„In der Erinnerung gibt es keine Grenzen; nur im Vergessen liegt eine Kluft, unüberwindlich für eure Stimme und euer Auge.“ So beschrieb der libanesische Dichter Gibran in seinem Werk „Im Garten des Propheten“ den Begriff, um den es hier in dieser Hausarbeit gehen soll. Der Begriff „Oral History“ geht zurück auf die Ethnologie, wo Kulturen, die eine rein mündliche Überlieferung und keine Schriftkultur haben, als „Oral Traditions“ oder „Oral Societies“ bezeichnet werden.
In dieser Hausarbeit soll der Fokus speziell auf dem schulischen Geschichtsunterricht liegen. Insbesondere soll die Frage beantwortet werden, ob es sinnvoll ist, Zeitzeugen in den schulischen Geschichtsunterricht einzuladen oder auch deren Berichte als schriftliches, visuelles oder auditives Quellenmaterial in den Unterricht zu integrieren.
Zunächst soll die Begrifflichkeit „Oral History“ erläutert und der Mensch als lebendige Quelle fokussiert werden. Ferner soll darauf eingegangen werden, welche Bedeutung die Methode „Oral History“ für die moderne Geschichtswissenschaft hat.
Um sich der Kernfrage zu nähern, ist es nach diesem Abschnitt unabdingbar, den Fokus auf den Menschen als „lebendige Quelle“ zu legen. Hierzu soll eine Analyse der Zweckmäßigkeit diverser möglicher Quellen den Einsatz von Zeitzeugen im Geschichtsunterricht be- oder widerlegen. Dazu sollen konkrete Beispiele aus den jeweilig genannten Arten von Zeitzeugenberichten ebenfalls analysiert werden. In erster Linie soll auf die mögliche potenzielle Beeinflussung bei der Entstehung der „Quelle“ eingegangen sowie die daraus resultierende Problematik hierbei beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Was ist "Oral History"?
- Ursprung und Entwicklung des Begriffs "Oral History"
- Oral History als Methode der Geschichtswissenschaften
- Erinnerung und Gedächtnis
- Kollektives Gedächtnis
- Kommunikatives und kulturelles Gedächtnis
- Warum Zeitzeugenberichte im Geschichtsunterricht?
- Analyse des Nutzens und eventuell auftretender Probleme
- Videoaufnahmen/Dokumentationen
- Nutzen von Videoaufnahmen/Dokumentationen als Zeitzeugenbericht
- Probleme beim Einsatz im Unterricht
- Audioaufnahmen
- Nutzen von Audioaufnahmen als Zeitzeugenbericht
- Probleme beim Einsatz im Unterricht
- Geschriebene Zeitzeugenberichte
- Nutzen geschriebener Zeitzeugenberichte
- Probleme beim Einsatz im Unterricht
- Ein Zeitzeuge als „lebendige Quelle“ vor einer Schulklasse
- Nutzen eines realen Zeitzeugen im Unterricht
- Probleme beim Einsatz eines realen Zeitzeugen im Unterricht
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit befasst sich mit der Frage, ob es sinnvoll ist, Zeitzeugen im schulischen Geschichtsunterricht einzusetzen. Dabei wird die Methode der „Oral History“ und deren Bedeutung für die moderne Geschichtswissenschaft analysiert. Der Schwerpunkt liegt auf dem Besuch eines Zeitzeugen im Unterricht, wobei der Einsatz von Video-, Audio- und schriftlichen Zeitzeugenberichten ebenfalls betrachtet wird.
- Die Bedeutung der „Oral History“ für die Geschichtswissenschaft
- Die Rolle von Erinnerung und Gedächtnis im Geschichtsunterricht
- Der Nutzen und die Probleme des Einsatzes von Zeitzeugenberichten im Unterricht
- Die Analyse verschiedener Arten von Zeitzeugenberichten (Video, Audio, schriftlich)
- Die spezifischen Herausforderungen bei der Einbeziehung eines realen Zeitzeugen im Unterricht
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt den Leser in die Thematik der Hausarbeit ein, indem sie die Bedeutung von Erinnerung und die Rolle von Zeitzeugenberichten in der Geschichtswissenschaft beleuchtet. Kapitel 2 beschäftigt sich mit dem Begriff der „Oral History“ und erläutert seinen Ursprung und seine Entwicklung. Kapitel 3 beleuchtet die Konzepte von Erinnerung und Gedächtnis, insbesondere das kollektive, kommunikative und kulturelle Gedächtnis. Kapitel 4 stellt die Frage nach dem Nutzen von Zeitzeugenberichten im Geschichtsunterricht. In Kapitel 5 werden die verschiedenen Arten von Zeitzeugenberichten analysiert und deren Nutzen sowie mögliche Probleme im Unterricht diskutiert. Die Hausarbeit endet mit einer Schlussbetrachtung, die die Ergebnisse zusammenfasst und die Kernfrage beantwortet.
Schlüsselwörter
Oral History, Zeitzeugenberichte, Geschichtsunterricht, Erinnerung, Gedächtnis, Schulgeschichte, Interview, Quellenkritik, Didaktik, Bildungspädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Was ist "Oral History"?
Oral History bezeichnet die Geschichtsschreibung auf Basis mündlicher Berichte von Zeitzeugen. Sie betrachtet den Menschen als "lebendige Quelle" und ergänzt die klassische Aktenforschung durch persönliche Erfahrungen.
Welchen Nutzen haben Zeitzeugen im Geschichtsunterricht?
Zeitzeugen machen Geschichte greifbar und emotional erlebbar. Sie fördern das Interesse der Schüler und ermöglichen einen multiperspektivischen Blick auf historische Ereignisse, der über Schulbuchtexte hinausgeht.
Welche Probleme können beim Einsatz von Zeitzeugen auftreten?
Zeitzeugenberichte sind subjektiv. Erinnerungen können verblassen, verklärt oder durch spätere Informationen beeinflusst werden. Es besteht die Gefahr der emotionalen Überwältigung der Schüler, was eine kritische Quellenanalyse erschweren kann.
Was ist der Unterschied zwischen kommunikativem und kulturellem Gedächtnis?
Das kommunikative Gedächtnis umfasst Erinnerungen an die jüngere Vergangenheit (ca. 80-100 Jahre), die durch direkten Austausch mit Zeitzeugen weitergegeben werden. Das kulturelle Gedächtnis ist langfristig und stützt sich auf Texte, Denkmäler und Riten.
Wie sollten Video- oder Audioaufnahmen im Unterricht genutzt werden?
Aufnahmen sind oft besser strukturiert als Live-Interviews und können wiederholt analysiert werden. Allerdings fehlt der direkte Dialog, weshalb Lehrer den Kontext und die Entstehung der Aufnahme kritisch mit den Schülern besprechen müssen.
Was bedeutet "Quellenkritik" bei Zeitzeugen?
Quellenkritik bedeutet zu hinterfragen, warum ein Zeitzeuge sich so erinnert, welche Absichten er verfolgt und wie seine Schilderungen mit anderen historischen Fakten übereinstimmen. Es geht darum, die Subjektivität als solche zu erkennen.
- Quote paper
- Philipp-Alexander Eilhard (Author), 2015, Oral History. Der Zeitzeuge im schulischen Geschichtsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301592