Gemälde, Fotografien, Bücher, Fernsehbilder, Filme, Briefe, Schallplatten
und Tonbänder zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Einzelnen mit
etwas Unberührbaren, Entfernten, Vertrauten oder gänzlich Unvorstellbaren
in Kontakt bringen, um im selben Moment jedoch zu gewährleisten,
dass dieses auf Distanz bleibt. Diese Medien sind allesamt real-materielle
Vermittlungsinstrumente von Informationen und zählen zum Forschungsspektrum
kulturwissenschaftlicher Disziplinen. So wie diese vermag auch
das Display das Fremde, Vertraute und Entfernte ästhetisch zu domestizieren.
Im Gegensatz zu der ausschließlich konsumierbaren Form erstgenannter
Medien, können die im Display auftauchenden Inhalte (weitgehend)
frei generiert, verändert und gewissermaßen partizipativ erschlossen
werden. Der digitale Medienumbruch und die damit einhergehenden neuen
Technologien und Wahrnehmungsweisen zeichnen sich nicht nur durch
neue Interaktionsformen im Umgang mit computerisierten Umwelten aus,
sondern auch durch ein Diskursparadigma, wonach Realität infolge dieser
Techniken selbst zur Disposition steht. Als oft genannte Gründe hierfür
müssen die weltweite Vernetzung und die damit einhergehenden globalen
Kommunikationsmöglichkeiten und Datentransporte sowie die immer ausgefeilteren
grafischen Computeroberflächen angeführt werden.
Ob zwischen netzbasierten Informationsdatenbanken und medialisierten
Kommunikationsstrukturen zwischenmenschliche Verbindlichkeit bzw.
jeglicher sinnlicher Kontakt zu realen Gegebenheiten in einer digitalen
Welterfahrung substituiert wird, soll als übergeordnete Kernfrage verstanden
werden. Als weitgehend unberücksichtigter Untersuchungsgegenstand
soll das Display, die Schnittstelle, an der die digitalen (immateriellen) Informationen
in visuell und auditiv wahrnehmbarer Form erscheinen, betrachtet
werden. Fest in die Alltagspraxen und Wahrnehmungsweisen der
Menschen implementiert sind es diese technischen Anzeigen, die computerisiertes
bzw. maschinelles Verhalten abbilden, um dieses dadurch erst
für einen breiten Anwenderkreis ersichtlich und handhabbar zu machen.
Zwischen Fahrkartenkauf, Wissenschaftsbetrieb, Finanzwesen, Bürokommunikation
und Recherche bieten Displays, als sinnlich wahrnehmbare Oberfläche des Computers, in Sekundenbruchteilen die Antwort bzw.
Rückversicherung der Eingaben.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 / Einleitung
1.1 / Herangehensweise und Aufbau
2 / [Be-] Entschleunigen
3 / Raum und Nicht-Ort
4 / Netzeuphorie und realen Infrastrukturen
4.1 / Modus der (sozialen, technologischen) Verknüpfung
5 / Digitale Technik – Strategien/Taktiken
6 / Display
6.1 / Neue Sichtbarkeit und unablässiges Prozessieren
7 / Mediamorphe Stadt
7.1 / Dematerialisierung von Urbanität oder New Songdo City
8 / Personal Nomadic Mobile Displays - Nomadische Oberflächen
8.1 / Soziale Medien und neue Raummodelle
8.2 / Dazwischengedacht - Update/Exkurs
9 / Der Blick von oben – Geoweb/Geomedien
10 / Urban Screens
11 / Virtual Layers – Das Ende des Cyberspace [Conclusio]
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Transformation von Raum und Stadt unter dem Einfluss der allgegenwärtigen Verfügbarkeit digitaler Displays. Die zentrale Forschungsfrage ist, inwiefern die zunehmende digitale Vernetzung den realen physischen Raum substituiert oder diesen vielmehr als notwendigen Kontext für menschliches Handeln und Orientierung weiter bestehen lässt.
- Die Rolle des Displays als Interface zwischen Mensch und digitaler Maschine.
- Der Wandel von Zeit- und Raumwahrnehmung in einer beschleunigten Informationsgesellschaft.
- Die Verflechtung von digitalen Netzstrukturen mit realen städtischen Infrastrukturen.
- Strategien der Nutzer zur Aneignung und Umgestaltung digitaler Umgebungen.
- Die Relevanz von ortsbasierten Diensten für die räumliche Orientierung und soziale Interaktion.
Auszug aus dem Buch
1 / Einleitung
Gemälde, Fotografien, Bücher, Fernsehbilder, Filme, Briefe, Schallplatten und Tonbänder zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Einzelnen mit etwas Unberührbaren, Entfernten, Vertrauten oder gänzlich Unvorstellbaren in Kontakt bringen, um im selben Moment jedoch zu gewährleisten, dass dieses auf Distanz bleibt. Diese Medien sind allesamt real-materielle Vermittlungsinstrumente von Informationen und zählen zum Forschungsspektrum kulturwissenschaftlicher Disziplinen. So wie diese vermag auch das Display das Fremde, Vertraute und Entfernte ästhetisch zu domestizieren. Im Gegensatz zu der ausschließlich konsumierbaren Form erstgenannter Medien, können die im Display auftauchenden Inhalte (weitgehend) frei generiert, verändert und gewissermaßen partizipativ erschlossen werden. Der digitale Medienumbruch und die damit einhergehenden neuen Technologien und Wahrnehmungsweisen zeichnen sich nicht nur durch neue Interaktionsformen im Umgang mit computerisierten Umwelten aus, sondern auch durch ein Diskursparadigma, wonach Realität infolge dieser Techniken selbst zur Disposition steht.
Ob zwischen netzbasierten Informationsdatenbanken und medialisierten Kommunikationsstrukturen zwischenmenschliche Verbindlichkeit bzw. jeglicher sinnlicher Kontakt zu realen Gegebenheiten in einer digitalen Welterfahrung substituiert wird, soll als übergeordnete Kernfrage verstanden werden. Als weitgehend unberücksichtigter Untersuchungsgegenstand soll das Display, die Schnittstelle, an der die digitalen (immateriellen) Informationen in visuell und auditiv wahrnehmbarer Form erscheinen, betrachtet werden. Fest in die Alltagspraxen und Wahrnehmungsweisen der Menschen implementiert sind es diese technischen Anzeigen, die computerisiertes bzw. maschinelles Verhalten abbilden, um dieses dadurch erst für einen breiten Anwenderkreis ersichtlich und handhabbar zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 / Einleitung: Einführung in die Thematik des digitalen Medienumbruchs und die Rolle des Displays als zentrales, bisher unzureichend untersuchtes Interface.
2 / [Be-] Entschleunigen: Diskussion der dromologischen Medientheorie von Paul Virilio und die Infragestellung der vermeintlichen Zeit- und Raumüberwindung.
3 / Raum und Nicht-Ort: Untersuchung der raumtheoretischen Grundlagen und der Kritik an der Vorstellung vom Verschwinden des physischen Ortes.
4 / Netzeuphorie und realen Infrastrukturen: Auseinandersetzung mit der materiellen Grundlage digitaler Netze und der Dekonstruktion von Mythen über "hierarchiefreie" Räume.
5 / Digitale Technik – Strategien/Taktiken: Analyse der Aneignung digitaler Technik durch den Nutzer im Spannungsfeld zwischen vorgegebenen Systemen und kreativem Handeln.
6 / Display: Vertiefende Untersuchung der materiellen und funktionalen Eigenlogik digitaler Displays als zentrales Instrumentarium der Informationsgesellschaft.
7 / Mediamorphe Stadt: Betrachtung der städtischen Räume als Orte, die zunehmend durch mediale Transformationsprozesse und ubiquitäre digitale Präsenz geprägt sind.
8 / Personal Nomadic Mobile Displays - Nomadische Oberflächen: Analyse mobiler Endgeräte (wie Smartphones) und deren Bedeutung für die organisation alltäglicher Lebensrhythmen.
9 / Der Blick von oben – Geoweb/Geomedien: Untersuchung der Visualisierung des Raumes durch kartografische Software und GPS-Technologien.
10 / Urban Screens: Diskussion über die Bedeutung großflächiger öffentlicher Displays und deren Einwirkung auf das städtische Erscheinungsbild und die soziale Sphäre.
11 / Virtual Layers – Das Ende des Cyberspace [Conclusio]: Zusammenfassende Schlussfolgerung, die den Dualismus von virtueller und realer Welt zugunsten einer erweiterten phänomenologischen Sicht auf unsere digitale Umwelt aufhebt.
Schlüsselwörter
Display, digitale Medienkultur, Interface, Raumtheorie, Netzwerkgesellschaft, Medialisierung, Urbanität, mobile Kommunikation, Geomedien, Cyberlocalism, Mensch-Maschine-Interaktion, Standortbezogene Dienste, Infrastruktur, Virtueller Raum, Alltagspraxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen digitaler Technologie und menschlicher Kultur unter besonderer Berücksichtigung des Displays als Schnittstelle.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören Raumkonzepte, die materielle Infrastruktur digitaler Netzwerke, die Medialisierung des städtischen Raums sowie die Rolle mobiler Technologien im Alltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, wie digitale Displays unseren realen physischen Raum verändern und ob eine "digitale Welterfahrung" den klassischen physischen Raum ersetzt oder erweitert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären kulturwissenschaftlichen Ansatz, der Medien- und Raumtheorien (u.a. von Virilio, Flusser, Faßler und Manovich) mit empirischen Beobachtungen des aktuellen Mediengebrauchs verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Abschnitte, die von der theoretischen Debatte über "Raum und Nicht-Ort" bis zur konkreten Analyse von Display-Technologien, mobilen Nomadentums und Geomedien reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Display, Raumtheorie, Medialisierung, Urbanität, mobile Kommunikation und digitale Netzwerke.
Wie bewertet der Autor die Rolle des "Cyberspace"?
Der Autor kritisiert die Vorstellung eines vom physischen Raum losgelösten "Cyberspace" und plädiert stattdessen für eine Betrachtung der digitalen Ebene als Erweiterung der realen Umwelt.
Was bedeutet der Begriff "Personal Nomadic Mobile Display" (PNMD)?
Er beschreibt portable Endgeräte (wie Smartphones), die den Nutzer bei seiner Mobilität unterstützen und als zentrales Organisationsinstrument in der vernetzten Gesellschaft fungieren.
Wie ordnet die Arbeit das Phänomen "Urban Screens" ein?
Urban Screens werden als großflächige Medienträger diskutiert, die den öffentlichen Raum ästhetisch verändern und neue Formen der Kommunikation und kommerziellen Nutzung ermöglichen.
- Quote paper
- Simon Hebler (Author), 2009, Digitaler[Stadt]Raum - Vom kontemplativen Betrachter zum partizipativen User, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212778