In den letzten Jahren wurden die Erkenntnisse der Neurowissenschaften immer bedeutsamer für die betriebswirtschaftliche Marktforschung. Während die Vorstellung den Menschen durch fachpsychologisch geleitete Werbung unbewusst zu steuern in den 1950 er Jahren noch einen Skandal hervorrief, wird dies heute als Grundvoraussetzung eines erfolgreichen Marketings gesehen,
denn für die Markt-, Konsum- und Trendforschung wird es aufgrund der sich ständig ändernden Lebens- und Gesellungsverhältnissen immer schwieriger generalisierbaren Aussagen und Zusammenhängern zu Kundengruppen zu treffen.
Hinzu kommt die scheinbar begrenzte Verarbeitungskapazität des Konsumenten, der sich zugleich der Informationsflut der Werbebranche gegenüber sieht. Der Neuroökonomie kommt in dieser Situation eine bedeutende Rolle zu, denn sie gibt Aufschluss über das Entscheidungsverhalten der Konsumenten, in dem sie
durch die Beobachtung von Hirnaktivitäten wichtige Erkenntnisse ableitet und die theoretische Blackbox des Gehirns öffnet. Schon lange vermu-
tet, aber durch die Neurowissenschaften nun scheinbar endlich empirisch bewiesen, scheint hierbei die Feststellung, dass neben der Kognition auch Emotionen im Entscheidungsprozess eine bedeutsame Rolle zukommt.Wendet man die Hirnforschung also auf wirtschaftstheoretische Fragen an, kommt man zur Erkenntnis, dass diese revolutionierend auf die bisher vorherrschende Theorie des Homo Oeconomicus wirken und somit unweigerlich zum Paradigmenwechsel führen muss.
Im Verlauf dieser Arbeit wird zunächst der Begriff des Homo Oeconomicus definiert, Kritik am Model diskutiert und auf die sich daraus ergeben Heuristiken eingegangen. Anschließend werden die Neurowissenschaft und ihre Methoden, sowie ihre Möglichkeiten für die Wirtschaft im Rahmen des Neuromarketings und der Neurofinance vorgestellt. Dem Ganzen folgt eine Gegenüberstellung mit dem kritisch betrachteten Bild des Homo Oeconomicus und den sich daraus ergebenden Heuristiken. Es wird darauf eingegangen
werden in wie weit die Neuroökonomie die angeführten Kritiken zum einen durch empirische Beweise untermauern kann, aber auch gleichzeitig die Möglichkeit bietet das Verhalten der Wirtschaftssakteure zu erklären. Im letzten Teil dieser Arbeit werden ethischen Fragestellungen zur Neuroökonomie diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Homo Oeconomicus
2.1.1 Heuristik des Homo Oeconomicus
2.1.2 Weitere Kritik des Homo Oeconomicus
2.2 Neuroökonomie
3 Die Möglichkeiten der Neuroökonomie
3.1 Neuromarketing
3.2 Neurofinance
4 Die Heuristik des Homo Oeconomicus und die Revolution der Neuroökonomie
5 Allgemeine ethische Fragen zur Neuroökonomie
6 Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was ist der 'Homo Oeconomicus'?
Es ist ein theoretisches Modell des Menschen als rein rational handelnder Akteur, der stets seinen eigenen Nutzen maximiert und über perfekte Informationen verfügt.
Warum kritisiert die Neuroökonomie dieses Modell?
Hirnforschungen zeigen, dass menschliche Entscheidungen massiv von Emotionen und unbewussten Prozessen beeinflusst werden, statt nur von reiner Kognition.
Was versteht man unter Neuromarketing?
Neuromarketing nutzt Erkenntnisse der Hirnforschung, um Werbebotschaften so zu gestalten, dass sie emotionale Reaktionen im Gehirn auslösen und das Kaufverhalten beeinflussen.
Welche Rolle spielen Heuristiken bei wirtschaftlichen Entscheidungen?
Heuristiken sind mentale Abkürzungen oder Faustregeln, die Menschen nutzen, um trotz Informationsflut schnell Entscheidungen zu treffen, auch wenn diese nicht immer rational sind.
Gibt es ethische Bedenken bei der Neuroökonomie?
Ja, es wird kritisiert, dass Unternehmen versuchen könnten, Konsumenten durch die "Öffnung der Blackbox Gehirn" unbewusst zu steuern und deren freien Willen zu umgehen.
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- Jana Bäcker (Autor), 2013, Neuroökonomik und die Heuristik des Homo Oeconomicus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233140