Die sich verändernden gesellschaftlichen, politischen, technischen und ökonomischen Rahmenbedingungen im Gesundheitssektor erfordern eine stetige Weiterentwicklung des Unternehmens Krankenhaus. Die vorliegende Arbeit widmet sich den organisationalen Veränderungsprozessen in hessischen Krankenhäusern mit kommunaler Trägerschaft. Es stellt sich die Frage, welche Ansätze des Change Management besonders geeignet sind, um die Veränderungsbereitschaft der Krankenhausbeschäftigten zu fördern. Dieser Fragestellung wurde im Rahmen einer empirischen Untersuchung in Form von Online-Interviews mit Beschäftigten aller Berufsgruppen und Hierarchieebenen nachgegangen. Insgesamt konnten 440 Interviews in die Analyse eingeschlossen werden. Als theoretische Grundlage dienten anerkannte Theorien und Modelle zum organisatorischen Wandel, wie etwa von Greiner, Bleicher oder Hurst, und zur Entstehung und Dynamik von personalem Widerstand.
Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Beschäftigten im Krankenhaus grundsätzlich für notwendige Veränderungsmaßnahmen offen sind und daran partizipieren möchten, auch wenn diese Mehrarbeit verursachen. Die Veränderungsbereitschaft scheint jedoch zu einem gewissen Grad vom Bildungsniveau, der beruflichen Sozialisation und der Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängig zu sein. Hinsichtlich der Präferenzen zur Gestaltung organisationalen Wandels lassen sich Unterschiede zwischen den Berufsgruppen, insbesondere bei dem Aspekt materieller Anreize vermuten. Der größte positive Einfluss auf die Veränderungsbereitschaft kann aber dem Einräumen von Entscheidungs- und Handlungsspielräumen für die Beschäftigten zugeschrieben werden. In den kommunalen Krankenhäusern in Hessen bestehen Optimierungspotenziale in allen Dimensionen des Change Management. Die Arbeit macht deutlich, dass gerade die effektivsten Stellschrauben der Veränderungsbereitschaft mit nur geringem finanziellem Aufwand für die Krankenhausunternehmen umgesetzt werden könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangslage und Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Forschungsstand
1.4 Abgrenzung des Untersuchungsgegenstands
1.5 Aufbau und methodisches Vorgehen
2. Grundlagen des Change Management
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Arten und Intensitäten von Wandel
2.3 Sozialökonomische Erklärungen des organisatorischen Wandels
2.3.1 Das Wachstumsmodell nach Greiner
2.3.2 Das Phasenmodell nach Bleicher
2.3.3 Das Learning-and-Performance-Modell nach Hurst
2.4 Rollen in Veränderungsprozessen
2.5 Widerstand im organisatorischen Wandel
2.5.1 Definition
2.5.2 Personale Determinanten
2.5.3 Organisatorische Determinanten
2.5.4 Erscheinungsformen
2.6 Zusammenfassung
3. Veränderungsprozesse in kommunalen Krankenhäusern Hessens
3.1 Untersuchungsfeld
3.1.1 Marktanteil und Infrastruktur
3.1.2 Aufbauorganisation
3.1.3 Beschäftigte im hessischen Gesundheitswesen
3.1.4 Spezifische Herausforderungen
3.2 Studiendesign
3.2.1 Stichprobe
3.2.2 Fragestellung und Messmodell
3.2.3 Operationalisierung
3.2.4 Entwicklung des Fragebogens
3.2.5 Gütekriterien
3.2.6 Pretest
3.2.7 Datenerhebung
3.2.8 Datenaufbereitung und Auswertung
3.3 Ergebnisse
3.3.1 Soziodemografische Merkmale der Teilnehmer
3.3.2 Beschäftigungssituation
3.3.3 Initiatoren und Träger der Veränderungsprozesse
3.3.4 Art und Ursache der Veränderungsprozesse
3.3.5 Erfolg der Veränderungsprozesse
3.3.6 Formen und Ursachen von Widerstand
3.3.7 Präferenzen zur Gestaltung von Veränderungsprozessen
3.3.8 Veränderungsbereitschaft und Berufsgruppenzugehörigkeit
3.3.9 Veränderungsbereitschaft und soziale Situation
3.3.10 Anforderungen an Veränderungsprozesse
3.3.11 Zusammenfassung
3.4 Zur Projektion allgemeiner sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse auf das Setting eines Krankenhauses
4. Ableitung von Handlungsempfehlungen
4.1 Handlungsfeld Kultur
4.2 Handlungsfeld Strukturen und Prozesse
4.3 Handlungsfeld Strategie
5. Abschluss
5.1 Kritische Betrachtung der empirischen Methodik
5.2 Fazit
5.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, effektive Ansätze des Change Managements zu identifizieren, um die Veränderungsbereitschaft der Beschäftigten in kommunalen Krankenhäusern in Hessen zu fördern. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse des Zusammenhangs zwischen organisationalen Veränderungsprozessen und dem Verhalten der Mitarbeitenden.
- Analyse der Veränderungsbereitschaft im Krankenhaus unter Berücksichtigung soziodemografischer Faktoren.
- Identifikation und Ursachenforschung von Widerstandshandlungen im organisationalen Wandel.
- Untersuchung der Bedeutung von Entscheidungsspielräumen und Beteiligungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter.
- Evaluation von Change-Management-Dimensionen (wie Kultur, Führung und Kommunikation) in der Krankenhauspraxis.
- Ableitung kostenneutraler Handlungsempfehlungen für das Krankenhausmanagement.
Auszug aus dem Buch
2.5 Widerstand im organisatorischen Wandel
„Resistance is a natural part of the change process and is to be expected“ Zaltman/Duncan (1977)
Wird eine Person oder Gruppe, hier im organisationalen Kontext, mit fundamentalen Veränderungen konfrontiert, so durchläuft sie nach Scott und Jaffe (1988) einen mehrphasigen Prozess der Verarbeitung. Nach anfänglicher Verleugnung der neuen Situation (siehe Abb. 5) durch den/die Betroffenen folgt eine Phase des Widerstands, bevor mögliche Vorteile der Veränderung zuerst durch Erproben validiert und bestenfalls ganz oder teilweise internalisiert werden. Dieser Prozess wird von individuellen Erwartungen, Ängsten und Reaktionen flankiert.
Eine einheitliche wissenschaftliche Definition des Begriffs „Widerstand“ hat sich bisher nicht durchgesetzt. Unter dem Begriff werden verschiedene Formen des nicht-systemkonformen Verhaltens, sowohl von Personen als auch von Gruppen zusammengefasst. Zaltman und Duncan (1977: 63) definieren Widerstand als Verhaltensweise zur Aufrechterhaltung eines Status quo bei drohender Veränderung desselben (“any conduct that serves to maintain the status quo in the face of pressure to alter the status quo“). Ansoff (1984:388) sieht im Widerstand ein multifaktorielles Geschehen, das zu Zeitverzögerungen, zusätzlichen Kosten und Instabilität im organisatorischen Wandel führt ("[…] a multi-faceted phenomenon, which introduces unanticipated delays, costs and instabilities into the process of strategic change"). In jedem Fall kann Widerstand als aktiver oder passiver Boykott gegen Entscheidungen und Maßnahmen verstanden werden, unabhängig davon, ob dieser begründet oder logisch nachvollziehbar erscheint (vgl. Schmidt 1996: 36 ff.; Lauterburg/Doppler 2008: 336). Widerstandshandlungen werden durch personale und organisationale Faktoren hervorgerufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Veränderungsprozesse im Gesundheitssektor ein und definiert das Ziel, Handlungsempfehlungen für das Krankenhausmanagement zur Förderung der Veränderungsbereitschaft zu entwickeln.
2. Grundlagen des Change Management: Hier werden zentrale theoretische Modelle und Konzepte des organisatorischen Wandels, Rollenbilder in Veränderungsprozessen sowie die psychologischen und organisationalen Ursachen für Widerstand erläutert.
3. Veränderungsprozesse in kommunalen Krankenhäusern Hessens: Dieses Kapitel umfasst die empirische Untersuchung, inklusive Studiendesign, Datenerhebung und die detaillierte Darstellung der Ergebnisse zur Veränderungsbereitschaft und zu Widerstandsmustern.
4. Ableitung von Handlungsempfehlungen: Aufbauend auf den Studienergebnissen werden praktische Maßnahmen in den Handlungsfeldern Kultur, Strukturen/Prozesse und Strategie für das Krankenhausmanagement definiert.
5. Abschluss: Der Abschluss reflektiert die methodische Vorgehensweise, zieht ein Fazit aus der Untersuchung und gibt einen Ausblick auf den Bedarf für zukünftige Langzeitstudien.
Schlüsselwörter
Change Management, Krankenhaus, Veränderungsbereitschaft, Organisationswandel, Widerstand, Kommunale Krankenhäuser, Hessen, Personalentwicklung, Führung, Unternehmenskultur, Partizipation, Prozessoptimierung, Human Resource Management, Interne Kommunikation, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Change-Management-Prozesse in kommunalen Krankenhäusern in Hessen erfolgreich gestaltet werden können, um die Veränderungsbereitschaft der dortigen Beschäftigten zu fördern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen des Change Managements, das Phänomen von Widerstand im Wandel, die spezifischen Rahmenbedingungen im hessischen Krankenhauswesen sowie die empirische Analyse von Mitarbeiterpräferenzen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Krankenhausmanagement durch geeignete Maßnahmen die Veränderungsbereitschaft des Personals steigern kann, wobei der Fokus auf kostenneutralen Stellschrauben liegt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine explorative Querschnittstudie mittels einer Online-Befragung durchgeführt, bei der 440 Datensätze von Beschäftigten aus verschiedenen Berufsgruppen und Hierarchieebenen analysiert wurden.
Was sind die wesentlichen Inhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Change Managements, eine detaillierte Analyse der spezifischen Situation in hessischen Kliniken und eine empirische Datenauswertung hinsichtlich der Einstellung zum Wandel.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Change Management, Krankenhausorganisation, Veränderungsbereitschaft, Widerstand, Partizipation und Führungskultur definieren.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur für den Veränderungserfolg?
Laut der Studie ist eine offene Unternehmenskultur, die auf Vertrauen, Respekt und einem gerechten Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern basiert, einer der wichtigsten Faktoren für erfolgreiche Veränderungen.
Was ist die wichtigste Erkenntnis bezüglich der Mitarbeiterpartizipation?
Die Studie zeigt, dass der Wunsch der Beschäftigten nach Einbindung (Partizipation) sehr hoch ist und das Einräumen von Entscheidungs- und Handlungsspielräumen den stärksten positiven Einfluss auf die Veränderungsbereitschaft ausübt.
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- MBA, Diplom-Pflegewirt (FH) Nicolas Düppengießer (Author), 2016, Change Management im Krankenhaus. Zwischen Wollen und Widerstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334404