Die Anwendung von Geoinformationen in der Wirtschaft ist sehr alt. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts ergänzte der Geograph Alfred Hettner Landkarten mit wirtschaftlichen und historischen Daten. Die Verbindung von wirtschaftlichen Daten mit Ortsangaben liefern wichtige Angaben über kausale Beziehungen innerhalb der Wirtschaftsdaten.
Die quantitative Marketing–Forschung hat sich hier jedoch bisher sehr verhalten gegenüber geographischen Einflüssen auf den Marketing–Prozess geäußert. Es ist zwar richtig, dass einige geographische Modelle wie die Gravitationsmodelle zur Bestimmung von Einzugsgebietsgrößen oder als Instrument zur Standort– Planung einen festen Platz im Werkzeugkasten des Handelsmarketing haben (Reilly 1931; Converse 1949; Hu
1964; Fickel 1979). Andererseits sind damit die Fähigkeiten von modernen Geographischen Informationssystemen nicht einmal annähernd erschöpft. Solche Systeme können neben Informationen über geographische Distanzen zwischen Objekten oder der Berechnung von Flächen und Umfängen von Gebieten, Beschränkungen wie beispielsweise ein Geschwindigkeitslimit auf Verkehrswegen in Betracht ziehen.
In vielen Gewerbezweigen die als global und hyperkompetitiv gelten wie dem Einzelhandel, der Zement– und Stahlindustrie und dem Handwerk liegen tatsächlich oligopolistische, lokale Märkte vor,1 so dass die Bestimmung der räumlichen Ausdehnung dieser Märkte, sowie deren Analyse das höchste Interesse jedes Marketing– Fachmannes sein sollte.
In der vorliegenden Literatur wird angegeben, dass aus der Gesamtheit aller Unternehmensbezogenen Daten ein Anteil von 80–90%2 einen geographischen Bezug hat. Mit Instrumenten wie der Kausalanalyse oder Strukturgleichungsmodellen liessen sich durch die Miteinbeziehung von räumlichen Daten beeindruckende Analyse– und Prognoseerfolge erzielen. Im Rahmen der Erforschung der Wirkung von Preis–Maßnahmen auf die Markenwahl oder der Interaktionen zwischen Marketing–Instrumenten liessen sich durch Einbindung von GIS–Analysen in die Modelle interessante zusätzliche Zusammenhänge entdecken. Bei der Analyse von Wettbewerbsbeziehungen wäre zum Beispiel interessant, inwieweit die Nähe von mehreren Konkurrenten den Wettbewerb verstärkt oder zusätzliche Nachfrage auf Grund des breiteren Angebotes in die Region lockt (Beispiel: Möbelmärkte, Einkaufs–Zentren oder die Konzentration von Fast–Food–Filialen an Bahnhöfen und Kinos).
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Relevanz und Zielsetzung der Arbeit
- Begriffsbestimmungen
- Meilensteine bei der Entwicklung von GIS
- Diffusion von GIS und technische Weiterentwicklung.
- GIS-Software
- Marktdaten
- Funktionsweise GIS
- Analysemethoden
- Abfragen und Visualisierungen
- Raumanalytische Verfahren
- Raumstatistische Verfahren
- Modellgestützte Verfahren
- Daten und Dienstleistungen
- Daten
- Dienstleistungen.
- Anwendungsbereiche
- Funktionen
- Infrastrukturelemente
- Marketing-Instrumente.
- Marketing-Controlling
- Dokumentation von Marketing-Prozessen.
- Anwendungsbereiche
- Funktionen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die betriebswirtschaftlichen Einsatzmöglichkeiten von Geoinformationssystemen (GIS) im Marketing. Sie analysiert die Relevanz und Bedeutung von GIS im Marketing-Prozess und beleuchtet die Funktionsweise und Einsatzbereiche von GIS in verschiedenen Marketingfunktionen.
- Relevanz von GIS für Marketingentscheidungen
- Funktionsweise von GIS und Analysemethoden
- Anwendung von GIS in verschiedenen Marketingbereichen
- Einsatz von GIS in der Standortplanung und Kundenanalyse
- Die Bedeutung von GIS für Marketing-Controlling
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel der Arbeit stellt die Relevanz und Zielsetzung der Arbeit dar. Es beleuchtet die historische Entwicklung von GIS und erläutert die Funktionsweise und die Bedeutung von GIS im Marketingkontext. Das zweite Kapitel widmet sich der GIS-Software und beschreibt verschiedene Analysemethoden. Das dritte Kapitel behandelt Daten und Dienstleistungen im Zusammenhang mit GIS, während das vierte Kapitel die vielseitigen Anwendungsbereiche von GIS im Marketing detailliert beschreibt.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Schlüsselwörter Geoinformationssysteme (GIS), Marketing, Standortplanung, Kundenanalyse, Marketing-Controlling, Analysemethoden, Daten und Dienstleistungen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Geoinformationssystem (GIS)?
Ein GIS ist ein computergestütztes System zur Erfassung, Speicherung, Analyse und Darstellung von Daten, die einen geografischen Bezug haben.
Wie wird GIS im Marketing eingesetzt?
Typische Anwendungen sind die Standortplanung für Filialen, die Analyse von Einzugsgebieten, die Zielgruppenlokalisierung und das regionale Marketing-Controlling.
Welchen Anteil haben unternehmensbezogene Daten an geografischen Informationen?
Schätzungen zufolge haben etwa 80 bis 90 Prozent aller Unternehmensdaten einen direkten oder indirekten geografischen Bezug.
Was ist ein Gravitationsmodell im Handelsmarketing?
Es ist ein mathematisches Modell zur Bestimmung der Anziehungskraft eines Standortes auf Kunden in Abhängigkeit von Entfernung und Attraktivität.
Wie hilft GIS bei der Wettbewerbsanalyse?
GIS kann visualisieren, wie nah Konkurrenten beieinander liegen und ob diese Nähe den Wettbewerb verschärft oder durch ein breiteres Angebot mehr Kunden in die Region lockt.
- Quote paper
- Wilhelm Dyckerhoff (Author), 2003, Einsatzmöglichkeiten von GIS im Marketing, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27852