Im Juni 2012 zeigte das ZEITmagazin auf seiner Titelseite ein Bild zweier sich scheinbar küssender Frauen in figurbetonter und knapper Kleidung. Der Titel der Ausgabe war „Arabische Nächte“. Bei der Betrachtung erweckt dieser Titel Assoziationen mit den Erzählungen aus Tausendundeine Nacht und den Vorstellungen über einen exotischen und mythischen ‚Orient‘. Gleichzeitig stiftet das Bild jedoch Verwirrung ob der Darstellung von ‚modern‘ gekleideten und emanzipiert wirkenden Frauen, die man im Allgemeinen nicht in direktem Zusammenhang mit dem Begriff ‚arabisch‘ erwartet. Darüber hinaus wirkt in diesem Bild noch ein dritter Aspekt: Die Gesichter der Frauen sind durch ihre Haare wie durch einen Schleier verdeckt. So sind weder die Frauen eindeutig zu erkennen noch ist deutlich zu sehen, ob es wirklich ein Kuss ist, der hier abgelichtet ist.
An dieser Stelle wird klar, dass dieses Bild und seine Betitelung den Betrachter ein wenig an der Nase herumführt. Denn Bild und Titel spielen mit (sexuellen) Fantasien, Vorstellungen von Okzident und Orient, Ansichten von Modernität und Rückständigkeit sowie Blick-Traditionen. Die vorliegende Arbeit nimmt dies zum Anlass, das Verhältnis von Okzident und Orient, die Stellung des Bildes und der Fotografie in der islamischen Anschauung, der Rolle des Schleiers bzw. der Verschleierung im Islam und die Definition von außen und innen, privat und öffentlich zu hinterfragen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Inszenierung einer Bildtradition
- Zum Begriff des Orientalismus
- Verschleierung, Öffentlichkeit und Privates
- Zum islamischen, Bilderverbot
- Olivia Arthurs „Jeddah Diary“ und das „ZEITmagazin“
- Arabische Nächte
- Das geheime Leben der Frauen von Dschidda
- Kleiderregeln im Badeort Durrat al-Arus
- Partys für Frauen
- Fazit
- Abbildungsverzeichnis
- Bibliographie
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Inszenierung einer Bildtradition im Kontext des Orientalismus, indem sie Olivia Arthurs Fotoserie „Jeddah Diary“ im ZEITmagazin als Beispiel heranzieht. Sie untersucht die Rolle des Bildes und der Fotografie im islamischen Kontext, die Bedeutung des Schleiers und der Verschleierung sowie die Konstruktion von Öffentlichkeit und Privatheit im Orient.
- Der Orientalismus als westliches Konstruktionsprinzip
- Die Rolle des Bildes und der Fotografie im Islam
- Der Schleier als Symbol für Verschleierung und Identität
- Die Konstruktion von Öffentlichkeit und Privatheit im Orient
- Die Inszenierung von „Arabischen Nächten“ in der westlichen Medienlandschaft
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt das Bild zweier Frauen auf dem Titelbild des ZEITmagazins vor und zeigt, wie dieses Bild mit den Erwartungen und Vorurteilen über den Orient spielt. Sie führt den Begriff des Orientalismus ein und erläutert die Bedeutung des Schleiers im Kontext des westlichen Blicks auf den Islam.
Das Kapitel „Inszenierung einer Bildtradition“ untersucht den Begriff des Orientalismus und seine Auswirkungen auf die Wahrnehmung des Orients. Es beleuchtet die Rolle des Schleiers als Symbol für Verschleierung und Identität und analysiert die Konstruktion von Öffentlichkeit und Privatheit im islamischen Kontext.
Das Kapitel „Olivia Arthurs „Jeddah Diary“ und das „ZEITmagazin““ analysiert die Fotoserie „Jeddah Diary“ von Olivia Arthur im Kontext des ZEITmagazins. Es untersucht die Inszenierung von „Arabischen Nächten“ in der westlichen Medienlandschaft und die Darstellung von Frauen im islamischen Kontext.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen den Orientalismus, die Bildtradition, den Schleier, die Verschleierung, die Konstruktion von Öffentlichkeit und Privatheit, den Islam, die Fotografie, die Medienlandschaft, die „Arabischen Nächte“ und die Arbeit von Olivia Arthur.
Häufig gestellte Fragen
Was thematisiert Olivia Arthurs „Jeddah Diary“?
Die Fotoserie zeigt das private und oft verborgene Leben von Frauen in Dschidda, Saudi-Arabien, und bricht dabei mit gängigen westlichen Klischees über den Orient.
Was bedeutet „Orientalismus“ in diesem Kontext?
Orientalismus beschreibt eine westliche Sichtweise auf den Orient, die oft von Exotik, Vorurteilen und einer Konstruktion von „Rückständigkeit“ geprägt ist, um die eigene „Modernität“ abzugrenzen.
Warum ist das Titelbild „Arabische Nächte“ des ZEITmagazins provokant?
Es spielt mit der Erwartungshaltung: Man sieht modern gekleidete Frauen, deren Gesichter jedoch verschleiert wirken, was Assoziationen zu „Tausendundeine Nacht“ weckt, diese aber gleichzeitig bricht.
Welche Rolle spielt die Verschleierung in der Fotografie?
Der Schleier dient in der Arbeit als Symbol für die Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatheit sowie als Mittel der Inszenierung von Identität und Geheimnis.
Gibt es ein „Bilderverbot“ im Islam?
Die Arbeit untersucht die islamische Anschauung zur Fotografie und zeigt, dass die Auslegung zum Bilderverbot (besonders bzgl. Lebewesen) je nach Strömung und Kontext variiert.
Was ist der Badeort Durrat al-Arus?
Es ist ein Ort in Saudi-Arabien, an dem liberalere Kleiderregeln herrschen als im restlichen Land, was Olivia Arthur in ihrer Serie dokumentiert hat.
- Quote paper
- Veronika Mayer (Author), 2013, „Arabische Nächte“. Die Inszenierung einer Bildtradition am Beispiel von Olivia Arthurs „Jeddah Diary“ im ZEITmagazin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282124