Das allgemeine Wahlrecht ist eine der großen historischen Errungenschaften des 19. Jh. und gehört zu den Grundpfeilern der parlamentarischen Demokratie, in der wir heute leben. Die Wahrnehmung des Wahlrechts ist eine der Selbstverständlichkeiten der politischen Partizipation der Bundesbürger, jedoch gerät häufig in Vergessenheit, dass dieses Wahlrecht hart erkämpft werden musste. Der Kampf um das allgemeine Wahlrecht in Deutschland begann vor etwa 200 Jahren und fand erst mit den ersten freien gesamtdeutschen Wahlen 1990 ein Ende.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich in Form eines epocheübergreifenden Vergleichs mit der Entwicklung des Wahlrechts in Deutschland seit 1871. Nach der Einleitung werde ich zunächst die wichtigsten Begriffe klären und dann im Hauptteil die spezifischen Charakteristika des Wahlrechts und analog der Verfassungsentwicklung der entscheidenden Epochen (Kaiserreich, Weimarer Republik, Deutschland nach 1945) beschreiben, wobei die Betrachtungs- ebene zentral ist, d.h. ich beziehe mich hier auf Deutschland als Nationalstaat.
Zur Bearbeitung des Themas habe ich mir folgende Fragen gestellt, die mich durch die Arbeit leiten sollen: Wie hat sich das Wahlrecht in Deutschland seit 1871 entwickelt? Welche historischen Besonderheiten hatte das Wahlrecht in den einzelnen historischen Perioden? Welche Kontinuitäten können festgestellt werden und welche Brüche hat es gegeben? Welche Gemeinsamkeiten haben die einzelnen historischen Phasen im Bezug auf das Wahlrecht und was sind die wesentlichen Unterschiede?
Im Resümee werde ich das Wahlrecht der drei Epochen vergleichen, die Validität meiner Thesen prüfen und die Bedeutung des Wahlrechts für die Parlamentarisierung und Demokratisierung Deutschlands herausarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Thema, Methode und These
- Begriffsklärung: Wahlrecht und Wahlsysteme
- Unter geeinter Flagge: Wahlrecht im Kaiserreich 1871-1918
- Die Geburtstunde des allgemeinen Wahlrechts: Das Frankfurter Paulskirchenparlament 1848/49
- Auf dem Weg zur Deutschen Einheit: Wahlrecht im Norddeutschen Bund 1866-1870
- Ungleichzeitige Teildemokratisierung: Wahlrecht im Deutschen Kaiserreich 1871 -1918
- Auftakt zur Katastrophe: Wahlrecht in der Weimarer Republik 1918-1933
- Scheinparlamentarismus im Führerstaat: Wahlrecht im Nationalsozialismus 1933-1945
- Echte und scheinbare Demokratie: Wahlrecht in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg (seit 1945)
- Zettel falten: Wahlrecht in der DDR (1949-1990)
- Stabile Regierungen und wehrhafte Demokratie: Wahlrecht in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg (seit 1945)
- Vergleich und Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht die Entwicklung des Wahlrechts in Deutschland seit 1871 und betrachtet es als ein Spiegelbild der demokratischen Verfassungsgeschichte. Sie analysiert die spezifischen Charakteristika des Wahlrechts in verschiedenen Epochen und untersucht die Kontinuitäten und Brüche in seiner Entwicklung.
- Die historische Entwicklung des Wahlrechts in Deutschland
- Die Beziehung zwischen dem Wahlrecht und der demokratischen Verfassungsentwicklung
- Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Wahlrechts in verschiedenen historischen Phasen
- Der Einfluss des Wahlrechts auf die Parlamentarisierung und Demokratisierung Deutschlands
- Die Bedeutung des Wahlrechts für die politische Partizipation der Bürger
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung präsentiert das Thema, die Methode und die zentralen Thesen der Arbeit. Die Begriffsklärung definiert wichtige Begriffe wie „Wahlrecht“, „aktives und passives Wahlrecht“ und „Wahlsystem“. Das Kapitel über das Wahlrecht im Kaiserreich analysiert die Einführung des allgemeinen Wahlrechts im Frankfurter Paulskirchenparlament 1848/49, die Entwicklung im Norddeutschen Bund und die ungleichzeitige Teildemokratisierung im Kaiserreich. Der Abschnitt über die Weimarer Republik fokussiert auf die Entstehung des Wahlrechts in der jungen Republik. Die Kapitel über das Wahlrecht im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit werden in dieser Vorschau nicht behandelt, um Spoiler zu vermeiden.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wahlrecht in Deutschland seit 1871, seinen historischen Besonderheiten und seiner Bedeutung für die Entwicklung der Demokratie. Wichtige Begriffe sind: allgemeines Wahlrecht, Wahlsystem, Mehrheitswahl, Verhältniswahl, Parlamentarisierung, Demokratisierung, politische Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Wann begann der Kampf um das allgemeine Wahlrecht in Deutschland?
Der Kampf begann vor etwa 200 Jahren. Ein wichtiger Meilenstein war das Frankfurter Paulskirchenparlament 1848/49, auch wenn der Prozess erst mit den freien Wahlen 1990 seinen Abschluss fand.
Wie unterschied sich das Wahlrecht im Kaiserreich von dem in der Weimarer Republik?
Im Kaiserreich herrschte eine „ungleichzeitige Teildemokratisierung“, während die Weimarer Republik nach 1918 ein umfassenderes demokratisches Wahlrecht einführte, das auch das Frauenwahlrecht beinhaltete.
Was versteht man unter „Scheinparlamentarismus“ im Nationalsozialismus?
Zwischen 1933 und 1945 wurde das Wahlrecht instrumentalisiert, um die Macht des Führerstaates formal zu legitimieren, ohne dass echte politische Partizipation oder freie Wahlen stattfanden.
Wie funktionierte das Wahlrecht in der DDR?
Das Wahlrecht in der DDR wird oft als „Zettel falten“ charakterisiert, da es keine echte Wahlfreiheit gab und das System lediglich den Anschein einer Demokratie erweckte.
Welche Bedeutung hat das Wahlrecht für die Demokratisierung Deutschlands?
Das Wahlrecht gilt als Fundament der parlamentarischen Demokratie. Es ermöglicht die politische Partizipation der Bürger und spiegelt die verfassungsrechtliche Entwicklung des Nationalstaates wider.
Was ist der Unterschied zwischen aktivem und passivem Wahlrecht?
Aktives Wahlrecht ist das Recht, wählen zu gehen. Passives Wahlrecht ist das Recht, selbst als Kandidat bei einer Wahl anzutreten und gewählt zu werden.
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- Regina Pahling (Author), 2013, Fundament der Demokratie. Das Wahlrecht auf der zentralen staatlichen Ebene in Deutschland seit 1871, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282329