Nach intensiver Auseinandersetzung mit der Frage, wie man sich in der Gegenwart von Magersüchtigen korrekt verhalten sollte, gelangt man schnell zu der Überzeugung, dass sich viele Menschen in keinster Weise über die Problematik dieser Krankheit bewusst sind und somit großer Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung besteht.
In dieser Arbeit ist zunächst definiert, was Anorexia Nervosa eigentlich ist. Spezielle Formen, Ursachen, Erkennungsmerkmale, Behandlungsprogramme und Folgen der Krankheit werden ausführlich, mit selbst erstellten Grafiken, aufgelistet.
Um zunächst bestätigen zu können, dass Aufklärungsbedarf in der Gesellschaft besteht wurde eine Umfrage zu den Erfahrungen betroffener Angehöriger und dem allgemeinen Wissensstand im Umgang mit der Magersucht und deren tödlichen Folgen durchgeführt. Diese Umfrage, die in Anlehnung an die Methode einer empirischen Sozialforschung durchgeführt wurde, bestätigte die oben aufgeführte These. Demzufolge kann die Notwendigkeit einer weiterführenden Arbeit und der vorgesehenen Entwicklung eines Informationsflyers zu diesem Sachverhalt eindeutig bestätigt werden.
Der im Rahmen dieser Arbeit entwickelte Informationsflyer soll insbesondere die Angehörigen der Betroffenen informieren, über das Krankheitsbild der Magersucht aufklären sowie eine angemessene Hilfeleistung im Bedarfsfall ermöglichen. Für die Ermittlung des Inhalts des Flyers wurden Interviews mit an Magersucht erkrankten Personen durchgeführt, welche auf persönliche Definitionen der Krankheit sowie auf die aus ihrer Sicht wünschenswerten Reaktionen ihrer Angehörigen abzielten.
Inhaltsverzeichnis
1 Kurzfassung
2 Eigene Erfahrungen als Grundlage unserer Arbeitsweise
3 Was versteht man unter Anorexia Nervosa?
3.1 Einordnung der Magersucht
3.2 Spezielle Formen der Anorexia Nervosa
3.3 Ursachen
3.3.1 Einflussfaktoren für die Entwicklung der Magersucht
3.3.2 Die gesellschaftlichen Einflüsse
3.3.3 Psychologische Einflüsse
3.3.4 Biologische Einflüsse
3.4 Folgen
3.5 Erkennungsmerkmale
3.6 Behandlung der Anorexia Nervosa
4 Ermittlung des Flyerinhalts
4.1 Der Umgang mit Magersucht im Alltag - Umfrage
4.1.1 Vorgehensweise
4.1.2 Aufbau/Methode der Umfrage
4.1.3 Auswertung
4.2 Interviews mit Magersüchtigen
4.2.1 Entwicklung der Interviewmethode
4.2.2 Die einzelnen Interviews
4.2.2 Verwertbare Aussagen
5 Erstellen des Flyers
5.1 Konzept
5.2 Erklärung und Interpretation der einzelnen Flyerseiten
5.3 Herausforderungen und Erfahrungen durch die visuelle Arbeit
6 Kritische Auseinandersetzung mit den erarbeiteteten Ergebnissen und Zukunftsperspektiven
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Hauptziel, über die Krankheit Anorexia Nervosa aufzuklären und eine Hilfestellung für Angehörige zu entwickeln, um diesen einen angemessenen Umgang mit betroffenen Personen zu ermöglichen und das Thema zu enttabuisieren.
- Krankheitsbild, Ursachen und psychologische sowie biologische Hintergründe der Anorexia Nervosa
- Körperliche und seelische Folgen sowie Erkennungsmerkmale der Magersucht im Alltag
- Durchführung einer empirischen Straßenumfrage zur Ermittlung des gesellschaftlichen Wissensstandes
- Analyse von Experten- und Betroffeneninterviews zur Gewinnung authentischer Einblicke
- Visuelle Konzeptentwicklung und Gestaltung eines Informationsflyers als Aufklärungsmaterial
Auszug aus dem Buch
Die gesellschaftlichen Einflüsse
Waren z.B. zu Zeiten des Barock noch runde weibliche Formen angesagt, so richtet sich das Schönheitsempfinden in unserer Gesellschaft, insbesondere seit Anfang der 1960er Jahre, immer mehr auf einen sehr schlanken Körper. Häufig wird die Magersucht daher als eine Modeerscheinung bezeichnet, basierend auf einem Schlankheitswahn, von dem die Menschen besessen sind.
Eine schlanke Figur wird mit der „Blütezeit unseres Lebens“, Schönheit und Erfolg assoziiert. Außerdem verspricht sie eine ausdauernde, attraktive, gesunde und dynamische Ausstrahlung. Schlankheit verkörpert Leistung und Qualität. Täglich werden wir unbewusst in den Medien, wie durch das Fernsehen, Zeitschriften und in der Mode darauf aufmerksam gemacht: Dünne Menschen sind selbstbewusst, zielstrebig und beliebt, während molligere Menschen nicht selten die Rolle des „Tollpatsches“, der Witzfigur oder der unbeliebten „grauen Maus“ zugeschrieben bekommen. Menschen mit idealer Körperfigur scheinen ein einfaches, unkompliziertes Leben führen zu können, während es dicken Menschen in der Gesellschaft oft sehr schwer gemacht wird. Erfolgreiche Schauspielerinnen, Models oder Prominente stellen Beispiele dar.
Ein weiteres, allseits bekanntes Beispiel ist die TV-Sendung „DSDS“ (Deutschland sucht den Superstar): Die Jury sucht die beste Stimme, gibt aber „dicken“ Menschen keine Chance, da sie nicht dem Erscheinungsbild eines Popstars entsprechen. Somit werden sie als Individuen abgewertet, nur noch „schöne und schlanke“ Sänger, Models oder Schauspieler haben Chancen auf dem Markt und dürfen „Vorbilder“ darstellen.
Gerade zu Beginn der Pubertät verändert sich bekanntlich der Körper junger Frauen, die Menstruation tritt ein, die Brust wächst, um nur einige Veränderungen zu nennen. Jugendliche können durch diese Schlankheitsideale schnell verunsichert werden, denn sie haben noch kein Gefühl für ihren „neuen“ Körper entwickelt. Noch wissen sie nicht wie er wirkt und das unwohle Gefühl „unattraktiv“ zu sein tritt vermehrt auf. Dies vermindert ihr Selbstwertgefühl und der Schritt zur Essstörung und somit Einflussnahme auf den Körper liegt nahe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Kurzfassung: Diese Einführung erläutert die Motivation für die Arbeit, das Vorgehen bei der Datenerhebung durch Umfragen und Interviews sowie die Zielsetzung zur Erstellung eines Informationsflyers.
2 Eigene Erfahrungen als Grundlage unserer Arbeitsweise: Die Verfasser reflektieren persönliche Erlebnisse aus ihrem Umfeld, die den Anstoß für die Auseinandersetzung mit der Problematik der Magersucht und der Rolle von Angehörigen gaben.
3 Was versteht man unter Anorexia Nervosa?: Dieses Kapitel definiert die Krankheit, ihre verschiedenen Formen, Ursachen sowie Folgen und stellt gängige Erkennungsmerkmale und Behandlungsmöglichkeiten dar.
4 Ermittlung des Flyerinhalts: Hier werden das methodische Vorgehen bei der empirischen Umfrage im öffentlichen Raum sowie die gewonnenen Erkenntnisse aus Interviews mit Betroffenen detailliert analysiert.
5 Erstellen des Flyers: Der Abschnitt beschreibt das inhaltliche und visuelle Konzept des Informationsflyers, die Bedeutung der gewählten Gestaltungselemente und die praktische Umsetzung.
6 Kritische Auseinandersetzung mit den erarbeiteteten Ergebnissen und Zukunftsperspektiven: Die Verfasser evaluieren ihr Projekt, reflektieren die Herausforderungen im Arbeitsprozess und diskutieren die erzielten Resultate sowie die gesellschaftliche Relevanz der Aufklärung.
Schlüsselwörter
Anorexia Nervosa, Magersucht, Essstörung, Angehörige, Aufklärung, Informationsflyer, Prävention, Körperbild, Schlankheitswahn, Psychologie, Ernährung, Therapie, Jugendliche, empirische Sozialforschung, Interviews
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Essstörung Anorexia Nervosa und insbesondere mit der Frage, wie Angehörige Magersüchtige unterstützen können, ohne hilflos zu agieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die medizinischen und psychologischen Grundlagen der Magersucht, die Auswirkungen gesellschaftlicher Schönheitsideale, sowie die methodische Entwicklung eines Informationsflyers basierend auf Umfragen und Interviews.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch die Analyse von Ursachen und Verhaltensweisen einen Flyer zu erstellen, der das Thema enttabuisiert und Angehörigen konkrete Handlungsoptionen an die Hand gibt.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?
Die Autorinnen nutzten eine Kombination aus Literaturrecherche, einer empirischen Straßenumfrage in Koblenz sowie qualitative Interviews mit betroffenen Mädchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Anorexia Nervosa, die Auswertung der empirischen Daten zur Wahrnehmung der Krankheit im Alltag und die detaillierte Darstellung des Gestaltungsprozesses des Flyers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Anorexia Nervosa, Magersucht, Angehörigenhilfe, Aufklärung, Essstörung, Prävention und Body Mass Index (BMI).
Warum wurde eine Umfrage im öffentlichen Raum durchgeführt?
Die Verfasser wollten einen objektiven Einblick in den Wissensstand der breiten Bevölkerung erhalten und prüfen, ob die Hilflosigkeit im Umgang mit Magersüchtigen tatsächlich so groß ist, wie vermutet.
Wie wurden die betroffenen Mädchen für die Interviews ausgewählt?
Es wurden sechs magersüchtige Mädchen befragt, wobei die Methoden variierten (persönliches Gespräch, Telefonat und E-Mail), um den Probandinnen verschiedene Möglichkeiten zur Äußerung zu geben und Vertrauen zu ermöglichen.
- Quote paper
- Lena Groß (Author), 2009, ISS O ISS! Eine Hilfestellung für Angehörige zum angemessenen Umgang mit Anorexia Nervosa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269481