Die Arbeit beschäftigt sich mit dem aktuellen zivilrechtlichen Problem, das entsteht, wenn Minderjährige im Rahmen eines kostenlos zu erwerbenden Spieles entgeltliche Zusatzleistungen (Coins usw.) erwerben. Im Rahmen der Arbeit werden mögliche Rückerstattungsansprüche der Eltern und Schutzmöglichkeiten der Spieleentwickler erörtert.
Jedoch können sich die Spieleanbieter bei Vertragsschluss hinsichtlich der Geschäftsfähigkeit ihrer Vertragspartner nicht absolut sicher sein und vertrauen lediglich auf deren Angaben in ihren Benutzerkonten. Hierdurch können vertragsrechtliche Probleme entstehen, wenn geschäftsunfähige oder beschränkt geschäftsfähige Nutzer Käufe abschließen. Insbesondere gestaltet sich die Einordnung der Käufe, die ohne die Einwilligung der gesetzlichen Vertreter erfolgen problematisch.
Im Folgenden wird erörtert, wie diese vertragsrechtlichen Probleme im Hinblick auf den Minderjährigenschutz zu würdigen sind und welche Rückforderungsansprüche den Minderjährigen zustehen. Außerdem werden verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten der Spieleentwickler dargelegt, die es ermöglichen können derartigen Rückforderungsansprüchen bestmöglich auszuweichen.
Inhaltsverzeichnis
- A. Einleitung
- B. Hauptteil
- I. Wirksamkeit des Rechtsgeschäftes
- 1. Lediglich rechtlich vorteilhaftes Geschäft
- a) Einwilligung des gesetzlichen Vertreters
- b) Konkludente Einwilligung
- c) Bewirkung mit eigenen Mitteln (§ 110 BGB)
- 2. Rückforderungsansprüche der Erziehungsberechtigten
- a) Bereicherungsanspruch
- b) Widerrufsrecht
- 3. Zwischenergebnis
- II. Gestaltungsmöglichkeiten der Spieleanbieter
- 1. Allgemeine Geschäftsbedingungen
- a) Bestätigung der Volljährigkeit
- b) Bestätigung des Vorliegens einer Einwilligung
- c) Bestätigung zur Kenntnisnahme der Widerrufsbelehrung
- 2. Vertragsabwicklung via Kreditkarte
- a) Anscheinsvollmacht
- b) Haftung wegen Identitätstäuschung
- 3. Zwischenergebnis
- III. Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit den rechtlichen Problemen, die im Zusammenhang mit dem "free-to-play"-Geschäftsmodell von Computerspielen im Hinblick auf den Minderjährigenschutz entstehen. Der Fokus liegt auf der Frage, wie die Wirksamkeit von Rechtsgeschäften, die durch Minderjährige im Rahmen von kostenpflichtigen Zusatzleistungen in Computerspielen abgeschlossen werden, zu beurteilen ist.
- Die rechtliche Einordnung von Käufen von Zusatzleistungen in Computerspielen durch Minderjährige
- Die Bedeutung der Einwilligung des gesetzlichen Vertreters
- Die Rückforderungsansprüche von Minderjährigen und deren Erziehungsberechtigten
- Gestaltungsmöglichkeiten der Spieleanbieter zur Vermeidung von Rechtsproblemen
Zusammenfassung der Kapitel
Im ersten Kapitel wird die rechtliche Grundlage für die Beurteilung der Wirksamkeit von Rechtsgeschäften durch Minderjährige erläutert. Insbesondere wird auf die Bedeutung der Einwilligung des gesetzlichen Vertreters und die Möglichkeit der konkludenten Einwilligung eingegangen. Außerdem werden die Rückforderungsansprüche der Erziehungsberechtigten, sowohl im Hinblick auf den Bereicherungsanspruch als auch das Widerrufsrecht, dargestellt.
Das zweite Kapitel befasst sich mit den Gestaltungsmöglichkeiten der Spieleanbieter, um rechtliche Probleme im Zusammenhang mit minderjährigen Spielern zu vermeiden. Hierbei werden die verschiedenen Formen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Bedeutung der Vertragsabwicklung via Kreditkarte im Hinblick auf den Minderjährigenschutz analysiert.
Schlüsselwörter
Minderjähriger Spieler, Gratis Computerspiele, entgeltliche Zusatzleistungen, "free-to-play", Geschäftsmodell, Wirksamkeit, Rechtsgeschäft, Einwilligung, gesetzlicher Vertreter, Rückforderungsanspruch, Bereicherungsanspruch, Widerrufsrecht, Gestaltungsmöglichkeiten, Allgemeine Geschäftsbedingungen, Vertragsabwicklung, Kreditkarte, Identitätstäuschung
Häufig gestellte Fragen
Sind Käufe von Minderjährigen in "Free-to-Play"-Spielen wirksam?
In der Regel sind solche Käufe schwebend unwirksam, wenn keine Einwilligung der gesetzlichen Vertreter vorliegt. Sie werden erst mit Zustimmung der Eltern wirksam.
Können Eltern Geld für In-App-Käufe ihrer Kinder zurückfordern?
Ja, es bestehen oft Rückforderungsansprüche aus Bereicherungsrecht oder Widerrufsrechte, sofern der Vertrag mangels Einwilligung nicht wirksam zustande gekommen ist.
Was besagt der "Taschengeldparagraph" (§ 110 BGB) hierzu?
Ein Vertrag ist wirksam, wenn der Minderjährige die Leistung mit Mitteln bewirkt, die ihm zu diesem Zweck oder zur freien Verfügung überlassen wurden. Bei hohen Beträgen für virtuelle Güter ist dies oft fraglich.
Wie schützen sich Spieleentwickler vor Rückforderungen?
Entwickler nutzen AGB, in denen Volljährigkeit oder Einwilligung bestätigt werden müssen, sowie Identitätsprüfungen bei der Vertragsabwicklung via Kreditkarte.
Was ist eine Anscheinsvollmacht im Kontext von Online-Käufen?
Wenn Eltern ihre Zugangsdaten (z.B. Kreditkartendaten) ungesichert lassen, könnte unter Umständen eine Anscheinsvollmacht vorliegen, die den Vertrag trotz Minderjährigkeit bindend macht – dies ist jedoch rechtlich umstritten.
- Citation du texte
- Furkan Yilmaz (Auteur), 2016, Beschränkte Geschäftsfähigkeit Minderjähriger. Gratis Computerspiele mit entgeltlichen Zusatzleistungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/382969