Im Zeitalter der großen Reformen und Umstrukturierungsmaßnahmen wird auch die Kinder- und
Jugendarbeit – insbesondere die Kinder- und Jugendhilfe – mit in den Reformprozess
integriert. Sozialraumorientierung ist zum Motto, zur Mode geworden und prägt zahlreiche
Publikationen. Hinter diesem Wort verbirg sich jedoch ein Paradigmenwechsel in der
Sozialen Arbeit, dessen fachliche Blickrichtung für zahlreiche Felder der Sozialen Arbeit –
besonders für die Jugendhilfe Relevanz hat. Die Parole „vom Fall zum Feld“ (Hinte 1999)
beschreibt kurz und prägnant die Grundorientierung der Sozialraumorientierung.
Das dieses Konzept schon seit Jahrzehnten Anwendung – vornehmlich in der
Gemeinwesenarbeit fand – und auf eine breite theoretische Diskussion zurückschauen kann,
wird in der Euphorie mancher Autoren schnell vergessen. Schon in den 70er und 80er Jahren
war die Sozialraumorientierung zentrale inhaltliche Grundlage für die Neuausrichtung des
ASD und – wie schon erwähnt – lassen sich viele Prinzipien der Sozialraumorientierung in
der Gemeinwesenarbeit und der stadtteilbezogenen Sozialen Arbeit aus den 60er und frühen
70er Jahren finden. (vgl. Hinte 2002, S.91-102)
Die vorliegende Arbeit möchte die sozialraumorientierte Kinder- und Jugendarbeit als eine
Methode der Gemeinwesenarbeit mit Kindern und Jugendlichen verdeutlichen und aufzeigen.
Eine detailliert, umfassende Darlegung der Entwicklungen und Strömungen der bis heute
gewachsenen Sozialraumorientierung würden den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Daher
wurden Aspekte ausgewählt, die in der heutigen Rezeption vielfältig verwendet werden.
Den Abschluss macht ein juristischer Exkurs über die rechtliche Bewertung der
Sozialraumorientierung im Bezug auf das Kinder- und Jugendhilferecht des SGB/KJHG.
Inhaltsverzeichnis
- KAPITEL 1: ANSÄTZE SOZIALRAUMORIENTIERTER JUGENDARBEIT
- Sozialraumdebatte in der Jugendarbeit
- Die Sicherheitsdebatte in der Jugendhilfe
- Sozialraumteams und Sozialraumbudgets
- Sozialkulturelles Stadtteilmanagement
- Gemeinwesenarbeit
- Gemeinschaftsinitiative „Soziale Stadt“
- E&C-Programm
- Soziale Netzwerke
- Vom Fall zum Feld – ein Paradigmenwechsel in der Jugendhilfe
- Sozialraum und Lebenswelt
- Aneignung und Raum
- Aneignung – von der kulturhistorischen Schule zur Sozialraumorientierung
- Räume als Aneignungspotential für die Jugendarbeit
- KAPITEL 2: KONZEPTENTWICKLUNG UND QUALITÄTSARBEIT
- Sozialräumliche Konzeptentwicklung
- Rahmenbedingungen für Konzeptionen
- Methoden einer sozialräumlichen Lebensweltanalyse
- Stadtteilbegehung mit Kindern und Jugendlichen
- Nadelmethode
- Cliquenraster
- Strukturierte Stadtteilbegehung
- Institutionenbefragung
- Autophotographie
- Subjektive Landkarten
- Zeitbudgets von Kindern und Jugendlichen
- Fremdbilderkundung
- Grundlage einer sozialräumlichen Konzeptentwicklung
- Idealtypischer Ablauf einer sozialräumlichen Konzeptentwicklung
- KAPITEL 3: SCHLUSSBETRACHTUNGEN
- Rechtliche Bewertung der Sozialraumorientierung
- Aussichten
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der sozialraumorientierten Kinder- und Jugendarbeit, und zwar im Kontext der Gemeinwesenarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Verdeutlichung und Darstellung der Methode der sozialraumorientierten Kinder- und Jugendarbeit. Um den Umfang der Arbeit zu begrenzen, werden dabei ausgewählte Aspekte der Sozialraumorientierung beleuchtet, die in der heutigen Rezeption häufig verwendet werden.
- Die Rolle der Sozialraumorientierung in der Jugendhilfe
- Die verschiedenen Ansätze der Sozialraumorientierung und ihre Entwicklung
- Die Bedeutung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen im Kontext der Sozialraumorientierung
- Die Entwicklung sozialräumlicher Konzepte und die Anwendung entsprechender Methoden
- Die rechtliche Bewertung der Sozialraumorientierung im Bezug auf das Kinder- und Jugendhilferecht
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 bietet einen umfassenden Überblick über die Ansätze der sozialraumorientierten Jugendarbeit. Es analysiert die historische Entwicklung des Begriffs "Sozialraumorientierung" und die unterschiedlichen Perspektiven, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Das Kapitel beleuchtet außerdem die Debatte um die Sicherheitsdebatte in der Jugendhilfe, die Sozialraumteams und Sozialraumbudgets sowie verschiedene Formen des Stadtteilmanagements. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Analyse des Paradigmenwechsels „vom Fall zum Feld“ und die Bedeutung des Sozialraums als Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Kapitel 2 konzentriert sich auf die Konzeptentwicklung und Qualitätsarbeit im Kontext der Sozialraumorientierung. Es werden verschiedene Methoden der sozialräumlichen Lebensweltanalyse vorgestellt, die für die Konzeptionierung von sozialraumorientierten Angeboten relevant sind. Außerdem werden die Rahmenbedingungen für Konzeptionen sowie der idealtypische Ablauf einer sozialräumlichen Konzeptentwicklung diskutiert.
Schlüsselwörter
Sozialraumorientierung, Jugendarbeit, Gemeinwesenarbeit, Kinder- und Jugendhilfe, Lebensweltanalyse, Konzeptentwicklung, Stadtteilmanagement, Sicherheitsdebatte, Prävention, Rechtliche Bewertung, Kinder- und Jugendhilferecht, SGB/KJHG, Paradigmenwechsel.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Sozialraumorientierung in der Jugendarbeit?
Es ist ein Paradigmenwechsel "vom Fall zum Feld", bei dem nicht nur das Individuum, sondern sein gesamtes Lebensumfeld (der Sozialraum) in die pädagogische Arbeit einbezogen wird.
Welche Methoden werden zur Sozialraumanalyse genutzt?
Gängige Methoden sind Stadtteilbegehungen mit Jugendlichen, die Nadelmethode, das Erstellen subjektiver Landkarten und Cliquenraster.
Was ist das Ziel der Gemeinwesenarbeit mit Kindern?
Ziel ist es, die Lebensbedingungen im Stadtteil zu verbessern und Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten zur Aneignung ihres öffentlichen Raumes zu geben.
Wie ist die Sozialraumorientierung rechtlich verankert?
Sie basiert auf den Grundlagen des Kinder- und Jugendhilferechts (SGB VIII / KJHG), das eine lebensweltnahe Gestaltung von Hilfen fordert.
Was versteht man unter "Aneignung von Raum"?
Es beschreibt den Prozess, in dem sich junge Menschen physische Räume zu eigen machen, sie umdeuten und als Orte der Selbstinszenierung und Interaktion nutzen.
- Citation du texte
- Pascal Fischer (Auteur), 2004, Sozialraumorientierte Kinder- und Jugendarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31743