Der Kulturphilosoph und Soziologe Norbert Elias veröffentlichte 1939 sein bedeutsamstes zweibändiges Werk „Über den Prozeß der Zivilisation“.
Im Mittelpunkt seiner umfassenden Untersuchung stehen Verhaltensweisen, die sich spezifisch bei den Menschen der abendländischen Gesellschaften zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit im Laufe des Zivilisationsprozesses wandeln. Elias unternimmt daher den Versuch zu erklären, warum sich das Verhalten der Individuen in diesen Gesellschaften verändert, worin diese Veränderungen bestehen, und wie sie sich beim Menschen vollziehen. Daher ist es für ihn von großer Wichtigkeit, die Ursachen, Antriebe und Motoren dafür anzubringen.
Um die oben genannten Fragen beantworten zu können, betrieb er soziogenetische wie auch psychogenetische Untersuchungen, d.h. dass er dem Wandel der abendländischen Sozialstruktur sowie der Entwicklung neuer Persönlichkeitsstrukturen beim Menschen nachgeht. Die daraus resultierenden Tatsachen brachte er schließlich in Zusammenhang miteinander. Seine Zivilisationstheorie kann deshalb auch nur begriffen werden, wenn man die Soziogenese und die Psychogenese in wechselseitiger Abhängigkeit voneinander begreift.
Inhalt
1. Einleitung
2. Die Veränderung des Essverhaltens beim zivilisierten Menschen
2.1 Das Essen von Fleisch
2.2 Die Verwendung des Messers beim Essen
3. Die Soziogenese des Staates: Der Wandel des abendländischen Gesellschaftsaufbaus – hin zu einer zivilisierten Gesellschaftsstruktur
4. Die Psychogenese des Individuums: die Entstehung einer Selbstkontrollapparatur beim Menschen
5. Schlussteil
6. Literaturverzeichnis
6.1 Ausgewählte Originalliteratur
6.2 Ausgewählte Sekundärliteratur
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptthema von Norbert Elias' Werk 'Über den Prozeß der Zivilisation'?
Elias untersucht den langfristigen Wandel menschlicher Verhaltensweisen in abendländischen Gesellschaften vom Mittelalter bis zur Neuzeit.
Wie veränderte sich das Essverhalten laut Norbert Elias?
Der Wandel zeigt sich beispielhaft am Essen von Fleisch und der Einführung von Besteck wie dem Messer, was eine zunehmende Triebkontrolle und Schamgrenze widerspiegelt.
Was bedeuten Psychogenese und Soziogenese bei Elias?
Soziogenese beschreibt den Wandel der Gesellschaftsstruktur (z. B. Staatsbildung), während Psychogenese die Entwicklung neuer Persönlichkeitsstrukturen und Selbstkontrolle beim Individuum meint.
Wie hängen Staatsbildung und individuelles Verhalten zusammen?
Durch das Gewaltmonopol des Staates wächst der Druck auf das Individuum, Affekte zu kontrollieren und eine innere 'Selbstkontrollapparatur' aufzubauen.
Warum ist die wechselseitige Abhängigkeit von Individuum und Gesellschaft wichtig?
Elias' Theorie besagt, dass sich Persönlichkeit und Sozialstruktur nur im Zusammenhang und in gegenseitiger Beeinflussung verstehen lassen.
- Arbeit zitieren
- Eva Herrmann (Autor:in), 2012, Der Wandel im menschlichen Verhalten durch den Zivilisationsprozess, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211744