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Laizismus und Demokratie versus Türkei und Islam? Eine kritische Betrachtung des türkischen Islams und seiner Vereinbarkeit mit Europa

Titel: Laizismus und Demokratie versus Türkei und Islam? Eine kritische Betrachtung des türkischen Islams und seiner Vereinbarkeit mit Europa

Hausarbeit , 2005 , 15 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Nora Sevbihiv Sinemillioglu (Autor:in)

Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Seitdem die EU der Türkei im Jahr 1999 den Beitrittskandidatenstatus verliehen hat und spätestens seitdem die Aufnahme der Beitrittsverhandlungen für den 3. Oktober 2005 festgelegt wurde, scheint der langfristige Beitritt des ersten Staates mit hauptsächlich muslimischer Bevölkerung zur Europäischen Union immer denkbarer. Die islamisch- konservative Gerechtigkeits- und Entwicklungs-Partei (Adalet ve Kalkınma partisi, AKP) von Ministerpräsident Recep Tayyıp Erdoğan hat die Türkei durch eine Vielzahl von Reformen innerhalb nur weniger Jahre Regierungsarbeit ein gutes Stück in Richtung Westen gerückt. Dadurch hat sie die Türkei auch der Verwirklichung eines der grundlegenden Ziele des Kemalismus, der türkischen Staatsideologie, näher gebracht: der durch Anpassung an und Eingliederung in den Westen erreichten Modernisierung der Türkei.
Die neuesten Entwicklungen in der Türkei und die ihr vorangegangen Reformen, die aus türkischer Sicht reformistisch, ja fast revolutionistisch sind, werden in Europa häufig mit Skepsis betrachtet. Kritiker warnen, die Reformen bestünden nur auf dem Papier und Erdoğan täusche seine westliche Orientierung vor, um schließlich, nach Sicherung des Regierungsbodens, ausreichenden Zugeständnissen der EU und einer griffigen Kontrolle über das Militär, seinen traditionellen Kurs wieder hervorzukramen und die alte Linie des Necmettin Erbakan und der im Zuge des 28. Februar Prozesses verbotenen islamistischen Wohlfahrtspartei (Refah-Partisi) wieder einzuschlagen. Insbesondere das in den letzten Monaten zu beobachtende Desinteresse der türkischen Regierung an weiteren Reformen bzw. an der Durchsetzung bereits verabschiedeter Gesetze bläst den Türkei-Kritikern wieder neuen Wind in die Segel. Nicht zuletzt sei die Türkei ein vom Islam geprägter Staat, der eine Gefährdung für die Rechtsordnung in der EU darstelle. So formuliert Reinhold Bocklet etwa:

Da aber im Islam die Emanzipation einer zivilen, säkularisierten Sphäre vom Totalitätsanspruch der Religion nicht stattgefunden hat und wo es sie – wie in der Türkei – gibt, sie auf staatlich-militärischem Oktroy beruht, bestehen nicht zuletzt im Blick auf die Entwicklungen in der Türkei während der letzen Jahrzehnte berechtigte Zweifel, ob die jüngsten demokratischen Reformen und die rechtliche Festschreibung der westlichen Werte gesellschaftlichen Bestand haben und nicht wieder von einem islamisch-fundamentalistischen Sturm hinweg gefegt werden.

Leseprobe


Gliederung

1 Einleitung und Fragestellung

2 Die Türkische Republik: Neudefinitionen der Beziehungen zum Islam

3.1 Das Amt für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet Isleri Bakanligi, DIB): ein Überblick

3.2 Kritik und Bewertung des DIB

4 Islam in der Türkei vs. Demokratie und Modernisierung?

5 Der Laizismus in der Türkei – eine Einordnung

6 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Vereinbarkeit von Laizismus, Demokratie und dem Islam in der Türkei vor dem Hintergrund einer möglichen EU-Mitgliedschaft. Ziel ist es zu analysieren, ob die Türkei tatsächlich einen religiös motivierten Staat darstellt oder ob der türkische Laizismus seinen Säkularisierungsanspruch durch staatliche Kontrolle einlösen kann.

  • Die historische Rolle des Kemalismus und des Staatsprinzips Laizismus
  • Die Funktion und staatliche Kontrolle durch das Amt für Religiöse Angelegenheiten (DIB)
  • Die Vereinbarkeit von Islam, Demokratie und Modernisierung
  • Die enge Verknüpfung von Islam und nationaler türkischer Identität
  • Die Einordnung der türkischen Islam-Politik im Hinblick auf EU-Beitrittskritiker

Auszug aus dem Buch

3.2 Kritik und Bewertung des DIB

Ismail Kara unterzieht das DIB einer kritischen Betrachtung. Im historischen Verlauf habe es sich als eine Institution erwiesen, die sich stets innerhalb der ihr gezogenen Grenzen bewegt hat, sich mehr der ‚Religion des Staates’ als der ‚Religion der Muslime’ angenommen hat, eine Institution, deren Interpretation von Religion sich freiwillig oder gezwungenermaßen staatlichen Tendenzen anpaßte und die bestrebt ist, das Religionsverständnis des Volkes umzuwälzen. (Kara 1999: 232)

– umzuwälzen von einem als rückschrittlich betrachteten Verständnis, in dem sich die Religion mit dem politischen Geschehen vermischt, hin zu einer als modern verstandenen, säkularisierten Religion im privaten Raum. So agiert das DIB eindeutig nach dem Laizismusprinzip, denn „[…] Ziel des politischen Laizismus ist es […], Verhaltensformen und Bewußtsein der Gesellschaft zu säkularisieren“ (Seufert 2004: 12). Laizismusprinzip und DIB bedingen und stärken sich gegenseitig und sind jeweils verantwortlich für den hohen Stellenwert des anderen in der türkischen Republik.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung und Fragestellung: Die Einleitung beleuchtet die politische Entwicklung der Türkei im Hinblick auf EU-Reformen und führt in die zentrale Debatte über die Vereinbarkeit von türkischem Islam und westlicher Rechtsordnung ein.

2 Die Türkische Republik: Neudefinitionen der Beziehungen zum Islam: Dieses Kapitel erläutert die Gründung der Republik durch Atatürk und die Etablierung des Laizismus als eines der sechs Grundprinzipien des Kemalismus zur Marginalisierung religiösen Einflusses.

3.1 Das Amt für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet Isleri Bakanligi, DIB): ein Überblick: Der Abschnitt beschreibt die Geschichte und den Verfassungsrang des DIB als staatliches Instrument zur Kontrolle und Lenkung sunnitischer Religionsausübung.

3.2 Kritik und Bewertung des DIB: Hier wird die Rolle des DIB als staatlicher Kontrollapparat kritisch hinterfragt, wobei die Diskrepanz zwischen theoretischem Anspruch und politischem Missbrauch beleuchtet wird.

4 Islam in der Türkei vs. Demokratie und Modernisierung?: Das Kapitel diskutiert das Spannungsfeld zwischen westlich orientierten Reformen und der identitätsstiftenden Kraft des Islams in der türkischen Gesellschaft.

5 Der Laizismus in der Türkei – eine Einordnung: Diese Analyse definiert den türkischen Laizismus nicht als reine Säkularisierung, sondern als staatliches Steuerungsinstrument zur Modernisierung unter Kontrolle der Religionsausübung.

6 Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Türkei durch Reformen und ein gelockertes Verhältnis zur Religion fähig ist, den „Teufelskreis“ einer sich selbst behindernden Demokratisierung zu durchbrechen.

Schlüsselwörter

Türkei, Islam, Laizismus, Demokratie, EU-Beitritt, DIB, Kemalismus, Säkularisierung, Modernisierung, Nationale Identität, Religionsbehörde, Sunnitischer Islam, Reformen, Zivilgesellschaft, Politik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch das Verhältnis zwischen Staat und Religion in der Türkei sowie die Frage, ob der türkische Laizismus eine Vereinbarkeit mit demokratischen Werten und einem EU-Beitritt zulässt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Rolle des Kemalismus, die staatliche Kontrolle durch das DIB, die Bedeutung des Islams für die nationale Identität und die Herausforderungen der Modernisierung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Erörterung, ob die Türkei ein religiös motivierter Staat ist oder ob der Laizismus erfolgreich eine Säkularisierung des gesellschaftlichen Bewusstseins bewirkt.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche Literaturanalyse, die historische Diskurse und staatliche Institutionen wie das DIB evaluiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Neudefinition der Beziehungen zum Islam, der Funktion des DIB, der Kopftuchdebatte und der kritischen Einordnung des Laizismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Laizismus, DIB, Kemalismus, Demokratisierung, islamisch-konservative Reformpolitik und europäische Integration.

Warum wird das DIB als paradoxe Institution bezeichnet?

Es mutet paradox an, da es eine religiöse Institution innerhalb eines laizistischen Staates ist, die jedoch historisch dazu dient, den Islam unter staatliche Kontrolle zu stellen.

Welche Rolle spielt das Kopftuch in der Argumentation der Arbeit?

Das Kopftuch wird als Symbol verstanden, an dem sich die kemalistische Ablehnung einer im öffentlichen Raum sichtbaren, traditionellen Religion festmacht.

Kann die Türkei laut der Autorin den „Teufelskreis“ der Demokratisierung überwinden?

Ja, durch die Vielzahl an Reformen der AKP-Regierung und die aktive Rolle einer Zivilgesellschaft wird die langfristige Fähigkeit der Türkei dazu positiv eingeschätzt.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Laizismus und Demokratie versus Türkei und Islam? Eine kritische Betrachtung des türkischen Islams und seiner Vereinbarkeit mit Europa
Hochschule
Universität Münster  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in das rechtliche und politische System der Türkei
Note
1,7
Autor
Nora Sevbihiv Sinemillioglu (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V42682
ISBN (eBook)
9783638406673
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Laizismus Demokratie Türkei Islam Eine Betrachtung Islams Vereinbarkeit Europa Einführung System Türkei
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nora Sevbihiv Sinemillioglu (Autor:in), 2005, Laizismus und Demokratie versus Türkei und Islam? Eine kritische Betrachtung des türkischen Islams und seiner Vereinbarkeit mit Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42682
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Leseprobe aus  15  Seiten
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