Wenn gemeinhin an die Zeit des Mittelalters erinnert wird, ersteht vor unserem geistigen Auge eine Bühne von stolzen Burgen und Kaiserpfalzen, Kathedralen und Klöstern, Märkten und Städten, auf der sich Edle und Ritter, Bischöfe und Mönche, wohlhabende Handwerker und reiche Händler bewegen. Populärwissenschaftliche Bücher über das Mittelalter tragen Titel wie „Mönche, Krieger, Lehensmänner – Spätantike und frühes Mittelalter“, „Blüte des Mittelalters – Die Welt der Ritter und der Mönche“ oder „Kaiser, Ritter und Scholaren – Hohes und spätes Mittelalter“. Ausgeblendet wird dabei zum einen, dass an die neunzig Prozent der mittelalterlichen Bevölkerung im landwirtschaftlichen Bereich als meist abhängige Bauern eine bescheidene und ärmliche Existenz fristeten, zum anderen, dass es auf dem Lande, aber vor allem in der Stadt eine Unterschicht gab, die zum großen Teil von der Teilnahme am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben mehr oder weniger ausgeschlossen und der Diskriminierung preisgegeben war: die sozialen Randgruppen. Um den Begriff soziale Randgruppe in der mittelalterlichen Gesellschaft besser fassen zu können, wird der Aufbau der mittelalterlichen Gesellschaft hier kurz dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Entstehung des Berufes des Henkers
- Unehrliche Berufe
- Aufgaben und Pflichten
- Bezahlung
- Strafvollzug
- Das Enthaupten
- Das Hängen
- Das Vierteilen
- Das Lebendigbegraben
- Das Verbrennen
- Die gesellschaftliche Stellung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Ausarbeitung befasst sich mit der sozialen Randgruppe der Henker im 15. Jahrhundert. Sie untersucht, wie diese Gruppe von der Gesellschaft ausgeschlossen und gemieden wurde, gleichzeitig aber für die Rechtsprechung in Städten unerlässlich war. Der Fokus liegt auf der Entstehung des Berufes, den Aufgaben und Pflichten des Henkers, seiner Bezahlung, den verschiedenen Strafvollzugsformen und der sozialen Stellung dieser Randgruppe.
- Entstehung und Entwicklung des Scharfrichterberufs im Mittelalter
- Aufgaben und Pflichten des Henkers: Hinrichtungen, Folter, weitere Tätigkeiten
- Bezahlung und soziale Absicherung des Henkers
- Unterschiedliche Strafvollzugsformen und ihre Bedeutung
- Soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung der Henker durch die Gesellschaft
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung führt in das Thema der sozialen Randgruppen im Mittelalter ein und erläutert die gesellschaftliche Hierarchie der Zeit. Sie stellt den Beruf des Henkers als spezifisches Beispiel für diese Randgruppe vor.
- Das zweite Kapitel beleuchtet die Entstehung des Henkerberufes und seinen Wandel in der Wahrnehmung der Gesellschaft. Es untersucht die Stigmatisierung des Berufs im Laufe der Zeit und die Rolle der Kirche.
- Kapitel drei behandelt den Begriff der „Unehrlichen Berufe“ und erläutert die soziale und rechtliche Bedeutung dieser Kategorie. Es zeigt auf, wie Henker aufgrund ihrer Berufsgruppe von der übrigen Bevölkerung ausgeschlossen und diskriminiert wurden.
- Kapitel vier beschreibt die verschiedenen Aufgaben und Pflichten des Henkers. Es geht dabei sowohl auf die Hinrichtung und Folter als auch auf weitere Tätigkeiten wie Kloakenreinigung, Abdecker- und Hundeschlägertätigkeiten ein. Außerdem beleuchtet es die medizinischen Kenntnisse des Henkers und seine Rolle in der Heilung von Wunden.
- Kapitel fünf befasst sich mit der Bezahlung des Scharfrichters. Es stellt die verschiedenen Einkommensquellen und die Höhe der Bezahlung in der österreichischen Region Vorarlberg dar. Die Bezahlung schwankte stark je nach konjunktureller Lage der Strafjustiz und der Anzahl der Hinrichtungen. Das Kapitel verdeutlicht die geringe Wertschätzung des Henkers durch die Gesellschaft.
- Kapitel sechs widmet sich dem Strafvollzug. Es beschreibt die unterschiedlichen Hinrichtungsformen des Mittelalters und die enge Beziehung zwischen der Art der Hinrichtung und dem bestraften Verbrechen. Es stellt detailliert die Hinrichtungen durch Enthaupten, Hängen, Vierteilen, Lebendigbegraben und Verbrennen dar.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit dem Beruf des Henkers im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit. Sie analysiert die soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung dieser Randgruppe durch die Gesellschaft. Zentrale Themen sind die Unehrlichkeit des Berufs, Aufgaben und Pflichten des Henkers, Strafvollzugsformen und die Bedeutung der gesellschaftlichen Stellung im Mittelalter. Die Arbeit untersucht die Rolle der Kirche und die Einflüsse der damaligen Rechtsprechung.
- Citation du texte
- Niels Mertens (Auteur), 2012, Randgruppen des Mittelalters am Beispiel des Henkers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230727