Die Arbeit stellt dar, wie der Brauch der "falschen Braut" in Heinrich von Wittenwilers "Ring" Einzug findet und hier als eine Art sozialer Determinismus der Figuren verhandelt wird.
Wittenwiler lässt in seinem Werk eine alte Frau auftreten, die behauptet Bertschi hätte ihr bereits vor einiger Zeit die Ehe versprochen. Dies stellt einen alten Brauch dar, wie er in Süddeutschland, Österreich, Ostmitteldeutschen Gebieten und in slawischen Nachbargebieten verbreitet war. Der Grundtypus dieses Brauchs besteht darin, dass beim Leikauf (volksrechtliche Verlobung) vor der Ankunft der richtigen, zu heiratenden Braut, eine frühere, angeblich verlassene Braut auftritt. Diese ist meist eine Magd oder Tagelöhnerin, die behauptet, der Bräutigam habe ihr schon vorher die Ehe versprochen. Somit habe sie ein älteres Anrecht auf die Ehe. Der Bräutigam streitet dies feierlich ab und sie wird von ihm mit Geld abgefertigt. Der Grund für diesen Brauch der falschen Braut liegt darin, dass man annahm, diese trage das Unglück aus dem Haus. Verwandt mit dem Brauch der falschen Braut ist auch die "Versteckwette" bzw. "Suchprobe". Braut und Bräutigam verstecken sich voreinander und der, der den anderen zuerst findet hat mehr Glück in der gemeinsamen Ehe. Es handelt sich hierbei um eine Art „rituelles Sträuben“, denn aller Übergang wird laut Aberglauben von bösen Mächten neidisch belauert. Jeder Anfang muss also als etwas behandelt werden, dass die Betroffenen unter Zwang erleben, sodass sie dafür nicht verantwortlich gemacht werden können. Wenn Mätzli sich also bei der Trauung ziert, kann dies mit dem Brauch des rituellen Sträubens in Verbindung gebracht werden. Wie sich später zeigen, wird hat dieses Zieren jedoch einen anderen Hintergrund. Der Auftritt der Vetula in Wittenwilers Ring ist der Forschung viel diskutiert, denn er markiert mehr als nur einen Brauch. Es werden hier hochbrisante Eherechtsfragen zur Zeit Wittenwilers aufgeworfen. Die Darstellung der falschen Braut im Ring wird von Schulz als „Zerrbild der Ehehindernisklausel“ und als „wichtiges Verkehrsmotiv im Rahmen der Ehegüterlehre“ interpretiert. In dieser Arbeit soll der Auftritt dazu dienen zu analysieren inwieweit die Hochzeit im Ring gültig sein kann. Zunächst wird der Begriff „falsche Braut“ im wörtlichen Sinne dargestellt, um dann in weiteren Schritten die nicht rechtsgültige Hochzeit von Bertschi und Mätzli dahingehend zu analysieren, dass Mätzli selbst als falsche Braut gelten kann.
Inhaltsverzeichnis
- Mätzli als falsche Braut in Wittenwilers Ring.....
- Der Brauch der falschen Braut...
- Mätzli als falsche Braut.
- Definition „falsche Braut“ im wörtlichen Sinne.
- keine kirchenrechtlich gültige Hochzeit..
- kein wirklicher Konsens der Protagonisten........
- keine wahre Minneliebe zwischen Bertschi und Mätzli..
- Auftritt der Vetula als Hinweis auf falsche Braut im Werk.
- Bertschi und Mätzli als Opfer sozialer Konventionen...
- Sozialer Determinismus in literarischen Werken
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Hochzeit von Bertschi und Mätzli im „Ring“ von Heinrich Wittenwiler im Hinblick auf die Frage, inwieweit diese als rechtmäßig und gültig betrachtet werden kann. Dabei werden die verschiedenen Aspekte der „falschen Braut“ beleuchtet und die Hochzeit im Kontext des damaligen Eherechts sowie der sozialen Konventionen analysiert.
- Der Brauch der falschen Braut als soziales Phänomen im Spätmittelalter
- Die Darstellung der falschen Braut in Wittenwilers „Ring“ und ihre Interpretation im Kontext des Eherechts
- Die Analyse der Beziehung zwischen Bertschi und Mätzli und die Frage nach der Gültigkeit ihrer Ehe
- Der Einfluss sozialer Normen und Konventionen auf die Charaktere und Handlung des „Ring“
- Der Beitrag der Arbeit zum Verständnis der Eherechtsdiskurse und der Sozialgeschichte des Spätmittelalters
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beleuchtet den Brauch der „falschen Braut“, wie er in verschiedenen Regionen verbreitet war und wie er in Wittenwilers „Ring“ zur Anwendung kommt. Es wird gezeigt, dass dieser Brauch eine gesellschaftliche Funktion erfüllte, die über die bloße Unterhaltung hinausging.
Das zweite Kapitel analysiert die Figur der Mätzli und die Frage, ob sie als „falsche Braut“ im wörtlichen Sinne betrachtet werden kann. Es wird auf die rechtlichen Aspekte der Hochzeit eingegangen, insbesondere die Bedeutung des kirchlichen Aufgebots und der Konsenserklärung der Eheleute.
Schlüsselwörter
Falsche Braut, Eherecht, Spätmittelalter, Heinrich Wittenwiler, Der Ring, sozialer Determinismus, Minneliebe, Vetula, kirchenrechtlich gültige Hochzeit, Konsens der Eheleute, Brauch der falschen Braut, Eherechtsdiskurse, Sozialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Brauch der „falschen Braut“ im Spätmittelalter?
Es war ein Brauch, bei dem vor der Ankunft der echten Braut eine andere Frau auftrat und behauptete, der Bräutigam habe ihr bereits die Ehe versprochen. Dies diente rituell dazu, Unglück aus dem Haus zu tragen.
Welche Rolle spielt dieser Brauch in Wittenweilers „Ring“?
In dem Werk tritt eine alte Frau (Vetula) auf, die Bertschi ein früheres Eheversprechen vorwirft. Dies markiert hochbrisante kirchenrechtliche Eherechtsfragen der damaligen Zeit.
Warum wird die Hochzeit von Bertschi und Mätzli als ungültig analysiert?
Die Arbeit untersucht, ob ein wirklicher Konsens der Protagonisten vorlag und inwiefern Mätzli selbst als „falsche Braut“ gelten kann, da kirchenrechtliche Vorgaben wie das Aufgebot fehlten.
Was bedeutet „rituelles Sträuben“ bei einer mittelalterlichen Hochzeit?
Es bezeichnet das Verhalten der Braut, sich scheinbar gegen die Trauung zu wehren, um böse Mächte abzulenken und zu zeigen, dass der Übergang unter Zwang geschieht.
Was versteht man unter sozialem Determinismus in diesem Kontext?
Es beschreibt, wie die Figuren in Wittenweilers Werk durch soziale Konventionen und Bräuche in ihrem Handeln und Schicksal vorbestimmt sind, ohne echte individuelle Freiheit.
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- B.A. Jennifer Schulte (Autor), 2014, Der Brauch der falschen Braut in Wittenweilers "Ring" und seine Funktion gegenüber den Figuren, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432927