Prüfungsvorbereitung zum Thema Theorie der Nation, 4-Stundenklausur mit Literaturverweisen. Aus dem Text: Das Wort Nation stammt aus dem lat. natio = Geburt, Herkunft, Abstammung. Bei antiken Autoren wie Tacitus bedeutet natio soviel wie Stamm/Volksstamm, z. B. die Germanen, also eine Abstammungsgemeinschaft von einem fiktiven Ahnen. Nationes sind für zeitgenössische und spätere Autoren auch die Stämme der Völkerwanderungszeit. Gemeinsam ist der antiken und spätantiken Wortbedeutung, daß sie Stämme nicht im ethnisch homogenen Sinn bezeichnete, sondern auf Wanderungs-, Zweck- oder aber Kulturgemeinschaften (gleiche Sitten, Religionen etc.) abstellte. Im MA taucht der Begriff Nation als Herkunftsbezeichnung für Teilnehmer kirchlicher Konzilien auf, die nach ihrem Herkunftsland abstimmten. Im späten MA und der frühen Neuzeit, d. h. der ständischen Feudalgesellschaft werden ständische Vertretungen so genannt. Die Vertreter der Territorien, der reichsfreien Städte, Körperschaften und reichfreien Orte Mitteleuropas gehörten seit 1649 zum Heiligen römischen Reich deutscher Nation, das ein multinationale Staatsgebilde darstellte. Der Adel war sowie international und stellt sich auch in fremdnationale Dienste. Schließlich bezeichneten sich auch die Generalstände in Frankreich, die über die Steuern zu entscheiden hatten, als Nation. In Polen regierte wie in anderen osteuropäischen Staaten die Adelsnation. Erst durch die französische Revolution änderte sich die Konnotation. Schon im Absolutismus Ludwig des 14. schien Frankreich als der Prototyp des modernen zentralistischen Staatswesens. Der Prozeß der Demokratisierung begann mit der Beteiligung der Stände an der Alleinregierung durch das Steuerrecht, der König verlangt eine höhere Besteuerung -> die Stände werden stärken und berufen sich auf eine Nationalversammlung, wonach eine Verfassung geschrieben wird und der König entmachtet. Der französ. Geistliche Emmanuel Joseph Sieyès verfaßte eine Vielzahl von Kampfschriften für eine Nation gleichberechtigter Bürger und gegen Standesprivilegien. Sein Schrift Qu‘est-ce le Tiers État? aus dem Revolutionsjahr 1789 gehört bereits zu den Ursprüngen der subjektivistischen Auffassung der Nation. (...)
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung - Was ist eine Nation?
- subjektivistische Auffassung
- objektivistische Auffassung
- die politische Nation
- Exkurs zum französisch republikanischen Integrationskonzept
- Gründe für die Dominanz einer kulturalistischen Auffassung der Nation
- Literatur zum Thema beschreibt historische Tatsachen, Apologetik, Anklagen als Barbarei
- Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Klausur analysiert die Konzepte der Nation, indem sie „objektivistische“ und „subjektivistische“ Auffassungen gegenüberstellt. Sie untersucht, welches Konzept in modernen Demokratien dominiert und warum. Die Arbeit beleuchtet die historische Entwicklung des Nationalismus und die Entstehung des Nationalbewußtseins.
- Die Entstehung des modernen Nationalstaates
- Die Entstehung des Nationalbewußtseins und des Nationalismus
- Die subjektivistische Auffassung der Nation
- Die objektivistische Auffassung der Nation
- Die politische Nation
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung - Was ist eine Nation?: Die Einleitung definiert den Begriff „Nation“ und verfolgt seine historische Entwicklung vom antiken Verständnis als Stamm/Volksstamm bis zur modernen Konnotation, die durch die französische Revolution geprägt wurde. Sie beleuchtet die Entstehung des modernen Nationalstaates und des Nationalbewußtseins als wesentliche Entwicklungsbedingungen des nationalen Gedankens.
- subjektivistische Auffassung: Dieser Abschnitt beschreibt die subjektivistische Auffassung der Nation, die vor allem in Westeuropa verbreitet ist. Sie betont das subjektive Bekenntnis des mündigen Staatsbürgers zu einer Willensgemeinschaft, die durch gemeinsame Gesetze und Institutionen definiert wird. Als Hauptvertreter wird Ernest Renan genannt, der die Nation als eine „Schicksals- und Erinnerungsgemeinschaft“ beschreibt.
- objektivistische Auffassung: Dieser Abschnitt stellt die objektivistische Auffassung der Nation dar, die vor allem in Mittel- und Osteuropa verbreitet ist. Sie betont objektive Merkmale wie Rasse, Sprache, Religion, geographische Grenzen und Geschichte als Grundlage für ein Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit. Als Hauptvertreter werden Johann Gottfried Herder, Fichte, Hegel und Friedrich Meinecke genannt, die den Volksgeist und die kulturelle Einheit als zentrale Elemente der Nation hervorheben.
- die politische Nation: Dieser Abschnitt analysiert die politische Nation und die Herausforderungen, die sich aus der multikulturellen Gesellschaft ergeben. Er diskutiert die Assimilierungsleistung der Nation und die Bedeutung des Verfassungspatriotismus. Der Abschnitt beleuchtet auch die Kritik an der rein subjektivistischen Definition der Nation, die zu einer Unterdrückung von Minderheiten und einer Anonymisierung des Einzelnen führen kann.
- Exkurs zum französisch republikanischen Integrationskonzept: Dieser Abschnitt stellt das französische Integrationskonzept vor, das auf der Idee einer politischen Gemeinschaft basiert, die unabhängig von ethnischen oder kulturellen Merkmalen ist. Er betont die Bedeutung der Grundrechte und die Gleichheit aller Staatsbürger.
- Gründe für die Dominanz einer kulturalistischen Auffassung der Nation: Dieser Abschnitt untersucht die Gründe für die Dominanz einer kulturalistischen Auffassung der Nation, die auf Sprache, Kultur und Geschichte basiert. Er beleuchtet die Rolle der deutschen Geschichte, die von einem starken Nationalismus geprägt war, und die Herausforderungen, die sich aus der Einwanderung ergeben.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die Nation, den Nationalismus, die subjektivistische und objektivistische Auffassung der Nation, den modernen Nationalstaat, das Nationalbewußtsein, die Willensgemeinschaft, die kulturelle Einheit, die politische Nation, die multikulturelle Gesellschaft, den Verfassungspatriotismus, das französische Integrationskonzept und die Assimilierungsleistung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer subjektivistischen und einer objektivistischen Nation?
Die subjektivistische Auffassung basiert auf dem Willen der Bürger (Willensnation), während die objektivistische auf Merkmalen wie Sprache, Rasse oder Kultur (Kulturnation) gründet.
Wer ist ein Hauptvertreter der subjektivistischen Auffassung?
Ernest Renan gilt als zentraler Denker, der die Nation als eine tägliche Abstimmung und Schicksalsgemeinschaft beschrieb.
Welche Denker prägten die objektivistische Auffassung der Nation?
Hierzu zählen vor allem Johann Gottfried Herder, Fichte und Hegel, die den "Volksgeist" und die kulturelle Einheit betonten.
Wie veränderte die Französische Revolution den Begriff der Nation?
Sie wandelte die Nation von einer ständischen Herkunftsbezeichnung zu einer Gemeinschaft gleichberechtigter Bürger um (Tiers État).
Was bedeutet "Verfassungspatriotismus"?
Es beschreibt die Identifikation mit den demokratischen Werten und Gesetzen eines Staates statt mit einer ethnischen oder kulturellen Herkunft.
Warum dominiert in Deutschland oft die kulturalistische Auffassung?
Dies liegt an der historischen Entwicklung als "verspätete Nation", die sich zunächst über Sprache und Kultur definieren musste, bevor ein Nationalstaat existierte.
- Citar trabajo
- Christian Schwießelmann (Autor), 2003, Theorie der Nation (Magisterprüfung), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278477