Welchen Belastungen sind Grundschullehrerinnen, die ihrem Beruf nachgehen und zudem eigene Kinder erziehen, ausgesetzt? Wie können sie Beruf und Familie vereinbaren, ohne dass einer der beiden Bereiche oder gar sie selbst dabei auf der Strecke bleiben? Inwiefern profitieren Lehrerinnen in ihrem Beruf von Erfahrungen, die sie während der Erziehung ihrer Kinder sammeln, verändert sich sogar ihr berufliches Selbst? Erwerben sie als Mütter Kompetenzen, die sich positiv auf ihre Arbeit in der Schule auswirken?
Diese Überlegungen stehen hinter dem Titel „Grundschullehrerin und Mutter: Doppelbelastung und Doppelqualifikation – Wie wirkt sich die Erziehung eigener Kinder auf die Professionalisierung von Lehrerinnen aus?“.
Die „Doppelbelastung und Doppelqualifikation von Lehrerinnen“ wird zunächst einer kurzen historischen Betrachtung unterzogen, dann anhand von Erfahrungen einzelner Grundschullehrerinnen und von Forschungsbeiträgen aus der Lehrerinnenforschung skizziert und abschließend werden grundlegende Prozesse für die Doppelqualifizierung dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
a. Doppelbelastung und Doppelqualifikation – historische Entwicklung
b. Die Doppelbelastung von Lehrerinnen durch familiale Aufgaben
c. Doppelqualifizierung von Lehrerinnen durch die Lebenspraxis als Mutter
d. Grundlegende Prozesse der Doppelqualifizierung von Lehrerinnen und ihr Einfluss auf die Professionalisierung
Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Doppelbelastung durch Beruf und Familie und der daraus resultierenden Doppelqualifizierung von Grundschullehrerinnen. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie sich die Erziehung eigener Kinder auf die Professionalisierung von Lehrerinnen auswirkt und welche informellen Kompetenzen dadurch für den Lehrberuf gewonnen werden können.
- Historische Entwicklung der Vereinbarkeit von Lehrerinnenberuf und Familie
- Analyse der physischen und psychischen Belastungsfaktoren durch familiale Aufgaben
- Erwerb informeller pädagogischer Kompetenzen durch die Mutterschaft
- Prozesse der Doppelqualifizierung und deren Einfluss auf das berufliche Handeln
- Entlastungsstrategien und notwendige bildungspolitische Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
c. Doppelqualifizierung von Lehrerinnen durch die Lebenspraxis als Mutter
„Also, die Geburt der Kinder und das Dasein meiner eigenen Kinder hat meine Einstellung zu den Kindern restlos verändert. Also, ich habe früher, darum sage ich, es darf nur der in die Schule, der selber Kinder daheim hat, das ist meine Meinung...“
Lehrerinnen mit eigenen Kindern äußern sich, trotz aller bestehenden Belastungen und anfänglicher Desillusionierungsphasen, grundsätzlich positiv über ihre Erfahrungen. Durch die Erfahrungen als Mutter ändert sich im Schulalltag für die Lehrerinnen vieles.
„Ich hab mir gedacht, als meine Kinder dann , oder als die Große in die Schule kam: ‚Mein Gott, hast du früher die Kinder in der Schule überfordert!’... Überfordert, ja. (...) wie ich dann gesehen habe, was da da ist, was ein Kind jetzt, was es bringen kann und was überhaupt nicht möglich ist.“
Kommen die eigenen Kinder in die Schule, öffnet sich für die Mütter eine bisher noch nicht bekannte Perspektive. Die Frauen erkennen nun, dass der durch die Halbtagsschule eigentlich „freie“ Nachmittag der Kinder in großem Maße von schulischen Vor- und Nachbereitungen eingenommen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Doppelbelastung und Doppelqualifizierung von Grundschullehrerinnen sowie Darlegung des methodischen Vorgehens.
Hauptteil: Historische Einordnung der Problematik, Analyse privater Belastungsfaktoren, Untersuchung der Doppelqualifizierung durch Mutterschaft sowie Darstellung der professionellen Lernprozesse.
Schluss: Zusammenfassende Einschätzung der Ergebnisse, die verdeutlicht, dass eine erfolgreiche Doppelqualifizierung stark von entlastenden Rahmenbedingungen abhängt.
Schlüsselwörter
Grundschullehrerinnen, Doppelbelastung, Doppelqualifizierung, Professionalisierung, Erziehung, Mutterschaft, Schulentwicklung, pädagogische Handlungskompetenz, Lehrerinnenforschung, informelle Bildung, Arbeitszufriedenheit, Vereinbarkeit, Familie und Beruf, Bildungsforschung, Unterrichtsqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Grundschullehrerinnen, die gleichzeitig den Anforderungen des Lehrberufs und der Erziehung eigener Kinder gegenüberstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die physischen und psychischen Belastungen, aber auch die Chancen zur Kompetenzerweiterung durch die informelle Erfahrung der Mutterschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie die Erziehung eigener Kinder zur Professionalisierung von Lehrerinnen beitragen kann (Doppelqualifizierung).
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung durch Literaturanalyse sowie die Auswertung narrativer Interviews aus der Studie von Thomas Ammann.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Analyse der Belastungsfaktoren durch Familie, die Darstellung der Doppelqualifizierung sowie deren Einfluss auf die Professionalisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Doppelbelastung, Doppelqualifizierung, Lehrerinnenforschung, Professionalisierung und informelle Bildung.
Wie wirkt sich die Mutterschaft auf den Unterricht aus?
Laut den Aussagen führt die Erfahrung als Mutter zu einer höheren Empathiefähigkeit, einer besseren Einschätzung kindlicher Lernprozesse und einer stärkeren Schülerorientierung.
Was ist das Haupthindernis für eine positive Doppelqualifizierung?
Das Hauptproblem ist die Tabuisierung und die enorme zeitliche sowie psychische Belastung, die ohne ausreichende Entlastungsstrategien zu negativen beruflichen Folgen führen kann.
Was bedeutet "Doppelqualifizierung" in diesem Kontext genau?
Der Begriff beschreibt den Gewinn an pädagogischen, sozialen und personalen Kompetenzen durch die private Erziehungsarbeit, der in den Schulalltag einfließt.
- Citation du texte
- Wolfgang Bay (Auteur), 2005, Grunschullehrerin und Mutter - Doppelbelastung oder Doppelqualifikation?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41522