Die gegenwärtig durch den deutschsprachigen Raum ziehende Wehrmachtausstellung des Hamburger Institutes für Sozialforschung machte in diesem Frühjahr in Dresden Station. Bereits an den bisherigen Ausstellungsorten zeigte sich, dass das Thema der Judenvernichtung während des Zweiten Weltkrieges und dabei speziell die Beteiligung der Wehrmacht nach wie vor von hoher Brisanz ist. Entsprechende Besucherzahlen, kontroverse Diskussionen und Demonstrationen im Umfeld der Ausstellung belegen dies. Auch in Dresden war eine beachtliche Resonanz zu verzeichnen. Die Dresdner besuchten die Wehrmachtausstellung weitaus zahlreicher, als von den Organisatoren erwartet. Eine über einhundert Meter lange Warteschlange vor dem Gebäude der Technischen Sammlungen war keine Seltenheit. Dieses große Interesse war nicht zwingend zu erwarten insbesondere deswegen, da in der DDR die Beteiligung der Wehrmacht bei der Judenvernichtung bereits in den Schulbüchern nachzulesen, also allgemein bekannt war und kaum angezweifelt wurde . Dass das Thema jedoch auch hier differenziert betrachtet wird, beweist z.B. die zurückhaltende Herangehensweise der Stadt bei der Zuweisung der Räumlichkeiten für die Ausstellung ebenso wie die Verweigerung einer Stellungnahme, die Presseleute vom Oberbürgermeister der Stadt zur Ausstellung in deren Vorfeld erbaten. Auch in der Ausstellung selbst, in einem eigens dafür eingerichteten Diskussionsraum sowie in den parallel stattfindenden Foren in anderen Räumlichkeiten der Stadt wurde teilweise heftig über das Thema debattiert.
In der Frage, wer wie bei dem grässlichen Völkermord an den Juden während des Zweiten Weltkrieges beteiligt war, herrscht offenbar auch nach über 50 Jahren in dem Volk, aus dem der Plan und die Mörder kamen, noch keine Klarheit. Verdrängung, Verharmlosung, Verleugnung, ungenaue und tendenziöse Nachforschungen bestimmen das Bild zu einem beträchtlichen Teil. Demgegenüber gibt es aber auch Eingestehen von Schuld und Mitschuld, den Willen zur Aufarbeitung und Wiedergutmachung (sofern dies überhaupt möglich ist) und Bestrebungen, die Wahrheit ohne wenn und aber herauszufinden und öffentlich zu machen.
Inhalt
1. Einleitung
2. Der Plan der Judenvernichtung/Der Befehl
3. Die Rolle der Einsatzgruppen
3.1. ... während des Überfalls auf Polen
3.2. ...während des Rußlandfeldzuges
3.2.1. Die Organisation
3.2.2. Die Durchführung
4. Die Wehrmacht
4.1. Die Rolle der Wehrmacht
4.1.1. Die Wehrmacht schaute zu
4.1.2. Die Wehrmacht unterstützte
4.1.3. Eigenständige Aktionen und direkte Beteiligung
5. Schlußbetrachtung
6. Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielte die Wehrmacht bei der Judenvernichtung?
Die Wehrmacht war weit über das bloße „Zuschauen“ hinaus beteiligt; sie unterstützte die Einsatzgruppen logistisch und war teils direkt an Aktionen beteiligt.
Was waren die Aufgaben der Einsatzgruppen?
Die Einsatzgruppen waren mobile Tötungseinheiten der SS, die hinter der Frontlinie die systematische Ermordung von Juden und anderen Gruppen durchführten.
Warum löste die Wehrmachtausstellung so kontroverse Debatten aus?
Sie zerstörte den Mythos der „sauberen Wehrmacht“ und belegte die Verstrickung regulärer Soldaten in Kriegsverbrechen und den Holocaust.
Gab es Unterschiede in der Aufarbeitung zwischen Ost- und Westdeutschland?
In der DDR wurde die Mitschuld der Wehrmacht oft früher in Schulbüchern thematisiert, während im Westen lange Zeit eine stärkere Verdrängung stattfand.
Wie war die Beteiligung der Einsatzgruppen in Polen und Russland?
In Polen begannen die ersten Massenmorde, während der Russlandfeldzug eine Eskalation zur systematischen Vernichtung markierte.
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- M.A. Soziologie Rene Stauß (Author), 1998, Judenvernichtung. Die Bedeutung der Wehrmacht und der Einsatzgruppen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213916