In dieser Arbeit möchte ich die These untermauern, dass Antisemitismus nicht nur eines der Elemente des Islamismus ist, sondern sogar das zentrale Element eben dieser Ideologie. Als Beispiel dafür dient die Muslimbruderschaft, die als eine der ersten Organisationen im arabischen Raum eliminatorischen Antisemitismus als propagandistisches Mittel verwendete und in die Praxis umsetzte. An Hand dieser werde ich die einzelnen Bestandteile der Ideologie, gerade mit Blick auf antisemitische Elemente, untersuchen.
Etwa zeitgleich mit dem Nationalsozialismus und dem Faschismus in Europa, entstand im Jahr 1928 in Ägypten die Muslimbruderschaft, die als Mutter des ‚modernen‘ Islamismus prägend für die zentrale Rolle des Antisemitismus in der islamistischen Ideologie ist. Ähnlich wie die faschistische Bewegung in Europa, betrat die Muslimbruderschaft die politische Bühne mit einer vermeintlichen Antwort auf die wiederkehrenden Krisen des Kapitalismus. Dabei war der Kern des ideologischen „Lösungsansatzes“ genau so am Faschismus der Vorbilder in Europa wie auch am Koran orientiert. Zwar unterschied sich die Ideologie der Muslimbruderschaft im Punkte der Sexualmoral und Geschlechterpolitik sowie der Rassenpolitik von Nationalsozialismus und Faschismus.
Trotzdem überwogen Übereinstimmungen wie etwa die Ablehnung von Parlamentarismus, der offene Kampf gegen Marxismus und Liberalismus und letztlich die Verteufelung des Zinses in Personifizierung des Juden, als alles zersetzende Kraft in der Gesellschaft. Heute gelten die Muslimbrüder als älteste noch existierende islamistische Organisation. Sie war und ist ideologisches Vorbild für alle großen Sprösslinge des Islamismus. Dazu zählen die Taliban, al-Quaida und die Hamas. Die Muslimbruderschaft war hauptverantwortlich für die massenhafte Verbreitung antizionistischer und antisemitischer Inhalte in Form massiver Propaganda gegen Juden bzw. gegen den jüdischen Staat. Eine unmittelbare Folge dieses Propagandafeldzuges war die vollkommene Umkehr des eher pro-jüdisch geprägten Klimas Ägyptens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert, in ein Klima des antisemitischen Vernichtungswahns und des Antizionismus ab den 1940er Jahren.
Mit über 60 verschiedenen Publikationen gehören die „Protokolle der Weisen von Zion“ und Adolf Hitlers „Mein Kampf“, nach dem Koran, heute zu den weitverbreitesten Werken in der islamischen Welt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Muslimbruderschaft – Gründungsgeschichte & Aufstieg unter al-Banna
- Organisationsstruktur und Verwaltungsapparat
- Antisemitismus als Kern der Ideologie
- Zur Ideologie - Ökonomisches Programm
- Zur Ideologie - Der „Ur-Islam“
- Zur Ideologie - Kulturkampf
- Zur Ideologie - Die Rolle des Djihads („Die Todesindustrie“)
- Abriss: Antisemitismus der Muslimbruderschaft nach der Staatsgründung Israel
- Antisemitismus als Kernelement des modernen Islamismus
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Antisemitismus als zentrales Element der Ideologie der Muslimbruderschaft. Sie analysiert die Gründungsgeschichte der Organisation und den Aufstieg von Hasan al-Banna, sowie deren Organisationsstruktur und Verwaltungsapparat. Die Arbeit beleuchtet die antisemitischen Elemente in der Ideologie der Muslimbruderschaft, wie sie sich in deren ökonomischem Programm, dem „Ur-Islam“, dem Kulturkampf und der Rolle des Djihads manifestieren.
- Die Rolle des Antisemitismus in der Ideologie der Muslimbruderschaft
- Die historischen Wurzeln des Antisemitismus innerhalb der Muslimbruderschaft
- Die Verbindung von Antisemitismus und Islamismus
- Die Auswirkungen des Antisemitismus der Muslimbruderschaft auf die arabische Welt
- Die Rolle der Muslimbruderschaft als Vorbild für andere islamistische Organisationen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Antisemitismus innerhalb der islamistischen Ideologie. Kapitel 2 beschäftigt sich mit der Gründungsgeschichte der Muslimbruderschaft und dem Aufstieg von Hasan al-Banna. Kapitel 3 analysiert die Organisationsstruktur und den Verwaltungsapparat der Muslimbruderschaft. Kapitel 4 untersucht den Antisemitismus als Kern der Ideologie der Muslimbruderschaft, indem es die einzelnen Bestandteile der Ideologie, wie das ökonomische Programm, den „Ur-Islam“, den Kulturkampf und die Rolle des Djihads, im Hinblick auf antisemitische Elemente beleuchtet.
Schlüsselwörter
Islamismus, Antisemitismus, Muslimbruderschaft, Hasan al-Banna, Ideologie, Djihad, „Ur-Islam“, Kulturkampf, Ökonomisches Programm, Arabische Welt, Zionismus, Protokolle der Weisen von Zion, Mein Kampf, Scharia, umma, Kolonialismus, Nationalismus, Faschismus, Nationalsozialismus, Propaganda, Taliban, al-Qaida, Hamas.
Häufig gestellte Fragen
Ist Antisemitismus ein zentrales Element des Islamismus?
Die Arbeit untermauert die These, dass Antisemitismus nicht nur ein Randaspekt, sondern das zentrale ideologische Kernelement des modernen Islamismus ist.
Welche Rolle spielt die Muslimbruderschaft in dieser Ideologie?
Die 1928 gegründete Muslimbruderschaft gilt als „Mutter“ des modernen Islamismus und war maßgeblich für die Verbreitung eliminatorischen Antisemitismus im arabischen Raum verantwortlich.
Welche Parallelen gibt es zwischen Islamismus und Faschismus?
Gemeinsamkeiten finden sich in der Ablehnung von Parlamentarismus, Marxismus und Liberalismus sowie in der Verteufelung des Zinses, oft personifiziert durch antisemitische Stereotype.
Welchen Einfluss hatte Hasan al-Banna auf die Organisation?
Als Gründer prägte al-Banna die Struktur und die ideologische Ausrichtung, die den Kampf gegen westliche Einflüsse und den Zionismus ins Zentrum stellte.
Wie verbreitete die Muslimbruderschaft ihre Propaganda?
Durch massenhafte Publikationen, darunter auch die Verbreitung der „Protokolle der Weisen von Zion“ und Hitlers „Mein Kampf“, wurde das Klima in Ägypten ab den 1940er Jahren radikalisiert.
Welche heutigen Organisationen sind von dieser Ideologie geprägt?
Die Muslimbruderschaft diente als Vorbild für Organisationen wie die Hamas, al-Qaida und die Taliban.
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- Christian Schwinge (Author), 2016, Islamismus und Antisemitismus. Ein zentrales Element der Ideologie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343334