Volk, Gewalt, Geschlecht, Nation - diese Problematik sticht nicht nur in "Die Herrmannsschlacht" von Kleist deutlich heraus. Immer wieder befindet sich der Dichter in einem mehrdeutigen Zwischenraum, in dem er einen Kampf austrägt: den zwischen der Gewalt der Nation und der Ruhe und Sinnlichkeit eines beschaulichen Privatlebens. Dabei spielt die Geschlechterproblematik immer wieder eine besondere Rolle - und häufig genug bleibt der Frau nichts als ein Scheitern. Wie sieht dieses Scheitern aus? Wie wird es vom Dichter interpretiert und begründet? Neben dieser Frage lehnt sich die Arbeit eng an die bei Kleist damit verbundenen politischen Momente von Volk und Nation, die mit der Geschlechterproblematik im 19. Jahrhundert - und darüber hinaus - in unmittelbarem Zusammenhang stehen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Der unaussprechliche Mensch
- 2. Kleist und kein Platz in der Welt
- 2.1 1801 1803 Halbtausend hintereinander folgende Tage
- 2.2 1804 1807
- 2.3 1808
- 3. „Die Hermannsschlacht\" - die Ordnung der Dinge
- 4. Das ist geschehen. Laß sein.
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit widmet sich der Analyse der Geschlechterproblematik in Heinrich von Kleists Drama „Die Hermannsschlacht“ im Kontext der nationalen Mythen und Symbole des 19. Jahrhunderts.
- Kleists kulturpessimistische Sicht auf die Entwicklung der Gesellschaft
- Die Rolle von Gewalt und Brutalität in der Transformation von Ordnungen
- Der Nationalismus als Instrument der Macht und Ideologie
- Die Bedeutung von Geschlechterrollen und -beziehungen in Kleists Werk
- Die semantische Analyse von Kleists Begriff von Nation, Volk und Nationalgeist
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beleuchtet Kleists Biografie und seine Lebensumstände, insbesondere im Zeitraum von 1801 bis 1808/09. Dieser Abschnitt bietet einen kontextuellen Rahmen für die Interpretation des Dramas.
Das zweite Kapitel widmet sich dem Inhalt der „Hermannsschlacht“ und analysiert Kleists Darstellung von Nation, Volk und Nationalgeist. Die Analyse der Semantik dieser Begriffe im Werk ermöglicht eine vertiefte Betrachtung der Beziehungen zwischen Mann und Frau im Drama.
Schlüsselwörter
Heinrich von Kleist, "Die Hermannsschlacht", Nationalismus, Kulturpessimismus, Geschlechterrollen, Gewalt, Ordnungstransformation, Brutalität, „unaussprechlicher Mensch“, „Gemeinschafts-Geist“, "politisch funktionale Barbarei", Zivilisationsabbau.
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielt die Geschlechterproblematik in Kleists 'Die Hermannsschlacht'?
Die Arbeit analysiert, wie Kleist das Scheitern von Frauenfiguren im Kontext von Gewalt, Nation und Macht darstellt, wobei das Private oft der brutalen Logik der Nation geopfert wird.
Was versteht Kleist unter dem Begriff 'Volksgemeinschaft'?
Kleist nutzt semantische Konzepte wie den "Gemeinschafts-Geist", um eine nationale Identität zu konstruieren, die oft durch "politisch funktionale Barbarei" gegen äußere Feinde verteidigt wird.
Wie wird Gewalt im Drama interpretiert?
Gewalt wird als notwendiges Instrument zur Transformation von Ordnungen und zur Durchsetzung nationaler Interessen dargestellt, was Kleists kulturpessimistische Sicht auf die Zivilisation widerspiegelt.
In welchem biografischen Kontext entstand 'Die Hermannsschlacht'?
Das Werk entstand in einer Zeit (1808), in der Kleist unter dem Eindruck der napoleonischen Kriege einen starken Nationalismus entwickelte und nach einem Platz in einer sich wandelnden Welt suchte.
Was bedeutet der Begriff 'Lust am Untergang' in dieser Arbeit?
Er bezieht sich auf die ästhetische und ideologische Verarbeitung von Zerstörung und dem Scheitern des Individuums im Dienst einer übergeordneten nationalen Idee.
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- Michael Bolz (Author), 2013, Lust am Untergang. Zur Geschlechterproblematik in Heinrich von Kleists “Die Hermannsschlacht”, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274781