Der Weimarer Verleger Friedrich Justin Bertuch (1747-1822) leistete mit den Publikationen seines Landes-Industrie-Comptoirs einen bedeutenden Beitrag zur Popularisierung der Naturgeschichte. Eine seiner erfolgreichsten Publikationsreihen war das "Bilderbuch für Kinder", das durch seine thematische Vielfalt vor allem jüngere Leser anziehen sollte, aufgrund seiner hochwertigen Illustrationen und ausführlichen Begleittexte jedoch bald auch für ein erwachsenes Publikum attraktiv wurde.
Wie verhält sich die Gestaltung und Ordnung des Bilderbuches zu den wissenschaftlichen und pädagogischen Ideen der Zeit seiner Entstehung? Welche Veränderungen im Verständnis von Wissen spiegelt das Bilderbuch wider?
Der vorliegende Text versucht anhand Michel Foucaults Betrachtungen der Episteme der Naturgeschichte diesen und ähnlichen Fragen auf den Grund zu gehen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Form des Wissens: Das Sichtbare und Sagbare
- Beispiele im Bilderbuch
- Bewertung des Bildes in der Pädagogik
- Bewertung des Bildes in der Naturgeschichte
- Die Ordnung des Wissens: Das Tableau
- Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem naturgeschichtlichen Gehalt von Friedrich Justin Bertuchs "Bilderbuch für Kinder" und untersucht, welche Form und welche Ordnung das Wissen im Bilderbuch im Vergleich zum typischen Wissen der Naturgeschichte annimmt.
- Analyse der Inhalte des Bilderbuches, um zu bestimmen, welche Aussagen im naturgeschichtlichen Diskurs als Wissen gelten durften.
- Untersuchung der Voraussetzungen für die Formierung des Wissens, einschließlich pädagogischer und philosophischer Ideen, Institutionen und Techniken.
- Bewertung der Kritikpunkte von Seiten der Pädagogik und Naturgeschichte.
- Analyse der Ordnung und Darstellung des Wissens im Bilderbuch und Vergleich mit früheren Bilderbüchern.
- Beurteilung des Einflusses der sichtbaren Form der Naturalien auf die Einteilung und das Verständnis der Naturgeschichte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung beleuchtet die Entstehung und den Erfolg von Bertuchs "Bilderbuch für Kinder" sowie dessen Rolle im Kontext der Naturgeschichte. Der Text stellt die Zielsetzung der Arbeit dar, die darin besteht, den naturgeschichtlichen Gehalt des Bilderbuchs zu bestimmen.
Die Form des Wissens: Das Sichtbare und Sagbare
Dieses Kapitel untersucht die Bedingungen, die für das Gelten einer Aussage als Wissenselement einer Disziplin erfüllt sein müssen. Es wird die Bedeutung der Sichtbarkeit für die Einteilung der Naturgeschichte im 18. Jahrhundert und die Rolle der Sehkraft als privilegierte Erkenntnismethode beleuchtet. Der Text bezieht sich dabei auf Michel Foucaults "Die Ordnung der Dinge" und analysiert Bertuchs Verständnis von einer allgemeinverständlichen Naturgeschichte, die die sichtbare Form der Naturalien für deren Einteilung präferiert.
Schlüsselwörter
Die zentralen Begriffe dieser Arbeit sind: Friedrich Justin Bertuch, "Bilderbuch für Kinder", Naturgeschichte, Wissen, Form, Ordnung, Sichtbarkeit, Sagbarkeit, Disziplin, Michel Foucault, Pädagogik, Erkenntnistheorie, Sehkraft, Orbis Sensualium Pictus, Johan Amos Comenius, Elementarwerk, Johann Bernhard Basedow, Bilder-Akademie, Karl Volkmar Stoy.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Friedrich Justin Bertuch?
Bertuch war ein Weimarer Verleger, der durch sein „Landes-Industrie-Comptoir“ einen bedeutenden Beitrag zur Popularisierung der Naturgeschichte leistete.
Was ist das „Bilderbuch für Kinder“?
Es war eine erfolgreiche Publikationsreihe, die durch hochwertige Illustrationen und Texte Wissen über die Natur sowohl Kindern als auch Erwachsenen vermittelte.
Wie wird Wissen in diesem Werk geordnet?
Die Arbeit analysiert die Ordnung des Wissens anhand des Konzepts des „Tableaus“ und vergleicht sie mit den wissenschaftlichen Ideen des 18. Jahrhunderts.
Welche Rolle spielt die Sichtbarkeit in Bertuchs Werk?
Die Sichtbarkeit der Naturalien war im 18. Jahrhundert die privilegierte Erkenntnismethode; Bertuch nutzte die sichtbare Form zur Einteilung und Vermittlung der Naturgeschichte.
Wie bezieht sich die Arbeit auf Michel Foucault?
Die Analyse nutzt Foucaults Betrachtungen zur „Episteme der Naturgeschichte“ aus seinem Werk „Die Ordnung der Dinge“, um das Wissen im Bilderbuch einzuordnen.
Welchen pädagogischen Einfluss hatte das Bilderbuch?
Es reflektiert pädagogische Ideen der Zeit (wie die von Basedow oder Comenius) und setzt auf die Sehkraft als Methode zur Formung des Wissens bei Kindern.
- Citation du texte
- Markus Lindner (Auteur), 2016, Form und Ordnung des Wissens in Friedrich Justin Bertuchs "Bilderbuch für Kinder", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388620