In Brasilien sprechen ca. zwei Millionen Menschen den riograndenser hunsrückischen Dialekt. Die Anzahlt der Sprechenden geht auf die deutschen Einwanderer aus dem Hunsrück zurück, die sich vor rund 200 Jahren in Brasilien niederließen, genauer gesagt reicht dies in das Jahr 1824 zurück. Die Wurzeln liegen vor allem in Rio Grande do Sul, in der Gegend um São Leopoldo und Santa Cruz.
Der vorliegende Essay bietet einen Überblick über die Entstehung des Dialekts, seine Entwicklung und seine Zukunft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung des Hunsrückischen in Brasilien
2.1 Historische Ursprünge und Ansiedlung
2.2 Der Dialekt als Identitätsmerkmal
2.3 Sprachliche Einflüsse und Wandel
2.4 Die Krise der Sprache im 20. Jahrhundert
3. Aktueller Status und Erhaltungsmaßnahmen
3.1 Sprechergruppen und regionale Verteilung
3.2 Institutionelle Unterstützung und Orthographie-Reformen
3.3 Bildungsinitiativen und kulturelle Projekte
4. Deutsch-brasilianische Beziehungen im kulturellen Kontext
4.1 Medien, Film und Literatur als Identitätsstifter
4.2 Strategische Partnerschaften und Sprachförderung
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Ausarbeitung untersucht die historische Entwicklung, den aktuellen Status sowie die soziokulturelle Relevanz des hunsrückischen Dialekts in Brasilien. Dabei wird analysiert, wie sich die Sprache trotz historischer Unterdrückung erhalten hat, welche Rolle moderne Initiativen zur Verschriftlichung und Förderung spielen und wie der Erhalt dieses kulturellen Erbes in die heutigen deutsch-brasilianischen Beziehungen eingebettet ist.
- Historischer Kontext der deutschen Einwanderung seit 1824
- Soziolinguistische Entwicklung und der Einfluss des Portugiesischen
- Erhaltungsstrategien durch Orthographie-Reformen und Bildungsinitiativen
- Die Rolle der Sprache als Identitätsstifter im deutsch-brasilianischen Austausch
- Zukünftige Perspektiven durch Sprachförderung und strategische Partnerschaften
Auszug aus dem Buch
Deutsche Vergangenheit in der brasilianischen Zukunft
In Brasilien sprechen ca. zwei Millionen Menschen den riograndenser hunsrückischen Dialekt. Die Anzahlt der Sprechenden geht auf die deutschen Einwanderer aus dem Hunsrück zurück, die sich vor rund 200 Jahren in Brasilien niederließen, genauer gesagt reicht dies in das Jahr 1824 zurück. Die Wurzeln liegen vor allem in Rio Grande do Sul, in der Gegend um São Leopoldo und Santa Cruz.
Der riograndenser hunsrückische Dialekt ist das auffälligste Merkmal der deutschen Volksgemeinschaft, welcher sich in Brasilien durchgesetzt hat. Im Portugiesischen wird der Dialekt hunsriqueano genannt.
Die hunsrückische Bezeichnung geht nicht nur auf die deutschen Einwanderer zurück, sondern auch auf den Dialekt, welcher sich als Umgangssprache am stärksten im Vergleich mit den anderen deutschen Dialekten, wie bayrisch oder pommerisch durchgesetzt hat. Der hunsrückische Dialekt wird als eine Variante des riograndensischen als auch der katharinensischen Minderheitensprache gesehen. Beide Forme gehen auf die gesprochene deutschen Sprache des hunsrücker Platts zurück. Das Wort Platt wird im Portugiesischen mit dem Wort Holzschuh übersetzt.
Auch wenn das Hunsrückische sich als Dialekt am stärksten durchgesetzt hat, blieb auch er nicht ohne Beeinflussung durch andere deutsche Dialekte, wie bayrisch, pommerisch oder tirolerisch. Auch die Immigrantensprachen Italienisch und Portugiesisch haben ihren Beitrag zur Sprache geleistet.
Nichtsdestotrotz hat das Hunsrückische die Verwendung als Umgangssprache stark verloren, aufgrund der Unterdrückung des Deutschen während des Zweiten Weltkriegs. In dieser Zeit galt der Gebrauch der deutschen Sprache als strafbar. Es wurden Schulen geschlossen, Zeitungen und andere deutschsprachige Medien verboten. Die Sprache wurde unterdrückt und durch das Portugiesische verdrängt. Bislang wurde sie deshalb fast nur noch im privaten Kreis und von der älteren Landbevölkerung in einigen Sprachinseln gesprochen. Doch auch hier findet mittlerweile eine Rückbesinnung auf die deutsche Sprache und deren Traditionen statt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung beleuchtet die historischen Wurzeln der deutschen Einwanderer im Hunsrück und deren Einfluss auf die Entstehung des riograndenser hunsrückischen Dialekts.
2. Die Entwicklung des Hunsrückischen in Brasilien: In diesem Kapitel wird der soziolinguistische Werdegang des Dialekts von der Einwanderung bis zur Krise während des Zweiten Weltkriegs detailliert dargestellt.
3. Aktueller Status und Erhaltungsmaßnahmen: Dieser Abschnitt behandelt moderne Initiativen wie Orthographie-Reformen und Bildungsangebote, die den Erhalt des Hunsrückischen als lebendiges kulturelles Erbe sichern sollen.
4. Deutsch-brasilianische Beziehungen im kulturellen Kontext: Hier wird die Rolle der Sprache als Brückenelement zwischen den Nationen, unterstützt durch Medien und bilaterale Kulturabkommen, analysiert.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Notwendigkeit der Förderung des Hunsrückischen aus historischer, kultureller und wirtschaftlicher Sicht zusammen.
Schlüsselwörter
Hunsrückisch, Brasilien, Sprachgeschichte, riograndenser Dialekt, deutsche Einwanderer, Minderheitensprache, Sprachförderung, kulturelles Erbe, Deutsch als Fremdsprache, soziale Identität, Orthographie, Mehrsprachigkeit, Rio Grande do Sul, Bildungsinitiativen, Sprachwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte, dem Erhalt und der heutigen Bedeutung des Hunsrückischen als Dialekt in Brasilien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Migration, der sprachlichen Entwicklung unter dem Einfluss des Portugiesischen und den modernen Maßnahmen zum Schutz des Kulturerbes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie ein durch historische Ereignisse fast verlorener Dialekt durch gezielte Projekte und kulturelle Aufwertung wiederbelebt und als Identitätsmerkmal gestärkt wird.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Analyse historischer Kontexte sowie der Auswertung aktueller sprachwissenschaftlicher und kulturpolitischer Entwicklungen.
Was bildet den inhaltlichen Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Phasen des Sprachwandels, die Rolle von Sprachinitiativen und die Bedeutung des Dialekts für die heutige Identität der Hunsrückstämmigen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind Spracherhalt, kulturelle Identität, Diasporasprache und die deutsch-brasilianische strategische Partnerschaft.
Welche Bedeutung hat die Initiative "Option für Hunsrückisch" aus dem Jahr 2004?
Diese Initiative war ein Wendepunkt, da sie durch die Etablierung einer neuen Orthographie die Grundlage dafür schuf, den Dialekt besser an die portugiesische Aussprache anzupassen und so seine Verbreitung zu fördern.
Wie hat sich die Wahrnehmung des Hunsrückischen im Bildungsbereich gewandelt?
Während die deutsche Sprache früher unterdrückt wurde, dient sie heute in bestimmten Regionen als Zweitsprache oder Pflichtfach, wobei der Dialekt als sprachliches Erbe aktiv gefördert wird.
- Quote paper
- Jana Bortnikova (Author), 2016, Der hunsrückische Dialekt in Brasilien. Deutsche Vergangenheit in der brasilianischen Zukunft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324268