Die heutige, moderne Gesellschaft ist eine Organisationsgesellschaft. Organisationen sind für die in ihnen lebenden Menschen allgegenwärtig. In ihnen werden die Menschen geboren, erzogen, ihre Freizeit verbringen, arbeiten und sterben. Wir verbringen also unser gesamtes Leben in Organisationen unterschiedlichster Art.
Als Organisationen werden im allgemeinen Sprachgebrauch Zusammenschlüsse von Personen verstanden, die dazu dienen, die gemeinsamen Interessen ihrer Mitglieder durchzusetzen. In diesem Sinne werden vor allem Parteien, Gewerkschaften und Unternehmungen als Organisationen bezeichnet. Diese werden gegründet, wenn die Durchsetzung der Interessen durch einen einzelnen Akteur nur geringe Chancen hätte. Daher werden Organisationen auch als korporative Akteure bezeichnet.
Schulen werden aus diesen Gründen in allgemeinen Sprachgebrauch nicht als Organisationen verstanden; ihnen wird eher der Status einer Einrichtung des öffentlichen Rechts verliehen. Die Tatsache aber, dass Schulen Organisationen sind, ist in den Sozialwissenschaften unstrittig. Den Schulen kann sogar im Hinblick auf ihre Organisationsstrukturen der Status einer spezifisch bürokratischen Organisation (nach Max Weber) verliehen werden. Ziel dieser Hausklausur soll es nun sein, darzulegen, warum Schulen im sozialwissenschaftlichen Kontext als Organisationen bezeichnet werden, ja sogar als Idealtypus der Weber`schen Bürokratie.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Was ist eine Organisation?
3. Ziele und Leistungen von Schulen
4. Mitglieder und Strukturen von Schulen
5. Organisationsumwelt der Schulen
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Schulen aus der sozialwissenschaftlichen Perspektive und analysiert, warum diese als formale Organisationen, insbesondere als Idealtypus der bürokratischen Organisation nach Max Weber, zu verstehen sind.
- Definition und Kennzeichen von Organisationen
- Zweckbestimmung, Wissensvermittlung und öffentliche Leistungen von Schulen
- Interne Strukturierung, arbeitsteilige Prozesse und Rollenerwartungen
- Bürokratische Merkmale, Kontrollmechanismen und formale Organisationsvorgaben
- Die Komplexität der Organisationsumwelt und der Stakeholder-Beziehungen
Auszug aus dem Buch
Mitglieder und Strukturen von Schulen
Ein weiteres Merkmal von Organisationen ist mithin die arbeitsteilige Gliederung: „Schulen trennen lernende, lehrende, administrative und leitende Aufgaben und verteilen sie auf verschiedene Akteursgruppen.“
In Schulen treffen somit verschiedene Akteursgruppen von Organisationsmitgliedern aufeinander, die „an der Erstellung der Organisationsleistung aktiv oder passiv“ beteiligt sind: die in Klassen aufgeteilte Schülerschaft, die sich nach Fachrichtungen oder Klassenstufen unterscheidenden Lehrer unter der Leitung eines Schulleiters, das Verwaltungspersonal und der Hausmeister. Diese interne Differenzierung ergibt sich zwangsläufig aus den Zielen der Organisation Schule. An die einzelnen Akteure werden bestimmte Rollenerwartungen gestellt, jedoch können die verschiedenen Organisationsmitglieder an bestimmte Stellen unterschiedliche Erwartungen stellen.
Lernende Akteure sind die Schüler, um deretwillen die Organisation Schule gegründet wurde, um ihnen Wissen zu vermitteln. Sie sind somit die passiven Mitglieder der Organisation Schule, da sie die Empfänger der Organisationsleistungen sind. Ihre Aufgabe ist es, am Unterricht teilzunehmen und sich in die Organisation einzufügen. Lehrende Akteure ist der gesamte Lehrkörper der Schule. Den Lehrern obliegt die Erfüllung der Unterrichtspflicht. Sie sind somit aktiv an der Leistungserstellung beteiligt, das heißt, sie versuchen, den Schülern den Inhalt des jeweiligen Schulfaches nahe zu bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einführung in die Organisationsgesellschaft und die zentrale These, dass Schulen als spezifisch bürokratische Organisationen zu betrachten sind.
Was ist eine Organisation?: Darstellung der soziologischen Definition von Organisationen anhand von Kriterien wie arbeitsteilige Gliederung, Zweckverfolgung und formale Verfassung.
Ziele und Leistungen von Schulen: Analyse der Schule als Wissensvermittler und Bereitsteller des Kollektivgutes Bildung sowie die Diversifikation der Ziele.
Mitglieder und Strukturen von Schulen: Untersuchung der internen Differenzierung in lernende und lehrende Akteure sowie der notwendigen Koordination und Kontrolle durch eine Schulleitung.
Organisationsumwelt der Schulen: Betrachtung der komplexen Umweltfaktoren, der Unterorganisationen und der übergeordneten Rolle von Kultusministerien und Schulaufsichtsbehörden.
Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die den Status von Schulen als bürokratische Organisationen unter Verwendung Weberscher Merkmale bestätigt.
Schlüsselwörter
Organisation, Schule, Bürokratie, Max Weber, Organisationssoziologie, Wissensvermittlung, Kollektivgut, Arbeitsteilung, Organisationsstruktur, Amtshierarchie, Schulleitung, Bildungsauftrag, Stakeholder, Schulverwaltung, formale Verfassung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Schulen aus der Perspektive der Organisationssoziologie, um zu belegen, dass Schulen trotz ihres Status als öffentliche Einrichtung als formale Organisationen fungieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung umfasst die Zweckbestimmung von Schulen, ihre interne Strukturierung, die bürokratischen Organisationsmerkmale nach Max Weber sowie die Einbettung der Schule in ein komplexes Umfeld aus Stakeholdern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, theoretisch darzulegen, warum Schulen im sozialwissenschaftlichen Sinne Organisationen sind und warum sie den Idealtypus einer bürokratischen Organisation darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer Definitionen (u.a. nach Büschges, Abraham und Weber) und wendet diese deduktiv auf das System Schule an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Organisationen, die Herleitung der schulischen Ziele, die Beschreibung der internen Mitgliederrollen und Hierarchien sowie die Einordnung der Organisation in ihre spezifische Umwelt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind hierbei Organisation, Bürokratie, Arbeitsteilung, Amtshierarchie und Kollektivgut.
Inwiefern beeinflusst die "Amtshierarchie" den Schulalltag?
Die Amtshierarchie sorgt für eine klare Kompetenzverteilung zwischen der Schulleitung und den Lehrern, die zur Sicherstellung eines reibungslosen Unterrichtsablaufs zwingend erforderlich ist.
Warum werden Schulen als "non-profit-Organisationen" eingestuft?
Da Schulen keine Gewinnabsichten verfolgen, sondern einen Bildungsauftrag erfüllen und durch staatliche Mittel finanziert werden, sind sie nicht mit gewinnorientierten Unternehmen gleichzusetzen.
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- Marc Landherr (Author), 2000, Die Organisation Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2708