„Policey“ wird von dem griechischen Wort „politeia“ abgeleitet und bedeutet übersetzt soviel wie Staatsphilosophie oder Verfassung (Tilgner 1998, S. 14). Besonders zu Beginn der Geschichte des Wortes gab es viele verschiedene Schreibweisen wie Pollicey, Policei, Polluzey oder Pollizei (Tilgner 1998, S. 14).
Eine der historischen Schreibweisen wird in der Geschichtswissenschaft beibehalten, um den Unterschied zur gegenwärtigen Dienststelle Polizei zu verdeutlichen.
Unter dem Begriff „Policey“ beziehungsweise „gute Policey“ wird der Zustand guter Ordnung innerhalb einer Gesellschaft und die Gesetzgebung zur Erzeugung dieser guten Ordnung verstanden. Johann Georg Estor, ein Professor aus Marburg, schrieb im Jahre 1757, dass sich Policey mit allem befasse, „was zur Notwendigkeit und Bequemlichkeit des Lebens, zum Wohlstande, zur Zierde, Reinlichkeit, guten Ordnung und Erhaltung des Staates, Ortes etc. ab zweckt“ (Kroeschell 1989, S. 85). Der Policeybegriff spiegelte eine Vorstellung von „geregeltem Zusammenleben“ (Tilgner 1998, S. 17) wider, der insbesondere das Alltagsleben der Menschen durch öffentliche Anordnungen prägte.
Inhaltsverzeichnis
- Begriffsklärung „Policey“
- Die Geschichte der Müllbeseitigung am Beispiel der Stadt Berlin
- Einführung in die Rostocker Policeyordnung vom 23. Mai 1677
- Zum Aufbau der Druckschrift
- Zum Inhalt der einzelnen Verordnungspunkte
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Rostocker Policeyordnung von 1677, die sich mit der Abfallentsorgung und Sauberkeit der Stadt befasst. Sie dient als Beispiel für die frühen Neuzeitlichen Policeyordnungen, die den Zustand guter Ordnung in einer Gesellschaft durch gesetzliche Regulierung gewährleisten sollten.
- Entwicklung des Policeybegriffs in der Frühen Neuzeit
- Historische Praxis der Müllbeseitigung im 17. Jahrhundert
- Analyse der Rostocker Policeyordnung von 1677
- Bedeutung von Ordnung und Sauberkeit im städtischen Kontext
- Beziehungen zwischen Obrigkeit, Gesellschaft und städtischem Leben
Zusammenfassung der Kapitel
I. Begriffsklärung „Policey“
Dieses Kapitel beleuchtet die Entwicklung des Begriffs „Policey“ in der Frühen Neuzeit. Es werden verschiedene historische Schreibweisen des Wortes, seine Bedeutungsentwicklung und die verschiedenen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, die von der Policey erfasst wurden, erläutert.
II. Die Geschichte der Müllbeseitigung am Beispiel der Stadt Berlin
Dieses Kapitel gibt einen Einblick in die Geschichte der Abfallentsorgung und Städtereinigung in Berlin. Es beschreibt die schwierigen hygienischen Zustände im Mittelalter, die ersten Versuche zur Verbesserung der Situation und die allmähliche Entwicklung einer organisierten Müllbeseitigung.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutete der Begriff „Policey“ in der frühen Neuzeit?
Der Begriff leitet sich von „politeia“ ab und bezeichnete den Zustand guter Ordnung in einer Gesellschaft sowie die gesamte Gesetzgebung zur Aufrechterhaltung dieses Wohlstandes.
Worum ging es in der Rostocker Verfügung von 1677?
Diese Policeyordnung befasste sich primär mit der Abfallentsorgung, der Sauberkeit der Stadt und der allgemeinen Hygiene im städtischen Raum.
Wie wurde Müll im 17. Jahrhundert entsorgt?
Die Entsorgung war oft unorganisiert und führte zu hygienischen Problemen. Ordnungen wie die in Rostock oder Berlin versuchten, feste Regeln für die Städtereinigung zu etablieren.
Warum wird die historische Schreibweise „Policey“ beibehalten?
Um den Unterschied zwischen dem umfassenden historischen Ordnungsbegriff und der heutigen staatlichen Institution Polizei deutlich zu machen.
Welche Bereiche umfasste eine gute „Policey“?
Sie umfasste alles, was der „Notwendigkeit und Bequemlichkeit des Lebens“ diente, wie Reinlichkeit, Sicherheit, Marktwesen und die Erhaltung der staatlichen Ordnung.
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- Rebecca Mahnkopf (Author), 2004, Die Policeyordnungen der frühen Neuzeit am Beispiel einer Rostocker Verfügung von 1677, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30741