Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Pädagogik - Wissenschaftstheorie, Anthropologie

Strukturen technischen Denkens in Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“

Titel: Strukturen technischen Denkens in Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2015 , 26 Seiten

Autor:in: Dr. Clarissa Kucklich (Autor:in)

Pädagogik - Wissenschaftstheorie, Anthropologie
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Interdisziplinäre Reflexion über die Entwicklung und Zerstörung von Ich-Identitäten am Beispiel des Romans von Robert Musil "Der Mann ohne Eigenschaften". Gleichzeitig wird der Versuch unternommen, einen Zusammenhang zwischen literaturwissenschaftlicher Geschichtsschreibung und kritischer Handlungstheorie zu entwerfen. Beide Ansätze haben ihre Wurzeln in der kritischen Theorie.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Rahmenkonstellationen des Romans

Ulrich nimmt Urlaub vom Leben

Subjektloses Ich als Eigenschaft

Der Wille zur Macht und Gewalt: Moosbrugger und Clarisse

Strukturen technischen Denkens

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische und kulturwissenschaftliche Dimension von Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“. Ziel ist es, die Transformation gesellschaftlicher Krisenphänomene – insbesondere die Verobjektivierung des Menschen durch instrumentelle Vernunft und technische Denkstrukturen – in der Romanhandlung nachzuweisen und die Rolle der Hauptfigur Ulrich sowie deren Bezug zu Moosbrugger und Clarisse im Kontext des historischen Umbruchs zu analysieren.

  • Die Analyse der „Parallelaktion“ als Spiegelbild einer in Krise befindlichen Gesellschaft.
  • Die Untersuchung der Entfremdung und der Auflösung des Subjekts in einer technisierten Moderne.
  • Die Ergründung des Verhältnisses von Gewalt, Macht und Sprache innerhalb des Romans.
  • Die Rolle der Geschwisterliebe als Versuch eines „anderen Zustandes“ und als Fluchtpunkt vor der bürgerlichen Moral.

Auszug aus dem Buch

Rahmenkonstellationen des Romans

„Der Rahmen des Werkes wird geschaffen durch den Plan einer „vaterländischen Aktion“: im Jahre 1913 denkt man in Wien daran, dass fünf Jahre später der Kaiser Franz Josef I., siebzig Jahre Regent Österreichs, sein wird. Gleichzeitig aber wird Wilhelm II. dreißig Jahre deutscher Kaiser sein. Soeben hat sich der Hohenzoller zu seinem fünfundzwanzigsten Jubiläum als Friedenskaiser feiern lassen. Die Patrioten beider Reiche kommen in Bewegung, und aus diesem künftigen Zusammentreffen entwickelt sich der Wettlauf der beiderseitigen Vaterlandsfreunde, die einander schlagen wollen. Die Österreicher befinden sich dabei im Vorteil: weder die Deutschen noch überhaupt ein Staat auf der Erde können einen Herrscher mit einer so ehrwürdig langen Regierungszeit vorweisen oder gar ein Herrscherhaus von so langer Dauer.

Auf Preußen-Deutschland darf man ebenso wie auf die Hohenzollern offen oder im stillen als auf Arrivierte herabsehen, denen die Weihe der Jahrhunderte fehlt. Aber die Schwierigkeit zeigt sich bereits, als es sich darum handelt, für das weltgeschichtliche Ereignis, in dem sich der Geist des Jahrhunderts dartun soll, ein überzeugendes und sichtbares Symbol zu finden. Der Zwiespalt zwischen Idee und Wirklichkeit offenbart sich; man wählt als Arbeitstitel das ärmliche Wort „Parallelaktion“, womit man sich wider Willen ebenso abhängig von reichsdeutschen Unternehmungen zeigt, wie mit der Absicht, den alten Kaiser als „Friedenskaiser“ zu feiern.

Aber das Komitee, das sich „Vaterländische Aktion“ nennt, findet im Laufe der Monate seit August 1913 doch mancherlei, was sich für eine Feier solchen Stils eignet: die „Schwarz-Gelben“ haben die „Österreichische Idee“ und denken an ein „Weltösterreich“. Das leicht doppeldeutige Wort weist weniger auf die utopische Idee der Weltherrschaft hin als auf das Wunschbild einer europäischen Ordnung nach dem Modell Österreichs; der Vielvölkerstaat soll ein Muster für die Gliederung der Welt werden, mit einem „Friedenskaiser“ an der Spitze. Man denkt an ein Größer Österreich nach dem Vorbild des Greater Britain oder an ein „Österreichisches Jahr“, das ein Publizist erfindet. Mit allem ist ein Gegenstück zu Preußen aufgestellt, das die Idee der Macht auf Grund der technischen Vollkommenheit ausgebildet hat. Hier aber soll eine Repräsentation des geistigen Wesens gegründet werden, das Österreich besser bewahrt hat als der ungeliebte Verwandte im Norden. Beide Mächte werden im Jahre 1918 ihr Jubiläum feiern und damit offenbaren, was sie sind“.

Zusammenfassung der Kapitel

Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften: Einleitende Betrachtung zur Bedeutung von Musils Werk, das durch naturwissenschaftliche Studien und philosophische Einflüsse wie jene von Ernst Mach und Nietzsche geprägt ist.

Rahmenkonstellationen des Romans: Beschreibung des historischen Rahmens um 1913 und der „Parallelaktion“, die als Versuch einer österreichischen Identitätsstiftung gegenüber Preußen fungiert.

Ulrich nimmt Urlaub vom Leben: Darstellung der Krise der Hauptfigur Ulrich, die sich aufgrund des Scheiterns exakter Wissenschaften von der bürgerlichen Gesellschaft und deren ökonomischen Zwängen distanziert.

Subjektloses Ich als Eigenschaft: Analyse der von Musil entwickelten „Theorie des Subjekts ohne Subjekt“, die das Auseinanderfallen von Identität in der Moderne reflektiert.

Der Wille zur Macht und Gewalt: Moosbrugger und Clarisse: Untersuchung der Figuren Moosbrugger und Clarisse als Verkörperungen von Macht, Gewalt und der Zerrissenheit des modernen Subjekts.

Strukturen technischen Denkens: Analyse der instrumentellen Vernunft und wie diese als „Technik des Seins“ zu einer Entfremdung und schließlich zur Katastrophe führt.

Schlüsselwörter

Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, Ulrich, Parallelaktion, Subjektivität, Entfremdung, instrumentelle Vernunft, Ernst Mach, Moosbrugger, Clarisse, literarische Ästhetik, Moderne, Macht, Gewalt, Kakanien.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Robert Musils Hauptwerk „Der Mann ohne Eigenschaften“ unter dem Fokus der erkenntniskritischen und gesellschaftstheoretischen Dimensionen, die Musil in den Roman eingewebt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Auflösung des Subjekts, die Auswirkungen technischer Denkstrukturen, die Krise der bürgerlichen Moral sowie das Verhältnis von Macht und Gewalt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Musil die historische und gesellschaftliche Krise zu Beginn des 20. Jahrhunderts in eine ästhetische Form überträgt und dabei die „Welt aus Eigenschaften ohne Mann“ konzipiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Roman in Bezug zu zeitgenössischen philosophischen Strömungen und kulturwissenschaftlichen Konzepten setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der Rahmenhandlung (Parallelaktion), der Figur Ulrichs als Sinnsuchendem sowie der Kontrastfiguren Moosbrugger und Clarisse als Spiegelbilder der gesellschaftlichen Dekadenz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Entfremdung, instrumentelle Vernunft, Subjektlosigkeit, Parallelaktion und literarische Ästhetik beschreiben den Kern der Untersuchung.

Warum spielt der „Fall Moosbrugger“ eine so zentrale Rolle in der Analyse?

Moosbrugger dient im Roman als „Doppelgänger im Verbrechen“ zu Ulrich; sein Fall illustriert die Konsequenzen der durch eine morbide Gesellschaft hervorgerufenen Triebhaftigkeit und Sprachlosigkeit.

Wie ist das Verhältnis zwischen Ulrich und Agathe zu verstehen?

Ihre Geschwisterliebe wird als radikaler Versuch interpretiert, sich durch einen Tabubruch (Inzest) von gesellschaftlichen Zwängen zu befreien und in einen „anderen Zustand“ zu gelangen.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Strukturen technischen Denkens in Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Bildungswissenschaften, Allgemeine Pädagogik)
Autor
Dr. Clarissa Kucklich (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
26
Katalognummer
V310968
ISBN (eBook)
9783668096806
ISBN (Buch)
9783668096813
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Subjekttheorie Ideologiekritik Verlust von Ich-Identität
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dr. Clarissa Kucklich (Autor:in), 2015, Strukturen technischen Denkens in Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310968
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  26  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum