Die deutsche Sprache zeigt im Vergleich zu vielen anderen Sprachen eine relativ freie Wortstellung. Um diese angemessen zu beschreiben, hat sich das topologische Modell als äußerst hilfreich erwiesen, das auf Drach (1937) zurückgeht (Musan 2009:10). Durch dieses Modell lässt sich der deutsche Satz in das Vorfeld, das Mittelfeld und das Nachfeld strukturieren, wobei das Mittelfeld durch die linke und die rechte Satzklammer umschlossen wird. Diesen Bezeichnungen liegt die Annahme zugrunde, dass Sätze aus mehreren aufeinander folgenden Bereichen bestehen, die mit einzelnen Wörtern oder Wortfolgen besetzt sind. Diese werden jedoch nicht wahllos miteinander kombiniert, sondern nach bestimmten Regeln in einer linearen Abfolge strukturiert (Meibauer et al. 2007: 121).
Für die Besetzung der linken Satzklammer herrschen in der Literatur jedoch unterschiedliche Ansichten hinsichtlich der Position von Relativ- und Interrogativpronomen. Die ältere Auffassung, wie in Meibauer et al. (2007) vertreten, geht davon aus, dass sie, wie Subjunktionen, in der linken Satzklammer stehen, während die neuere Auffassung, wie in Wöllstein-Leisten et al. (1997) und Duden (2006) vertreten, sie aus bestimmten Gründen ins Vorfeld setzt. Ein weiterer Problembereich stellt die Besetzung des Mittelfeldes dar, in dem theoretisch unendlich viele Konstituenten auftreten können (Dürscheid 2007:101). Insbesondere stellt sich hier die Frage welche Faktoren die Abfolge der Konstituenten im Mittelfeld beeinflussen und welche Konsequenzen sich daraus für die Besetzung des Mittelfeldes ergeben.
Ziel der Hausarbeit ist es in einem ersten Schritt zu zeigen, wie die Strukturierung eines Satzes in Vorfeld, Mittelfeld und Nachfeld dazu führt, dass sich bestimmte Positionen für die Satzglieder ergeben und welche Regularitäten in V1-, V2- und VL-Sätzen dies bewirken. Im zweiten Schritt werden dann die Problematiken der linken Satzklammer und des Mittelfeldes im Fokus stehen. Bevor jedoch das Augenmerk auf diese beiden Bereiche des Modells gerichtet wird, wird zunächst das topologische Modell mit seinen grundlegenden Regularitäten in Kapitel 2 vorgestellt. Daraufhin wird die linke Satzklammer in Kapitel 3 genauer betrachtet und die für ihre Besetzung unterschiedlichen Ansichten aufgezeigt. Das Mittelfeld steht im Fokus von Kapitel 4. Da hier unendlich viele Konstituenten auftreten können, wird anhand verschiedener Grammatiken untersucht, welche Bestimmungsfaktoren die
Abfolge der Satzglieder.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das topologische Modell und seine grundlegenden Regeln
- Die linke Satzklammer und ihre Besetzung
- Das Mittelfeld
- Problematik der Besetzungsabfolge
- Bestimmungsfaktoren der Abfolge
- Subjekt vor Objekt
- Die Thema-Rhema-Bedingung
- Pronomen vor Nicht-Pronomen
- Definitheitsbedingung
- Belebt vor unbelebt
- Zusammenfassung
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit befasst sich mit dem topologischen Modell der deutschen Satzstruktur und untersucht die Regeln für die Besetzung der linken Satzklammer und des Mittelfeldes. Ziel ist es, die Strukturierung eines Satzes in Vorfeld, Mittelfeld und Nachfeld zu analysieren und die Regularitäten in V1-, V2- und VL-Sätzen aufzuzeigen. Dabei werden die Problematiken der linken Satzklammer und des Mittelfeldes im Fokus stehen.
- Das topologische Modell und seine grundlegenden Regeln
- Die Besetzung der linken Satzklammer
- Die Besetzung des Mittelfeldes
- Die Abfolge von Konstituenten im Mittelfeld
- Die Konsequenzen für die Satzstruktur
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 stellt das topologische Modell mit seinen grundlegenden Regeln vor. Es werden die verschiedenen Satztypen (V1, V2, VL) und ihre charakteristischen Merkmale erläutert. Die Regeln für die Besetzung der linken und rechten Satzklammer sowie des Mittelfeldes werden dargestellt.
Kapitel 3 befasst sich mit der Besetzung der linken Satzklammer. Es werden die unterschiedlichen Ansichten hinsichtlich der Position von Relativ- und Interrogativpronomen diskutiert. Die ältere Auffassung, die diese Pronomen in der linken Satzklammer platziert, wird der neueren Auffassung gegenübergestellt, die sie ins Vorfeld setzt.
Kapitel 4 untersucht die Besetzung des Mittelfeldes. Es werden die Faktoren analysiert, die die Abfolge der Konstituenten im Mittelfeld beeinflussen. Dazu gehören die Position des Subjekts und des Objekts, die Thema-Rhema-Bedingung, die Definitheitsbedingung und die Belebtheit der Konstituenten. Die Konsequenzen dieser Faktoren für die Satzstruktur werden diskutiert.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen das topologische Modell, die linke Satzklammer, das Mittelfeld, die Besetzung von Satzgliedern, die Abfolge von Konstituenten, V1-Sätze, V2-Sätze, VL-Sätze, Relativpronomen, Interrogativpronomen, Subjunktionen, Thema-Rhema-Bedingung, Definitheitsbedingung, Belebtheit, Satzstruktur, deutsche Grammatik.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das topologische Modell der deutschen Sprache?
Es ist ein Modell zur Beschreibung der Satzstruktur, das Sätze in Felder (Vorfeld, Mittelfeld, Nachfeld) unterteilt, die durch die sogenannte Satzklammer getrennt werden.
Was steht in der linken Satzklammer?
In Hauptsätzen steht dort das finite Verb (V2-Stellung), in Nebensätzen meist eine Subjunktion (VL-Stellung). Die Position von Relativpronomen ist in der Forschung umstritten.
Welche Faktoren beeinflussen die Wortfolge im Mittelfeld?
Wichtige Faktoren sind die Thema-Rhema-Bedingung (Bekanntes vor Neuem), Pronomen vor Nicht-Pronomen, Definitheit sowie die Belebtheit (Belebtes vor Unbelebtem).
Was unterscheidet V1-, V2- und VL-Sätze?
V1-Sätze beginnen mit dem Verb (z.B. Fragen), V2-Sätze haben das Verb an zweiter Stelle (Aussagesätze), und in VL-Sätzen steht das Verb am Ende (Nebensätze).
Warum gilt die deutsche Wortstellung als „frei“?
Obwohl es Regeln gibt, können Satzglieder im Mittelfeld flexibler angeordnet werden als im Englischen, solange die Struktur der Satzklammer eingehalten wird.
- Citation du texte
- M. Sc. Lorraine Möller (Auteur), 2013, Das topologische Modell in der Linguistik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281724