Die Arbeit setzt sich mit dem platonischen Dialog "Gorgias" auseinander. Sie stellt die Behauptung des Sokrates im Gespräch mit Polos auf den Prüfstand, wonach eine Bestrafung die Seele reinigt. Der Autor untersucht die Stichhaltigkeit der vorgetragenen Argumente und bescheinigt dem Sokrates in dieser Auseinandersetzung mit Polos eine schwache Beweisführung. Er selbst kommt zu dem Ergebnis, dass es auch entgegen dem aktuellen katholischen Katechismus keine Gründe gibt, eine Reinigungskraft der Strafe beim Pönitenten anzunehmen.
Inhaltsverzeichnis
- Fragestellung
- Die Beweisführung des Sokrates – sein Vergleich hinkt
- Formale Gründe
- Inhaltliche Gründe
- Der Gegenbeweis des Polos - ein Tyrann lebt gänzlich ungeniert
- Argumentationsschwächen des Sokrates
- Objektiver - subjektiver Wahrheitsbegriff
- Keine Beschmutzung der Seele durch Ungerechtigkeit
- Strafe vermag ihrem Wesen nach eine Ungerechtigkeit nicht ungeschehen zu machen – ungenügende Reinigungskraft der Strafe
- Es gibt nur eine Reinigung,light‘
- Unrecht kann nicht ungeschehen gemacht werden
- Materiell-körperliche Strafe kann eine nicht-stoffliche Seele nicht erreichen
- Résumé: Kein Beweis für eine Seelenreinigung durch Strafe
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Platons Gorgias auseinander und hinterfragt die Aussage, dass Strafe die Seele reinigt. Sie analysiert die Argumentation des Sokrates und des Polos im Dialog und beleuchtet die Schwächen der sokratischen Beweisführung.
- Reinigung der Seele durch Strafe
- Objektiver und subjektiver Wahrheitsbegriff
- Analogieschluss und seine Grenzen
- Der Tyrann als Beispiel für ein „glückliches Unrecht“
- Platons Philosophie im Kontext der katholischen Lehre
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung stellt die Fragestellung der Arbeit vor und verortet sie im Kontext der philosophischen und theologischen Debatte um die Reinigung der Seele.
- Im zweiten Kapitel wird die Argumentation des Sokrates kritisch analysiert, der die Strafe mit der Heilung eines kranken Körpers vergleicht.
- Der dritte Abschnitt befasst sich mit dem Gegenbeweis des Polos, der den Tyrann Archelaos als Beispiel für ein „glückliches Unrecht“ anführt.
- Das vierte Kapitel beleuchtet die Argumentationsschwächen des Sokrates und stellt die Frage, ob die Seele tatsächlich durch Strafe gereinigt werden kann.
Schlüsselwörter
Platon, Gorgias, Sokrates, Polos, Strafe, Seelenreinigung, Gerechtigkeit, Glück, Unrecht, Objektiver Wahrheitsbegriff, Subjektiver Wahrheitsbegriff, Analogieschluss, Tyrann, Archelaos, Katholische Kirche, Katechismus, Pönitenten, Bußwerke.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Platons Dialog "Gorgias"?
Der Dialog behandelt Themen wie Rhetorik, Gerechtigkeit und die Frage, ob es besser ist, Unrecht zu tun oder Unrecht zu leiden.
Behauptet Sokrates, dass Strafe die Seele reinigt?
Ja, Sokrates vergleicht die Bestrafung der Seele mit der medizinischen Heilung eines kranken Körpers; die Strafe soll das "Übel" der Ungerechtigkeit entfernen.
Welche Kritik übt der Autor an Sokrates' Beweisführung?
Der Autor kritisiert den Analogieschluss zwischen Körper und Seele als hinkend und bezeichnet die Beweisführung als schwach, da materielle Strafe eine nicht-stoffliche Seele kaum erreichen kann.
Was ist das Beispiel des Tyrannen Archelaos?
Polos führt Archelaos als Beispiel für jemanden an, der durch schweres Unrecht zur Macht kam, aber dennoch glücklich lebt, um Sokrates zu widersprechen.
Hat Strafe laut dem Text eine Reinigungskraft?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es keine hinreichenden Gründe gibt, eine tatsächliche Reinigung der Seele durch Strafe anzunehmen.
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- Götz-Ulrich Luttenberger (Author), 2017, Reinigt Strafe tatsächlich die Seele? Überlegungen zu Platons "Gorgias", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373386