frankreich und ihren Auswirkungen auf Amt, Person und Geschick der dargestellten. Die Arbeit untersucht die Rolle des königlichen Portraits als herrschaftlicher Kommunikationsträger und analysiert, wie die beiden Monarchen durch ihre Bildkultur ihre Selbstinszenierung beeinflussten und gleichzeitig ihre historische Wahrnehmung prägten.
- Die Rolle des königlichen Portraits als Mittel der Machtdemonstration und Legitimation
- Die Selbstinszenierung von Richard II. und Marie-Antoinette in ausgewählten Portraits
- Der Einfluss von Bildpolitik auf die historische Wahrnehmung und das Schicksal der beiden Monarchen
- Der Vergleich der Bildstrategien von Richard II. und Marie-Antoinette im Kontext ihrer jeweiligen Zeit
- Die Verbindung zwischen Kunst, Macht und gesellschaftlicher Veränderung
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 führt in die Thematik ein und beleuchtet die Rolle von Hofkultur und Herrscherbild im Kontext der jeweiligen Epochen. Es werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Richard II. und Marie-Antoinette aufgezeigt und die Relevanz ihrer bildlichen Inszenierung für die historische Wahrnehmung hervorgehoben.
Kapitel 2 widmet sich Richard II. und beleuchtet seine politische und persönliche Situation, seine Bildstrategien sowie die künstlerische Bedeutung seiner Portraits, insbesondere das Westminster-Portrait und das Wilton Diptychon.
Kapitel 3 analysiert Marie-Antoinettes Lebensgeschichte im Kontext der Französischen Revolution und untersucht die Darstellung der Königin in Portraits von Elisabeth Vigée-Lebrun, insbesondere "Marie-Antoinette en Chemise" und "Marie-Antoinette et ses Enfants".
Kapitel 4 bietet eine Zusammenfassung der Ergebnisse und reflektiert die Frage, welche Sicht auf die Geschichte die "rechte" Sicht ist. Der Fokus liegt dabei auf der Verbindung zwischen Bildpolitik und historischer Wahrnehmung.
Schlüsselwörter
Diese Arbeit befasst sich mit zentralen Themen wie Herrscherbild, Bildpolitik, königliches Portrait, Selbstinszenierung, historische Wahrnehmung, Richard II., Marie-Antoinette, Westminster-Portrait, Wilton Diptychon, Elisabeth Vigée-Lebrun, "Marie-Antoinette en Chemise", "Marie-Antoinette et ses Enfants". Die Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen Kunst, Macht und gesellschaftlicher Veränderung und analysiert, wie die Bildkultur von Richard II. und Marie-Antoinette ihre historische Position und ihr Schicksal beeinflusste.
Häufig gestellte Fragen
Was verbindet Richard II. und Marie-Antoinette in dieser Analyse?
Beide Monarchen nutzten kunstvolle Portraits zur Selbstinszenierung, wurden von Zeitgenossen als extravagant kritisiert und erlitten einen tiefen Fall bis hin zur Entmachtung bzw. Hinrichtung.
Was ist das Besondere am Wilton Diptychon?
Das Wilton Diptychon zeigt Richard II. in einer sakralen Inszenierung vor der Jungfrau Maria, was seinen Anspruch auf ein gottgegebenes, absolutistisches Königtum unterstreicht.
Warum war das Portrait „Marie-Antoinette en Chemise“ ein Skandal?
Es zeigte die Königin in einem schlichten Baumwollkleid, das eher an Unterwäsche erinnerte. Dies wurde als unpassend für ihren Stand und als Herabwürdigung der königlichen Würde empfunden.
Welche Rolle spielte Elisabeth Vigée-Lebrun für Marie-Antoinette?
Vigée-Lebrun war die Hofmalerin und enge Vertraute der Königin. Ihre Portraits versuchten oft, das Image der Königin zu korrigieren, etwa durch die Darstellung als liebende Mutter.
Wie beeinflusste die Bildpolitik die historische Wahrnehmung?
Portraits waren Kommunikationsmittel. Während sie zur Legitimation dienen sollten, konnten sie bei falscher Wirkung (wie bei Marie-Antoinette) den Hass des Volkes schüren und den Untergang beschleunigen.
- Quote paper
- Catherine Thurner (Author), 2018, Die bildpolitische Inszenierung von Richard II. von England und Marie-Antoinette von Frankreich und ihre Auswirkung auf Amt, Person und Geschick der Dargestellten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446775