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Reisen im Mittelalter. Die Wahrnehmung des Fremden in den 'unerhörten' Erlebnissen des Franziskanermönches Odorich auf seiner Reise nach China und Indien (14. Jh.)

Title: Reisen im Mittelalter. Die Wahrnehmung des Fremden in den 'unerhörten' Erlebnissen des Franziskanermönches Odorich auf seiner Reise nach China und Indien (14. Jh.)

Term Paper , 2001 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Verena Lehmbrock (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Heutzutage siedeln wir phantastische Wesen und unheimliche Kreaturen - sei
es in schriftlicher oder bildlicher Form - auf anderen Planeten in fernen Galaxien an.
Im mittelalterlichen Abendland dagegen gab es noch reichlich unentdecktes Land auf
dem eigenen Planeten, so dass man ‘Unerhörtes’ dort ansiedeln konnte. Im
ethnozentristisch-religiösen Weltbild, in dem die bekannten Erdteile zentral um
Jerusalem angeordnet lagen, befand sich der ferne Osten am geheimnisvollen Rand
dieser Welt. Neben politischer und religiöser Motivation gab ebenso die curiositas1,
die Reiselust, Anlass zum Aufbruch in den Orient, zur Entdeckung der Wunder
Gottes.2 Die Reiseberichte dieser Zeit befinden sich fast durchgängig im
Spannungsfeld zwischen Realität und Mythos.3 Das mag einerseits in der damaligen
Denkweise, einer Mischform aus wissenschaftlichem und mythisch-religiösem
Denken begründet liegen. Für uns und unsere wissenschaftlich orientierte Sichtweise
(als wahr gelten die Aussagen, die verifizierbar sind) ist sie nicht mehr
nachzuvollziehen. Auf der anderen Seite erwarteten die damaligen Zeitgenossen
nicht nur die reine Information über Unbekanntes, sondern gerade der
Unterhaltungswert der Erfahrungsberichte machte ihre Beliebtheit aus.4
Kommerzielle Interessen, das Renommierbedürfnis der Autoren und nicht zuletzt die
Schwierigkeit, für Unbeschreibliches Worte zu finden, formten den Stil des
Reiseberichtes und trugen ihm zudem den Ruf der Lügengeschichte ein.5 [...] 1 Der Begriff ‘curiositas’ war im Mittelalter verbreitet und hatte in verschiedenen Beziehungen vielerlei Bedeutungen; er konnte sowohl Sorgfalt und Mühe als auch Wissbegierde und Neugierde bezeichnen. 2 Karl Zaenker, Wirklichkeit und Fiktion in der spätmittelalterlichen Reiseliteratur, in: Deutsche Jakobspilger und ihre Berichte, hg. von Klaus Herbers, Tübingen 1988, S.125 (weiterhin zitiert: Zaenker-Reiseliteratur) 3 Peter Wunderli (Hg.), Reisen in reale und mythische Ferne. Reiseliteratur in Mittelalter und Renaissance, Düsseldorf 1993, S.1/2 4 Zaenker-Reiseliteratur, S.123/124 5 Peter J. Brenner, Die Erfahrung der Fremde. Zur Entwicklung einer Wahrnehmungsform in der Geschichte des Reiseberichts, in: Der Reisebericht. Die Entwicklung einer Gattung in der deutschen Literatur, hg. von Peter J. Brenner, Frankfurt a.M. 1989, S.14 (weiterhin zitiert: Brenner-Reisebericht)

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung - Der Reisebericht als mentalitätsgeschichtliche Quelle

2. Drei Vorbemerkungen

2.1. China und Europa im Mittelalter

2.2. Philosophische Anthropologie

2.3. Das christliche Weltbild im Mittelalter

3. Odorichs Beschreibungen des Fremden

3.1. Der distanzierte Blick

3.2. Die Gegenüberstellung

3.3. Das Fremde als Bereicherung

3.4. Unverständnis und Ablehnung

3.5. Anerkennung?

4. Schluss

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Reiseberichts von Odorich von Pordenone, wie ein mittelalterlicher Franziskanermönch im 14. Jahrhundert fremde Kulturen in Asien wahrnahm und in sein christliches Weltbild integrierte oder abgrenzte.

  • Analyse des mittelalterlichen Reiseberichts als mentalitätsgeschichtliche Quelle.
  • Untersuchung der philosophischen Anthropologie und der Weltoffenheit des Menschen.
  • Darstellung des Spannungsfeldes zwischen christlichem Weltbild und fremden Sitten.
  • Untersuchung der Wahrnehmungsmuster: Distanzierung, Vergleich, Ablehnung und Anerkennung.

Auszug aus dem Buch

3.1. DER DISTANZIERTE BLICK

Die meisten seiner Schilderungen sind auffällig wertfrei, auch Begebenheiten, die für ihn sehr befremdlich gewirkt haben müssen, beschreibt er meist recht nüchtern. Die Tatsache, dass er seinen Bericht erst nach seiner Rückkehr diktiert hat, die Erlebnisse zum Teil also bereits Jahre zurücklagen, mag zu dieser gelassenen Einstellung beigetragen haben. Sie hat nicht zu bedeuten, dass der Franziskaner beschriebene Verhaltensweisen als richtig anerkannte, denn eine Distanz zum Erzählten ist in den meisten Passagen dennoch deutlich zu sehen.

Odorich betont, dass die Fremden dies oder jenes für wahr halten, glauben oder behaupten und grenzt sich damit, ohne ausdrücklich darauf hinzuweisen ab.

„Alle Einwohner dieses Landes verehren einen Ochsen als ihren Gott, und sie sagen, er sei heilig. Sechs Jahre lang lassen sie ihn arbeiten, im siebenten gehört er der Allgemeinheit. Folgendes Ritual aber befolgen sie ihm gegenüber: An jedem Morgen nehmen sie zwei Becken aus Gold bzw. Silber, die sie unter den Ochsen halten, wenn sie ihn aus seinem Stall lassen. In dem einen fangen sie seinen Urin auf, in dem zweiten auch den anderen Unrat. Mit dem Urin waschen sie ihre Gesichter, von dem anderen Mist aber legen sie zuerst ein Häuflein in die Mitte des Gesichts, dann etwas auf die Oberseiten der Wangen und schließlich mitten auf die Brust. So verteilen sie ihn auf vier Stellen. Wenn sie das getan haben, behaupten sie, sie seien geheiligt. Und wie es das einfache Volk hält, so tun es auch der König und die Königin.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung - Der Reisebericht als mentalitätsgeschichtliche Quelle: Führt in die Problematik ein, Reiseberichte nicht als objektive Quellen, sondern als Zeugnisse der Mentalität des Verfassers zu lesen.

2. Drei Vorbemerkungen: Bereitet den theoretischen und historischen Kontext durch Betrachtungen zu China und Europa, Anthropologie und dem christlichen Weltbild vor.

3. Odorichs Beschreibungen des Fremden: Analysiert verschiedene Wahrnehmungsmuster des Autors, von neutraler Distanz bis hin zu moralischer Ablehnung oder punktueller Anerkennung fremder Sitten.

4. Schluss: Resümiert, dass Odorichs Wahrnehmung sowohl von echter Neugier als auch von den kulturellen und religiösen Grenzen seines mittelalterlichen Weltbildes geprägt war.

5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf.

Schlüsselwörter

Odorich von Pordenone, Reisebericht, Mittelalter, Wahrnehmung des Fremden, Mentalitätsgeschichte, Franziskanermission, interkulturelle Begegnung, christliches Weltbild, Curiositas, Kulturschock, Fremderfahrung, Asienreise, Ethnologie, Religionsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Reiseberichte des Franziskanermönchs Odorich von Pordenone im 14. Jahrhundert und analysiert, wie er fremde Kulturen in Asien wahrnahm und beschrieb.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die mentalitätsgeschichtliche Auswertung von Reiseberichten, das mittelalterliche christliche Weltbild, die Begegnung mit dem Fremden sowie philosophische Aspekte der menschlichen Weltoffenheit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, inwieweit Odorich in der Lage war, sich auf fremde Wirklichkeiten einzulassen und welche kulturellen Filter seine Wahrnehmung dabei prägten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine mentalitätsgeschichtliche Analyse der Quellen, eingebettet in einen interdisziplinären Kontext aus philosophischer Anthropologie und historischer Fremdforschung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Vorbereitung und eine detaillierte Analyse spezifischer Beschreibungen von Odorich, kategorisiert nach Wahrnehmungsmustern wie Distanz, Vergleich und Ablehnung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Odorich von Pordenone, Reisebericht, Mentalitätsgeschichte, Fremderfahrung und christliches Weltbild.

Wie verhält sich Odorich gegenüber fremden religiösen Bräuchen?

Odorich begegnet fremden Religionen in der Regel mit Ablehnung, da er von der Universalität und Wahrheit seines eigenen christlichen Glaubens überzeugt ist und fremde Praktiken oft als falsch oder gottlos einstuft.

Gibt es Beispiele für eine Anerkennung des Fremden in seinem Bericht?

Ja, in Einzelfällen zeigt Odorich Anerkennung, beispielsweise bei der Beschreibung fremder Statussymbole oder pflanzlich-medizinischer Heilmethoden, bei denen er ein eigenes Wertesystem der fremden Kultur erkennt.

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Details

Title
Reisen im Mittelalter. Die Wahrnehmung des Fremden in den 'unerhörten' Erlebnissen des Franziskanermönches Odorich auf seiner Reise nach China und Indien (14. Jh.)
College
Humboldt-University of Berlin  (Geschichtswissenschaften)
Course
Reisen im Mittelalter
Grade
1,3
Author
Verena Lehmbrock (Author)
Publication Year
2001
Pages
15
Catalog Number
V27793
ISBN (eBook)
9783638297448
Language
German
Tags
Reisen Mittelalter Wahrnehmung Fremden Erlebnissen Franziskanermönches Odorich Reise China Indien Reisen Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Verena Lehmbrock (Author), 2001, Reisen im Mittelalter. Die Wahrnehmung des Fremden in den 'unerhörten' Erlebnissen des Franziskanermönches Odorich auf seiner Reise nach China und Indien (14. Jh.), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27793
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