Die folgende Arbeit behandelt die Frage, inwieweit die Darstellung der pompa funebris Rückschlüsse auf die Gesellschaftsstruktur der römischen Republik zulässt. Insofern gilt es zu untersuchen, inwieweit, so die These, die ‚pompa funebris‘ als Leichenbegängnis der römischen Oberschicht der römischen Nobilität zur Zeit der römischen Republik zur Behauptung ihres politischen Machtanspruchs diente. Dazu werden zunächst einige charakterisierende Bemerkungen über die römische Nobilität und den gesellschaftlichen Kontext in dem sie agiert gegeben. Denn erst diese Rahmenbedingungen lassen erkennen, welchen Stellenwert und welche Wichtigkeit die pompa funebris für die Elite der Republik hat und wie ein politscher Machtanspruch zu dieser Zeit behauptet werden kann. Danach wird das Leichenbegängnis anhand Polybios Darstellungen ausgeführt, um in einem nächsten Schritt zu erläutern, ob und wie sich in der pompa funebris der politische Machtanspruch der römischen Nobilität äußerte respektive die römische Nobilität sie zu instrumentalisieren versuchte. In einem letzten Schritt werden die Erkenntnisse resümiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Römische Nobilität und Tradition
3 Die pompa funebris bei Polybios
4 Behauptung des politischen Machtanspruches - Legitimation, Anerkennung und Betonung von Leistungen
4.1 Nach außen
4.2 Nach innen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der „pompa funebris“ (das Leichenbegängnis) im Kontext der römischen Republik und analysiert, inwieweit dieses Ritual der römischen Nobilität dazu diente, ihren politischen Machtanspruch gegenüber der Gesellschaft sowie innerhalb der eigenen Klasse zu behaupten und zu legitimieren.
- Römische Nobilität und das traditionelle Rollenverständnis
- Die Funktion der pompa funebris als Instrument politischer Selbstdarstellung
- Analyse der pompa funebris basierend auf den „Historien“ des Polybios
- Legitimation von politischer Führung durch Ahnenkult und soziale Distinktion
- Die Bedeutung von „social capital“ innerhalb der römischen Elite
Auszug aus dem Buch
Die pompa funebris bei Polybios
Um im dritten Kapitel den eindeutigen Zusammenhang zwischen politischem Machtanspruch und pompa funebris zu belegen, muss sich zunächst der Ablauf und die Wirkung der pompa funebris vergegenwärtigt werden. Die detaillierteste Darstellung der pompa funebris und der im Zusammenhang mit dieser gehaltenen Lobrede auf Verstorbene, die sogenannte laudatio funebris, gibt Polybios. Polybios war einer der ersten Geschichtsschreiber, der um 199 v. Chr. in Megale Polis (Megalopolis, Griechenland) geboren und um 120 v. Chr. gestorben ist.
Als Anlass der Prozession gilt der Tod eines „angesehene[n] Mann[es]“ in Rom. Dieser wird in einem luxuriösen Leichenzug zur Rednerbühne auf den Markt geführt, wo sich bereits „das ganze Volk“ versammelte. Dann hält meist der Sohn des Verstorbenen die laudatio funebris, eine Rede über die „Tugenden und über die Taten, die er [der Verstorbene] während seines Lebens vollbracht hat“. Durch diese Erinnerungspraktik wird „Mitgefühl“ bei den Anwesenden erzeugt, weil es den Tod als „ein Verlust für das Volk“ erscheinen lässt. Nachdem die Person begraben wurde und ihr „die letzten Ehren“ erwiesen wurden, wird ein Bild respektive eine Maske des Verstorbenen in einem hölzernen Schrein an einer gut sichtbaren Stelle in dessen Haus aufgestellt. Wenn es erneut zum Tod eines „angesehene[n] Glied[es] der Familie“ kommt, werden die Masken der verstorbenen Personen von körperlich ähnlich erscheinenden Personen aufgesetzt und bei dessen Leichenzug mitgeführt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des römischen Traditionalismus ein und definiert die zentrale Forschungsfrage nach der politischen Funktionalität der pompa funebris.
2 Römische Nobilität und Tradition: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Nobilität in der römischen Republik und die entscheidende Rolle von Tradition sowie sozialer Hierarchie für die Handlungsfähigkeit der Elite.
3 Die pompa funebris bei Polybios: Hier wird der historische Ablauf der pompa funebris anhand der detaillierten Beschreibungen von Polybios analysiert und dessen Rolle als Autor eingeordnet.
4 Behauptung des politischen Machtanspruches - Legitimation, Anerkennung und Betonung von Leistungen: Das Kapitel untersucht, wie die pompa funebris durch Symbolik und die Zurschaustellung von Ahnenmasken den Machtanspruch der Nobilität nach außen gegenüber Nichtadligen legitimiert.
4.1 Nach außen: Dieser Abschnitt zeigt auf, wie das Leichenbegängnis genutzt wurde, um Familienprestige öffentlich zu bestätigen und den Führungsanspruch der Oberschicht zu zementieren.
4.2 Nach innen: Dieser Abschnitt analysiert die instrumentelle Verwendung des Totenkults, um die interne Hierarchie des Adels abzubilden und das Ansehen der einzelnen Familien vergleichbar zu machen.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die pompa funebris ein essentielles Instrument war, mit dem die Nobilität ihre politische Macht und ihre gesellschaftliche Sonderstellung behauptete.
Schlüsselwörter
Römische Republik, Nobilität, pompa funebris, laudatio funebris, Polybios, Ahnenkult, Tradition, Machtanspruch, Legitimation, soziale Hierarchie, mos maiorum, politisches Prestige, imagines, Führungsschicht, Gesellschaftsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung des römischen Leichenbegängnisses (pompa funebris) und dessen instrumentellen Nutzen für die politische Klasse der römischen Nobilität.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen der römische Traditionalismus, der Ahnenkult, die soziale Hierarchie der Republik und die Methoden der politischen Machtlegitimation durch Rituale.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit die Darstellung und Durchführung der pompa funebris Rückschlüsse auf die Gesellschaftsstruktur der römischen Republik zulässt und als Instrument zur Behauptung des politischen Machtanspruchs diente.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse historischer Texte, insbesondere der „Historien“ des Polybios, ergänzt durch moderne politikwissenschaftliche und historische Fachliteratur.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die historische Einordnung der Nobilität, die detaillierte Beschreibung der pompa funebris durch Polybios sowie die Analyse der Wirkung dieses Rituals sowohl nach außen als auch innerhalb der adligen Strukturen.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Nobilität, pompa funebris, Legitimation, politischer Machtanspruch, Ahnenmasken (imagines) und Tradition.
Welche Rolle spielten die Ahnenmasken (imagines) in diesem Prozess?
Die Wachsmasken der Ahnen dienten als sichtbare Symbole für das „soziale Kapital“ der Familie und bestätigten bei jedem Auftritt in der Prozession den Anspruch der Nachfahren auf politische Führung.
Warum war der interne Vergleich zwischen den Familien so wichtig?
Ein strukturierter, vergleichbarer Ansehensvergleich innerhalb der Nobilität war notwendig, um eine konfliktfreie Hierarchie zu gewährleisten, was wiederum die Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit der aristokratischen Elite war.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2018, Pompa funebris. Die römische Nobilität und ihr politischer Machtanspruch in der Römischen Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416272