„PISA Schock – Die Mitte ist in Panik“ titelte die Süddeutsche Zeitung 2008 und liefert damit erneut Anlass zur regen Diskussion. Die Medien überschlagen sich geradezu, wenn es darum geht, neue, schockierende Schlagzeilen über den Bildungsstand unserer Kinder zu veröffentlichen. Und das Volk reagiert entsprechend. „PISA hat uns wieder fest im Griff“ (Kraus 2005) schreibt Gymnasiallehrer und Psychologe Josef Kraus in seinem Essay Der PISA Schwindel. Die Entschlossenheit mancher Eltern scheint geradezu grenzenlos. Private Kindergärten und Grundschulen boomen und teure Nachhilfeinstitute sind gefragt wie nie zuvor. Die Intention der Eltern scheint überdeutlich: Bloß keinen Fehler machen! Offensichtlich hat ein großer Teil der deutschen Bevölkerung sein Vertrauen in das öffentliche Schulsystem verloren. Bildungsbeflissene Bürger nehmen die Ausbildung ihrer Kinder nach PISA vermehrt selbst in die Hand (vgl. Berth 2008). Gemäß dem Motto „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ stehen private Bildungseinrichtungen beim Bildungsbürgertum hoch im Kurs. Doch sind diese Maßnahmen wirklich nötig? Wird unser Schulsystem den hohen Vorgaben anderer europäischer Nationen tatsächlich nicht gerecht? PISA spricht eine überdeutliche Sprache und ihre Ergebnisse sind für die Mehrheit der Bevölkerung ein klares Indiz für den deutschen Bildungsverfall. In den letzten Jahren wurde diese PISA-Allianz jedoch durch eine starke Opposition erschüttert. Erste Kritiker haben begonnen die Studie selbst zu überprüfen und sind dabei auf etliche Ungereimtheiten gestoßen. Die neue Testkultur steht auf dem Prüfstand und muss sich beweisen.
Diese Arbeit beleuchtet die Pisa-Ergebnisse der letzten Jahre und soll zur kritischen Auseinandersetzung mit der Studie anregen.
Gliederung der Arbeit
1. Einleitung
2. PISA – Die erste große Schulleistungsuntersuchung
2.1 Ziele und Konzept von PISA
2.2 Reaktionen auf PISA
3. Zur methodischen Durchführung von PISA
3.1 Planung und Durchführung
4. Kritik an den PISA-Studien
4.1 PISA und die Bildungsökonomie
4.2 Methodisch-statistische Mängel
4.2.1 Verzerrte Stichproben
4.2.2 Ungleiche Voraussetzungen der Teilnehmer
4.3 Diagnoseinstrument PISA?
5. Fazit
6. Schlussfolgerungen für die Deutschdidaktik
7. Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was war der sogenannte „PISA-Schock“?
Der PISA-Schock bezeichnet die öffentliche Bestürzung in Deutschland über das unerwartet schlechte Abschneiden deutscher Schüler bei der ersten internationalen Schulleistungsuntersuchung der OECD.
Welche methodischen Mängel werden an der PISA-Studie kritisiert?
Kritiker bemängeln unter anderem verzerrte Stichproben, ungleiche Voraussetzungen der Teilnehmer in verschiedenen Ländern sowie statistische Ungenauigkeiten bei der Auswertung.
Führt PISA zu einer Ökonomisierung der Bildung?
Ja, ein Kritikpunkt ist, dass Bildung zunehmend unter ökonomischen Gesichtspunkten (Bildungsökonomie) betrachtet wird, wobei messbare Leistungen wichtiger werden als ganzheitliche Bildungsideale.
Wie reagierten Eltern auf die PISA-Ergebnisse?
Viele Eltern verloren das Vertrauen in das öffentliche Schulsystem, was zu einem Boom bei privaten Kindergärten, Schulen und teuren Nachhilfeinstituten führte.
Ist PISA als Diagnoseinstrument für Schulen geeignet?
Kritiker bezweifeln dies, da die Studie eher globale Vergleiche liefert, anstatt konkrete pädagogische Hilfestellungen für den individuellen Unterricht oder die Deutschdidaktik zu bieten.
Was sind die Ziele der PISA-Untersuchungen?
Ziel ist es, die Basiskompetenzen von 15-jährigen Schülern in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften international vergleichbar zu machen.
- Arbeit zitieren
- Sandra Schülke (Autor:in), 2010, Die Pisa-Studie - Ein kritischer Blick hinter die Ergebnisse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205154