Die Frage und das Bedürfnis nach einer allumfassenden und begründeten Handlungsorientierung ist so alt wie die Menschheit selbst. So suchte sich der Mensch bis heute auf verschiedene Art und Weisen Antworten. Unter anderem wurden metaphysische Erklärungsmodelle zu Rate gezogen, die in der Mehrzahl eine Orientierung an allgemeingültigen und objektiven Werten beispielsweise auf der Basis von Offenbarungswahrheiten vorgaben. Wenn sich diese Herangehensweise im Privaten vielleicht häufig bewährt hat, musste jedoch früh erkannt werden, dass im Falle von globalen ethischen Problemstellungen diese aber keine zufriedenstellenden Lösungen mehr boten, da komplexe Sachverhalte auf dieser Basis nicht adäquat gelöst werden konnten. Da die Naturwissenschaften zunehmend auch im Bereich der Medizin erfolgreich neue Methoden zur Anwendung brachten und somit neue Handlungsmöglichkeiten eröffneten, mussten auch zwangsläufig die Grundlagen einiger Gebiete und dazugehörige Handlungsoptionen neu überdacht werden.1 In dieser Arbeit geht es um das Thema der Kindstötung, im Speziellen um den Schwangerschaftsabbruch im embryonalen Stadium und die Tötung schwerbehinderter Neugeborener im Kontext von Peter Singers Praktischer Ethik. Die zentrale Frage, die beantwortet werden soll lautet: „Ist Peter Singers Moralkonzeption und die daraus abgeleiteten Implikationen der ethisch gerechtfertigten Kindstötung im embryonalen Stadium und der Tötung von schwerbehinderten Neugeborenen philosophisch begründet und ohne Probleme vertretbar?“ Zur Klärung dieser Frage soll zunächst eine Grundlagenskizzierung der wichtigsten Annahmen Peter Singers erfolgen, um im Späteren zu zeigen wie Singer sein Prinzip der gleichen Interessenabwägung entfaltet. In Kapitel 1 wird Singers spezielle utilitaristische Moralauffassung dargestellt und gezeigt, wie er weiter seinen Personenbegriff definiert.
Inhaltsverzeichnis
- Theoretische Grundlagen Singers
- Singers präferenzutilitaristische Grundposition
- Der Personenbegriff und Einteilung von Leben
- Peter Singers Prinzip der gleichen Interessenabwägung und Implikationen
- Fazit und Kritik
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem Thema der Kindstötung, insbesondere mit dem Schwangerschaftsabbruch im embryonalen Stadium und der Tötung schwerbehinderter Neugeborener, im Kontext von Peter Singers Praktischer Ethik. Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob Singers Moralkonzeption und die daraus abgeleiteten Implikationen zur ethisch gerechtfertigten Kindstötung philosophisch begründet und ohne Probleme vertretbar sind.
- Die präferenzutilitaristische Grundposition Peter Singers
- Der Personenbegriff und die Einteilung von Leben in Singers Ethik
- Singers Prinzip der gleichen Interessenabwägung
- Die Implikationen von Singers Prinzip für das Thema der Kindstötung
- Kritik an Singers Moralkonzeption
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 stellt Singers spezielle utilitaristische Moralauffassung dar und zeigt, wie er seinen Personenbegriff definiert. Es wird gezeigt, dass Singer eine Form des Utilitarismus vertritt, die nicht mehr hedonistische Ziele anstrebt, sondern die Berücksichtigung von gleichen Interessen, unabhängig von der Art des Lebens, das diese Interessen aufweist.
Kapitel 2 erläutert Singers Prinzip der gleichen Interessenabwägung. Es wird ausführlich dargestellt, welche Implikationen sich aus diesem Prinzip für das umstrittene Thema der Kindstötung ergeben.
Schlüsselwörter
Präferenzutilitarismus, Personenbegriff, Interessenabwägung, Kindstötung, Schwangerschaftsabbruch, Tötung schwerbehinderter Neugeborener, Bioethik, Moralkonzeption.
- Citation du texte
- Daniel Jacobs (Auteur), 2013, Das Problem der Kindstötung im Kontext von Peter Singers "Praktische Ethik", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262191