Die Italienpolitik des Kaisers Friedrich Barbarossa war im wesentlichen von zwei Faktoren bestimmt. Zum einen beschäftigte ihn das wechselhafte Verhältnis zu den römischen Päpsten, ein beständiges Ringen um Macht und Einfluss auf die christlichen Untertanen. Andererseits hatte er mit der erstarkenden städtischen Bewegung in Italien zu kämpfen. Die reichen oberitalienischen Städte, allen voran die Metropole Mailand, versuchten sich der Reichsgewalt immer mehr zu entziehen und eine unabhängige Stellung zu erringen. Die Geschichte der Italienzüge Barbarossas ist deshalb einerseits von Kriegen und Belagerungen, andererseits von großen Ausgleichsverhandlungen und Vertragsschlüssen geprägt. All diese Fakten erlauben jedoch nur wenig Rückschlüsse auf die emotionale Ebene der Ereignisse im Italien des 12. Jahrhunderts. Hier kann eine bemerkenswerte Episode dieser Zeit weiterhelfen, die Gründung und Entwicklung der Stadt Alessandria. Von der kürzlich ins Leben gerufenen Vereinigung der rebellierenden Städte, dem Lombardenbund, wider jeder damaligen Gepflogenheit gegründet und befestigt, benannt und eingeschworen auf seinen größten Gegner, Papst Alexander III., gereichte diese Stadt wie keine andere dem Staufer zum Ärgernis. Wie aber sahen die Zeitgenossen diesen propagandistischen Akt? War die Kurie direkt mit involviert? Gab es Reaktionen im fernen deutschen Kerngebiet des Reiches? All diese Fragen sollen im Folgenden angegangen werden. Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit der Stadtgeschichte Alessandrias zur Zeit Friedrich Barbarossa. Ein Blick auf die wichtigsten Geschichtsquellen Deutschlands und Italiens für diese Zeit soll dann die Wirkung des Falls Alessandria auf die verschiedenen Mächtegruppen des Konflikts, namentlich die päpstlichen, kaiserlichen und städtischen Kreise illustrieren.
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Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Gründung und Geschichte der Stadt Alessandria
- Alessandria im Spiegel der Geschichtsquellen
- Italienische Quellen
- Päpstliche Quellen
- Kaiserliche Quellen
- Zusammenfassung
- Quellen und Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Gründung und Entwicklung der Stadt Alessandria im Kontext der Italienpolitik Kaiser Friedrich Barbarossas im 12. Jahrhundert. Sie analysiert die politische und propagandistische Bedeutung dieser Stadtgründung und beleuchtet die Reaktionen der verschiedenen Mächtegruppen des Konflikts, insbesondere der Päpste, des Kaisers und der Städte, auf diese außergewöhnliche Stadtgründung.
- Die Rolle der Stadt Alessandria im Konflikt zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und dem Lombardenbund
- Die politische und propagandistische Bedeutung der Stadtgründung durch den Lombardenbund
- Die Reaktionen der päpstlichen, kaiserlichen und städtischen Kreise auf die Gründung Alessandrias
- Die Geschichte der Stadt Alessandria im Kontext der Italienpolitik des Heiligen Römischen Reiches
- Die Bedeutung der Stadt Alessandria als Symbol des Widerstands gegen die kaiserliche Herrschaft
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel gibt eine Einleitung in das Thema und stellt die politische Situation im Italien des 12. Jahrhunderts dar. Es beleuchtet die Spannungen zwischen Kaiser und Papst sowie die wachsende Macht der Städte und die Bedeutung des Lombardenbundes. Das zweite Kapitel behandelt die Gründung und Geschichte der Stadt Alessandria. Es wird die Motivation des Lombardenbundes zur Stadtgründung, die strategische Bedeutung Alessandrias sowie die Reaktionen des Kaisers und der Kurie auf die Stadtgründung beleuchtet. Das dritte Kapitel analysiert die verschiedenen Geschichtsquellen, die Aufschluss über die Bedeutung Alessandrias und die Sichtweisen der verschiedenen Akteure auf die Stadtgründung geben.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit Themen wie Stadtgründung, Politik, Macht, Konflikt, Propaganda, Kaiser Friedrich Barbarossa, Lombardenbund, Päpste, Städte, Geschichtsquellen, Alessandria.
Häufig gestellte Fragen
Warum war die Gründung der Stadt Alessandria so ungewöhnlich?
Alessandria wurde vom Lombardenbund – einer Vereinigung rebellierender Städte – ohne kaiserliche Erlaubnis gegründet und nach Papst Alexander III., dem größten Gegner des Kaisers, benannt. Dies war ein massiver propagandistischer Akt gegen Friedrich Barbarossa.
Welche Rolle spielte Alessandria im Konflikt mit Friedrich Barbarossa?
Die Stadt war ein Symbol des Widerstands gegen die Reichsgewalt. Barbarossa empfand ihre Existenz als Provokation, was sich in langwierigen Belagerungen und politischen Auseinandersetzungen äußerte.
Wie reagierte die päpstliche Kurie auf die Stadtgründung?
Die Kurie war eng involviert, da die Stadt als Bollwerk für die Interessen des Papstes gegen den Kaiser diente. Die Namensgebung unterstrich das Bündnis zwischen dem Lombardenbund und dem Papsttum.
Welche Quellen berichten über den „Fall Alessandria“?
Die Arbeit analysiert italienische, päpstliche und kaiserliche Geschichtsquellen des 12. Jahrhunderts, um die unterschiedlichen Wirkungen und Sichtweisen auf diesen Konflikt darzustellen.
Gab es auch Reaktionen im deutschen Teil des Reiches?
Ja, die Arbeit untersucht, inwieweit die Nachricht von der rebellischen Stadtgründung und die Schwierigkeiten Barbarossas in Italien in den zeitgenössischen deutschen Chroniken wahrgenommen wurden.
- Arbeit zitieren
- Stephan Geier (Autor:in), 2002, Der Fall Alessandria - Wirkung einer ungewöhnlichen Stadtgründung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3897