In der Arbeit wird vor allem auf die metaphorischen Figuren aus Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ eingegangen, die in dem Roman immer wieder auftreten. Diese sind aus dem Buch nicht wegzudenken und für die Haupthandlung und den Werdegang der Hauptfigur nicht zu umgehen. Inwieweit diese Personen, aber auch andere rhetorische Mittel und Techniken, in der filmischen Version umgesetzt worden sind, wird anschließend beleuchtet.
In den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts verdoppelt sich die Einwohnerzahl Berlins, von zwei auf vier Millionen Einwohner. Durch die Konzentration geistigen und politischen Strömungen wird es zum Zentrum von Wissenschaft, Kultur und Verkehr. Da Döblin selbst in der Stadt lebt, wird sie zum Fokus seiner Darstellungen. Sie spielte nicht nur für ihn eine wesentliche Rolle, sondern auch für andere Futuristen und Expressionisten seiner Zeit. Rund um die Stadt entstehen zahlreiche Gedichte und Kurzgeschichten. Für Döblin wurde „Berlin Alexanderplatz“ zu seinem größten und populärsten Erfolg. Neben der weiteren Verbreitung, die Döblin mit einer Verfilmung seines Buches beabsichtigte, wollte er aber auch eine kulturelle Errungenschaft an den kleinen Mann bringen. So sagt Döblin selbst: „Das Kino ist das Theater der kleinen Leute“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Roman
2.1. Inhaltsangabe
2.2. Die Rolle des Erzählers
2.3. Biblische Leitmotive der Handlung
2.3.1. Das Paradies-Motiv
2.3.2. Die Hiob Geschichte
2.3.3. Die Hure Babylons und der Tod
3. Die filmische Umsetzung des Romans
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ im Hinblick auf seine erzählerischen Techniken, insbesondere die Verwendung biblischer Leitmotive zur Strukturierung und Interpretation des Protagonisten-Schicksals, und untersucht, wie diese komplexen Inhalte in der ersten filmischen Adaption von 1931 umgesetzt wurden.
- Die Rolle des auktorialen Erzählers und dessen Interaktion mit dem Leser.
- Die Funktion von biblischen Motiven (Paradies, Hiob, Hure Babylons) als Strukturgeber.
- Die Analyse von Assoziationstechniken und dem sogenannten „Döblinismus“.
- Vergleichende Betrachtung der literarischen Vorlage und der filmischen Umsetzung.
- Untersuchung der Rezeptionsgeschichte und der ästhetischen Herausforderungen bei der Adaption moderner Literatur.
Auszug aus dem Buch
2.3.3. Die Hure Babylons und der Tod
Zwei weitere biblische Gegenspieler im Roman sind die Hure Babylons und der Tod. Erstgenannte wird mit, wie schon in der Paradies-Paraphrase, der Verführung in Verbindung gebracht. Dieses Mal wird aber eine Parallele zur Apokalypse aus dem Buch der Offenbarung von Johannes gezogen. Es gibt aber auch wesentliche Unterschiede: „ […] den Wandel von der 1. Person bei Johannes zur 2. Person bei Döblin, wodurch Letzter erreicht, dass sich nicht nur sein Franz Biberkopf, sondern auch der Leser stärker angesprochen fühlen soll; der Wechsel vom Präteritum der Bibel zum Präsens des „Berlin Alexanderplatz“ akzentuiert stärker den Aspekt der Gegenwärtigkeit, der Aktualität.“ In diesem Zusammenhang der Gegenwärtigkeit geht die Verführung von der Stadt selbst aus, deren Verlockungen Franz schließlich auch erliegt.
In der Offenbarung des Johannes heißt es: „ Und das Weib, das du gesehen hast, ist die große Stadt, die die Herrschaft hat über die Könige auf der Erde.“ Also ist die Figur, die Döblin hier schafft, die personifizierte Stadt. Die Hure Babylons tritt das erste Mal nach dem zweiten Schicksalsschlag von Franz auf, nämlich als er seinen Arm verloren hatte. Er zieht wieder die falschen Schlüsse aus seinen Erlebnissen und verdrängt alles, was ihm zeigt, dass die Welt nicht in Ordnung ist. Er wird Teil der Stadt „Franz Biberkopf wird ein Hehler, ein Verbrecher“. Er zieht durch Kneipen und ertränkt alle Zweifel im Alkohol, akzeptiert sein Dasein und lässt sich von der Stadt verführen: „Und nun komm her, du, komm, ich will dir etwas zeigen, Die große Hure, die Hure Babylon, die da am Wasser sitzt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entstehungsgeschichte von „Berlin Alexanderplatz“ ein und erläutert Döblins Motivation, die Großstadt Berlin als Fokus seines modernen Romans zu wählen.
2. Der Roman: Dieses Hauptkapitel analysiert die Struktur, die Erzählweise und die zentralen Techniken des Romans, insbesondere den Einfluss des Großstadtmilieus auf den Protagonisten Franz Biberkopf.
2.1. Inhaltsangabe: Hier wird der Handlungsverlauf des Romans chronologisch anhand der neun Bücher und des Prologs zusammengefasst.
2.2. Die Rolle des Erzählers: Dieser Abschnitt untersucht die Funktion des auktorialen Erzählers als Vermittler zwischen dem Geschehen, den Figuren und dem Leser.
2.3. Biblische Leitmotive der Handlung: In diesem Kapitel wird aufgezeigt, wie biblische Referenzen als innere Struktur des Romans fungieren und zur Deutung des Schicksals von Franz Biberkopf beitragen.
2.3.1. Das Paradies-Motiv: Dieses Unterkapitel analysiert das Paradies-Motiv als Kontrast zur rauen Realität der Großstadt und zu Franz Biberkopfs Entwicklung.
2.3.2. Die Hiob Geschichte: Dieser Abschnitt setzt die Figur des Franz Biberkopf in Bezug zur biblischen Hiob-Gestalt, um Leidenswege und Läuterungsprozesse aufzuzeigen.
2.3.3. Die Hure Babylons und der Tod: Hier wird die Symbolik der Hure Babylons als personifizierte Stadt und der Tod als heilende Instanz im Kontext der Handlung gedeutet.
3. Die filmische Umsetzung des Romans: Dieses Kapitel vergleicht die filmische Adaption von 1931 mit der literarischen Vorlage und beleuchtet die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der spezifischen Montagetechniken.
Schlüsselwörter
Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz, Franz Biberkopf, moderner Roman, Großstadt, biblische Leitmotive, Hiob-Geschichte, Hure Babylons, Montageprinzip, Verfilmung, Phil Jutzi, Erzähltechnik, Weimarer Republik, Literaturanalyse, Expressionismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Roman „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin hinsichtlich seiner erzählerischen Komplexität und insbesondere der Verwendung biblischer Leitmotive als strukturierende Elemente für die Handlung.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Rolle der Großstadt, die Entwicklung des Protagonisten Franz Biberkopf sowie die biblischen Verweise, die als Deutungsrahmen für sein Schicksal dienen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Döblin durch Montage und biblische Paraphrasen eine tiefe psychologische und existenzielle Dimension in den Roman einwebt und wie diese spezifischen Merkmale in der Verfilmung von 1931 interpretiert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine textanalytische Methode angewandt, die auf literarischen Vergleichsanalysen und der Untersuchung der intertextuellen Bezüge (biblische Motive) sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit der filmischen Adaption basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Inhaltsanalyse, die Untersuchung der Erzählhaltung, die systematische Aufarbeitung der biblischen Leitmotive und eine kritische Gegenüberstellung von Roman und Film.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie „Döblinismus“, moderne Erzähltechnik, biblische Symbolik, Großstadtmetropole und intermediale Adaption charakterisieren.
Warum wird im Buch zwischen Franz Biberkopf und Hiob eine antithetische Assoziation gezogen?
Die Arbeit stellt dar, dass Biberkopf als krimineller Protagonist am unteren Rand der Gesellschaft das genaue Gegenteil der rechtschaffenen und gottesfürchtigen Hiob-Figur verkörpert, was die existenzielle Notlage des Helden unterstreicht.
Welche Rolle nimmt der Tod in der Erzählung ein?
Der Tod tritt im neunten Buch nicht nur als fiktive Figur auf, sondern agiert laut der Analyse als „Heiler“, der Franz Biberkopf im psychischen Zusammenbruch zur Selbsterkenntnis und schließlich zur Wiedergeburt führt.
Warum konnte der Film von 1931 die Tiefe des Romans nach Einschätzung des Autors nicht einfangen?
Laut der Arbeit konzentrierte sich die Verfilmung zu stark auf die Inszenierung des Hauptdarstellers Heinrich George und vernachlässigte die komplexen biblischen Motive und die innovativen Montagetechniken, die den Kern des Romans bilden.
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- Nadine Langer (Author), 2013, Biblische Leitmotive im Roman "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin und seine filmische Umsetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339404