Zur Darstellung der Exploration und Evaluierung von mineralischen Ressourcen nach IFRS 6 wird einleitend eine Erläuterung der wichtigsten Begriffe stattfinden. Nach einer anschließenden Einführung in die historische Entwicklung des Standards werden einige Problembereiche, welche im weiteren Verlauf dieser Arbeit geklärt werden, dargestellt.
Um die mineralienausbeutende Industrie mit in das Regelwerk der International Financial Reporting Standards (IFRS) einzubeziehen, hat das International Accounting Stan-dards Board (IASB) den IFRS 6 erlassen. Der IFRS 6 regelt branchenspezifisch in groben Zügen die Bewertung und Bilanzierung der Exploration und Evaluierung (EuE) von minerali-schen Ressourcen. Bei mineralischen Ressourcen handelt es sich um nicht regenerative Bo-denschätze wie Mineralien, Öl, Kohle oder Erdgas. Als ein Beispiel für ein Mineralvorkom-men ist Erz zu nennen, welches durch seine EuE von dem Anwendungsbereich des IFRS 6 betroffen ist. Als Exploration wird die Suche nach eben diesen mineralischen Ressourcen ver-standen. Der Begriff der Evaluierung beschreibt den Vorgang des Erstellens von Studien über die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Förderns oder bzw. des Abbaus dieser Res-sourcen. Teilweise finden sich diese Definitionen im Anhang A des IFRS 6 wieder.
(...)
Eine Betrachtung der EuE von mineralischen Ressourcen nach IFRS 6 ist bedeutsam, da dieser Standard den Beginn der Berücksichtigung der mineralienfördernden Industrie in der internationalen Rechnungslegung darstellt. Obwohl der IFRS 6 ursprünglich nur als eine Zwischenlösung des IASB geplant war, gilt es, ihm aufgrund der Größe und Relevanz des rohstofffördernden Industriezweiges, eine große Bedeutung beizumessen. Der Standard trifft -wenn auch nicht umfassend- erstmals spezifisch für diese globale Branche Regelungen, wobei den Anwendern einige Freiheiten gewährt werden. Die Diskrepanz zwischen der Relevanz spezifischer Bilanzierungsregeln für die Branche und der fragmentarischen Regelung des Boards mittels der Zwischenlösung IFRS 6 verursacht Kritik an dem gesamten Projekt und seiner Umsetzung.
Im weiteren Verlauf werden zunächst die Grundlagen des IFRS 6 genauer erläutert und darauf folgend die einzelnen Ansatz- und Bewertungsmöglichkeiten für Vermögenswerte detaillierter dargestellt. Daraufhin werden die Angaben und die Darstellung thematisiert, bevor abschließend die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst und analysiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Zielsetzung
2.2 Struktur des Standards
2.3 Anwendungsbereich
2.4 Anwendungszeitpunkt
3. Ansatz und Bewertung
3.1 Befreiungen von Ansatz- und Bewertungsregeln nach IAS 8.11 und 8.12
3.2 Ansatz von Vermögenswerten aus EuE
3.2.1 Full-Cost-Methode
3.2.2 Successful-Efforts-Methode
3.2.3 Area-of-Interest-Methode
3.3 Bewertung von Vermögenswerten aus EuE
3.3.1 Zugangsbewertung
3.3.2 Folgebewertung
3.3.3 Änderung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
3.4 Wertminderungen
3.4.1 Ansatz und Bewertung
3.4.2 Festlegung der Ebene für spätere Überprüfung
4. Darstellung und Angaben
4.1 Klassifizierung von Vermögenswerten
4.2 Umklassifizierung von Vermögenswerten
4.3 Angaben
5. Zusammenfassung
5.1 Wichtigste Ergebnisse des IFRS 6
5.2 Analyse des IFRS 6
5.3 Aktuelle Entwicklung durch das IASB
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bilanzierung und Bewertung von Exploration und Evaluierung (EuE) mineralischer Ressourcen nach IFRS 6. Ziel ist es, die spezifischen Regelungen des Standards zu analysieren, die Wahlmöglichkeiten bei der Bilanzierung aufzuzeigen und die Auswirkungen auf die Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse rohstofffördernder Unternehmen kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen der Rechnungslegung für Explorationsaktivitäten
- Methoden für den Ansatz und die Bewertung (Full-Cost, Successful-Efforts, Area-of-Interest)
- Regelungen zu Wertminderungen (Impairment-Tests) und Cash Generating Units
- Darstellungspflichten und Vereinfachungen für Anwender
- Kritische Analyse der Rolle von IFRS 6 als Zwischenlösung des IASB
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Full-Cost-Methode
Die erste der drei genannten Methoden ist die Full-Cost-Methode (auch Full-Cost-Accounting). Bei der Anwendung dieser Methode werden alle Kosten unabhängig vom Erfolg der EuE-Aktivitäten aktiviert. Hintergrund dieser Methode ist die Denkweise, dass auch Ausgaben für nicht erfolgreiche EuE-Aktivitäten, wie z.B. für erfolglose Probebohrungen (Dry Holes), notwendig sind, um letztlich erfolgreich bei der Suche nach mineralischen Vorkommen zu sein. Diese Methode wird in der Praxis vor allem von kleinen und mittelgroßen Öl- und Gasgesellschaften in Anspruch genommen. Alle Ausgaben dienen letztendlich der resultierenden Leistungserstellung. Somit wird die Full-Cost-Methode als finale Betrachtungsweise angesehen. Zur Veranschaulichung dient das folgende Beispiel:
Ein Unternehmen hat 1.000 Geldeinheiten (GE) an eine staatliche Behörde gezahlt. Somit erhält es das Recht, in einem bestimmten Gebiet nach Erzvorkommen zu suchen. Im Falle einer erfolgreichen Suche dürfen die mineralischen Vorkommen des Gebietes von dem Unternehmen gefördert werden. Die Genehmigung bezieht sich auf drei Abbaufelder in denen anschließend Grabungen vorgenommen und Gesteinsproben entnommen werden. Die Aufwendungen pro Feld belaufen sich auf 200 GE. Hinzu kommen noch die Kosten für eine Studie zur Auswertung der wirtschaftlichen Verwertung und der technischen Machbarkeit. Diese betragen 300 GE. Bei der Studie stellt sich heraus, dass lediglich zwei der insgesamt drei Abbaufelder wirtschaftlichen Erfolg versprechen.
Im Falle der Full-Cost-Methode sind die gesamten Kosten in Höhe von 1.900 GE zu aktivieren. Die Ausgaben, die dabei keinen Erfolg nach sich ziehen, werden dennoch als erforderlich angesehen. Nach der Interpretation der Methode wären ohne diese erfolglosen Ausgaben die übrigen Erzvorkommen nicht erfolgreich zu erschließen gewesen. Demzufolge wird eine Erhöhung der Aktiva um 1.900 GE stattfinden. Es entsteht keine Belastung des Periodenerfolgs.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Exploration und Evaluierung (EuE) mineralischer Ressourcen und ordnet IFRS 6 als notwendige, wenn auch umstrittene Zwischenlösung des IASB ein.
2. Grundlagen: Dieses Kapitel definiert den Anwendungsbereich, die Zielsetzung und die Struktur des Standards sowie die zeitliche Anwendbarkeit.
3. Ansatz und Bewertung: Hier werden die Wahlrechte bei der Aktivierung (Full-Cost, Successful-Efforts, Area-of-Interest), die Zugangsbewertung, Folgebewertung und die komplexen Regelungen zu Wertminderungen detailliert analysiert.
4. Darstellung und Angaben: Dieses Kapitel behandelt die Anforderungen an die Klassifizierung der Vermögenswerte, Umklassifizierungen und die spezifischen Offenlegungspflichten.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die wesentlichen Ergebnisse des Standards und analysiert die Kritikpunkte sowie den aktuellen Status der IASB-Forschungsprojekte.
Schlüsselwörter
IFRS 6, Exploration, Evaluierung, mineralische Ressourcen, Full-Cost-Methode, Successful-Efforts-Methode, Area-of-Interest-Methode, Impairment-Test, Cash Generating Units, Rechnungslegung, Bilanzierung, Bewertung, IASB, Rohstoffindustrie, Vermögenswerte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der bilanziellen Behandlung von Ausgaben für Exploration und Evaluierung (EuE) in der mineralienausbeutenden Industrie gemäß dem Standard IFRS 6.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die Grundlagen, Ansätze zur Bewertung, Wertminderungstests (Impairment-Tests) sowie die Darstellungspflichten nach dem Standard ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die detaillierte Analyse der flexiblen Bilanzierungsvorschriften des IFRS 6 und der Bewertung, inwieweit diese den Zielen der Rechnungslegung der rohstofffördernden Industrie gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive und analytische Aufarbeitung des Standards IFRS 6 unter Berücksichtigung der relevanten IAS-Standards und Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Ansätze zur Aktivierung (z.B. Full-Cost vs. Successful-Efforts), die Bewertungsgrundsätze sowie die komplexen Regelungen zu Wertminderungen bei Explorationsprojekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind IFRS 6, Exploration, Bewertungsmethoden, Impairment-Test und rohstofffördernde Industrie.
Warum wird IFRS 6 oft als bloße "Zwischenlösung" bezeichnet?
IFRS 6 wurde als Übergangslösung erlassen, da das IASB zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keinen umfassenden Standard für die Rohstoffindustrie fertiggestellt hatte und bisher keine eigene, spezifische Regelung existierte.
Welchen Einfluss hat die Wahl der "Cash Generating Unit" (CGU) auf das Ergebnis?
Durch die flexible Definition der CGU können Unternehmen erfolglose Explorationsprojekte mit erfolgreichen Aktivitäten im selben Segment zusammenfassen, wodurch außerplanmäßige Abschreibungen häufiger vermieden werden können.
- Citation du texte
- Alexander Pulian (Auteur), 2014, Exploration und Evaluierung von mineralischen Ressourcen nach IFRS 6, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276220