Street Art ist mittlerweile zum Modewort geworden; doch nur selten findet eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Begriff statt. Vielmehr wird Street Art immer öfters gedankenlos auf beinahe jegliche Art von Gestaltung im öffentlichen Raum angewendet, ungeachtet der vermittelten Inhalte. Angesichts dieses Kontextes wird in der vorliegenden Arbeit, die als Streifzug durch die Street Art zu betrachten ist, der Begriff näher beleuchtet und definiert. Hierfür werden nach einer kunstgeschichtlichen Einführung die zahlreichen Formen verglichen und abgegrenzt. Dies, um dann im Folgenden die Street Art-spezifischen Aspekte wie Legal vs. Illegal, jenen der Vergänglichkeit oder von Kunst und Kommerz vertieft zu betrachten.
Ausserdem werden zwei gegensätzliche Street Art-Ikonen –Banksy und JR – vorgestellt. Anhand ihrer Aussagen und Werke soll unter anderem aufgezeigt werden, dass Street Art mehr als Dekoration oder dekorative Kunst in unserer, in mancher Hinsicht, abweisenden Welt ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Street Art – Was ist das?
3.1 Geschichtliche Wurzeln
3.2 Begriff und Definition von Street Art
3.3 Bildlichkeit - die Differenz zu Graffiti
3.4 Vergänglichkeit
3.5 Der Reiz des Verbotenen – Trespass
3.6 Diskursraum - Die Stadt als Arbeitsraum
3.7 Einflüsse
4. Variationen der Street Art
4.1 Kreidezeichnungen
4.2 Décollage
4.3 Plakate oder Paste-Ups
4.4 Direkter Farbauftrag
4.5 Roll-Ons
4.6 Murals
4.7 Cut-Outs
4.8 Scherenschnitte
4.9 Stencils
4.10 Stickers
4.11 Kacheln
4.12 Tafeln
4.13 Installationen
4.14 3D
4.15 Diverses
5. Street Art - Illegal versus Legal
6. Street Art – Vandalismus oder Kunst?
7. Konsum und Kommerz / Kunst und Kommerz
8. Zwei Vertreter der Szene
8.1 JR
8.2 Banksy – Der Mann ohne Gesicht
9. Praktischer Teil
10. Fazit
11. Literatur- & Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Facetten der Street Art als Medium im öffentlichen Raum, beleuchtet ihre theoretischen Grundlagen sowie ihre Abgrenzung zum Graffiti und analysiert kritisch das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Autonomie, Illegalität und Kommerzialisierung.
- Historische Entwicklung und Einflüsse der Street Art
- Vergleich und Kategorisierung verschiedener technischer Ausdrucksformen
- Die ethische und juristische Debatte um Illegalität (Trespass) vs. legale urbane Gestaltung
- Das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Widerstand und kommerzieller Vermarktung
- Porträt der Akteure Banksy und JR
Auszug aus dem Buch
3.5 Der Reiz des Verbotenen – Trespass
Die menschliche Gesellschaft ist ein von Grenzsetzungen eingeschlossenes Gebilde. Eine Gesellschaft, die nach Regeln und Ordnung in ihrer Umgebung strebt. Natürlich erwarten wir auch von Künstlern, dass sie jene Grenzen respektieren, um die Entropie unserer Welt in Schach zu halten. Doch sind wir auch bereit, den Künstlern etwas mehr Freiraum zu bieten und ihnen, wenn auch nur inoffiziell, zu erlauben, die Spielregeln zu brechen, da sich nur so Kreativität entwickeln kann.
Der Akt der Grenzüberschreitung, des einen Schritt zu weit gehen, auch bekannt unter unbefugtes Betreten spielt eine zentrale Rolle in der urbanen Kunstszene. Im Englischen steht dafür das Wort trespass; es lässt sich ableiten aus der lateinischen Vorsilbe trans – jenseits - und passus – Schritt. Ursprünglich trägt es die Bedeutung Übertretung, Verstoss und Sünde, wie uns seine Häufigkeit in der Bibel vor Augen führt. Im 15. Jahrhundert, nahm trespass auch die Bedeutung des unbefugten Betretens an. Damals benutzte das schottische Parlament diesen Ausdruck erstmalig für seine Waldgesetzte. Insofern beinhaltet trespassing auch heute noch die alte, fast schon erotische Nähe zur Sünde, die dort beginnt, wo der Verstoss gegen Gesetze, also die moralische zur juristischen Frage wird.
Die Missbilligung am unerlaubten Betreten fremden Grund und Bodens ist in erster Linie juristischer Natur, doch allzu oft haben die Debatten auch den Beigeschmack moralischer Erregung. Trespassing steht derart im Ruf des Destruktiven und Verdorbenen, dass nicht nur den Übeltätern Missverhalten angelastet wird, sondern auch denjenigen, die dieses tolerieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Autorin erläutert ihre Motivation für die Themenwahl der Maturaarbeit, inspiriert durch das Fach Bildnerisches Gestalten und persönliche Einblicke in die Street-Art-Szene.
2. Einleitung: Das Kapitel führt in das facettenreiche Wesen der Street Art als öffentliches Medium ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung von den theoretischen Grundlagen bis hin zum praktischen Teil.
3. Street Art – Was ist das?: Dieses Kapitel beleuchtet die geschichtlichen Wurzeln, definiert den Begriff, differenziert Street Art von Graffiti und untersucht zentrale Aspekte wie Vergänglichkeit, den Reiz des Verbotenen, die Stadt als Arbeitsraum sowie prägende Einflüsse.
4. Variationen der Street Art: Es erfolgt eine detaillierte Auflistung und Erläuterung der verschiedenen Techniken und Materialien, die Street Art Akteure im öffentlichen Raum nutzen, von einfachen Kreidezeichnungen bis hin zu komplexen Installationen.
5. Street Art - Illegal versus Legal: Die Autorin analysiert den inhärenten Konflikt der Street Art, die sich oft als autonomer, nicht-kommerzieller Akt definiert, während sie gleichzeitig in den Fokus des Kunstmarktes rückt.
6. Street Art – Vandalismus oder Kunst?: Das Kapitel hinterfragt, ob Street Art als Vandalismus oder als künstlerische Ausdrucksform zu werten ist, und betrachtet die gesellschaftliche Akzeptanz sowie die institutionelle Anerkennung dieser Kunstform.
7. Konsum und Kommerz / Kunst und Kommerz: Diese Sektion untersucht die Widersprüchlichkeit, wenn antikonsumistische Street Art und ihre Akteure in kommerzielle Strukturen oder Marketingkontexte eingebunden werden.
8. Zwei Vertreter der Szene: Im Fokus stehen die Profile von JR und Banksy, deren unterschiedliche Arbeitsweisen und Ansätze zur Kommunikation im öffentlichen Raum detailliert vorgestellt werden.
9. Praktischer Teil: Die Autorin dokumentiert den eigenen Entstehungs- und Arbeitsprozess bei der Erstellung dreier Stencils, inklusive der Herausforderungen bei der Umsetzung.
10. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse aus der Auseinandersetzung mit der Street Art zusammen und reflektiert den persönlichen Erkenntnisgewinn aus der Kombination von theoretischer Recherche und praktischer Umsetzung.
11. Literatur- & Quellenverzeichnis: Ein umfassendes Verzeichnis der verwendeten Bücher, Artikel und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Street Art, Urban Art, Graffiti, Stencil, Trespass, Banksy, JR, Öffentlicher Raum, Vergänglichkeit, Vandalismus, Kommerz, Subkultur, Schablonentechnik, Kunst, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Street Art als vielschichtiges Medium im öffentlichen Raum, betrachtet deren Entwicklung, technische Vielfalt und die damit verbundenen gesellschaftlichen sowie ökonomischen Spannungsfelder.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Definition von Street Art, die Abgrenzung zum klassischen Graffiti, die Bedeutung der Illegalität sowie die Frage nach Kommerz und künstlerischer Freiheit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein tieferes Verständnis für das Phänomen Street Art zu entwickeln, den Begriff zu definieren und aufzuzeigen, wie Street Art als kreativer Ausdruck in der modernen Gesellschaft fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, die durch eigene künstlerische Recherchen und die praktische Umsetzung in der Stencil-Technik ergänzt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine Übersicht der verschiedenen Techniken, eine kritische Diskussion zum Thema Legalität/Kommerz sowie Porträts bedeutender Künstler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Street Art, Urban Art, Illegalität, Stencils, Kommerzialisierung und die künstlerische Intervention im urbanen Raum.
Warum spielt die Unterscheidung von Graffiti und Street Art eine so wichtige Rolle?
Die Autorin hebt hervor, dass Street Art im Gegensatz zum oft codierten und szeneninternen Graffiti eine breitere, bildhafte Lesbarkeit anstrebt, um direkt mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.
Wie gehen JR und Banksy mit dem Thema Kommerzialisierung um?
Beide Künstler bewegen sich in einem Widerspruch: Sie thematisieren oft systemkritische Inhalte, sind jedoch gleichzeitig global bekannt und ihre Werke sind begehrte Objekte auf dem Kunstmarkt.
Was zeichnet den praktischen Teil der Arbeit aus?
Der praktische Teil zeigt den Arbeitsprozess der Autorin von der Motivsuche über das Schneiden der Schablonen bis zur finalen Umsetzung als Stencil im Außenraum.
- Quote paper
- Justine Wachtl (Author), 2015, Street Art. Der öffentliche Raum als Medium, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294206