Einleitung
1. Hume und die „Weiterentwicklung“ der Empirie
2. Warum Vernunft allein nicht handlungsmotivierend sein kann
3. Was mit Vernunft verwechselt wurde
4. Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Hume und die „Weiterentwicklung“ der Empirie
2. Warum Vernunft allein nicht handlungsmotivierend sein kann
3. Was mitVernunft verwechselt wurde
4. Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
Einleitung
Die Frage, die ich im Folgenden beantworten möchte, lautet: „Warum können Empfindungen für Hume nicht unvernünftig sein?“ Dafür ist es meiner Meinung nach hilfreich, sich einmal über das Wort „(un-)vernünftig“ im Klaren zu werden: Der Begriff „Vernunft“ beschreibt die Fähigkeit, aus den, mit dem Verstand gewonnen Einsichten und Beobachtungen, Zusammenhänge zu erkennen, sich ein Urteil daraus zu bilden und sein Handeln davon abzuleiten - man ist also „vernünftig“, wenn man sein Handeln von Vernunft leiten lässt.[1]
In dieser Definition gehe ich bewusst nicht auf eine Beteiligung der Empfindungen an Handlungen ein. Führten wir die Überlegung fort, wären also Empfindungen unvernünftig, so wären sie laut Definition nicht an unseren Handlungen beteiligt. Doch soll Hume’s These die genau vom Gegenteil ausgeht hier erläutert werden: Hume beschreibt in seiner Argumentation die Empfindungen als Grundlage für unser (moralisches) Handeln.
Bevor ich mich seines Beweises widme, scheint es mir sinnvoll, mich in groben Zügen in die philosophische Denkweise Humes hinein zu finden.
1. Hume und die „Weiterentwicklung“ der Empirie
David Hume (1711 - 1776) gilt als einer der bedeutendsten Philosophen des englischsprachigen Raums. Die Zeit der Aufklärung war geprägt von dem Glauben an die Empirie. Wobei man von Hume dagegen nicht sagen konnte dass er Empirist gewesen sei, er stand dem Empirismus eher skeptisch gegenüber.
Man kann Hume die Weiterentwicklung der Empirie insofern zuschreiben, als dass er dieser eine psychologische Komponente, die der Empfindungen hinzufügt. Das heißt unsere Wahrnehmungen beruhen nicht allein auf rationalem Beobachten sondern werden zugleich Gefühle in uns ausgelöst, die mit dem Beobachteten in Verbindung gebracht werden und umgekehrt. Zugleich stellt Hume jedoch die „Wahrheit“ dieser Beobachtungen in Zweifel: Nichts ist wirklich sicher, auch vermeintlich empirisch Beweisbares steht im Verdacht auf einem Irrglauben zu beruhen.[2]
2. Warum Vernunft allein nicht handlungsmotivierend sein kann
An dieser Stelle komme ich auf die eigentliche Frage zurück: Warum können Empfindungen für Hume nicht unvernünftig sein?
Hume geht in seiner Argumentation von der (bisherigen) These aus, Empfindungen und Vernunft stehen in einem Konkurrenzkampf um die Vorherrschaft über das menschliche Handeln: „Nothing is more usual in philosophy, (...), than to talk of the combat of passion and reason (...)."[3]Es wird behauptet, schreibt er, dass jedes vernunftbestimmte Lebewesen seine Handlungen nach der Vernunft richten soll. Vernünftig Handeln entspricht nach dieser Auffassung tugendhaftem Handeln. „(...) and if any other motive or principle challenge the direction of his conduct, he ought to oppose it, till it be entirely subdu’d (...)."[4]Der Vernunft wird also ganz klar der Vor- rangvor den Empfindungen gegeben.
Dem widerspricht Hume und gliedert dabei seine These in zwei Teile. (...) first, that reason alone can never be a motive to any action of the will; and secondly, that it can never oppose passion in the direction of the will.“[5]Erstens kann die Vernunft nicht das Motiv des Willens sein und zweitens, wird man die Vernunft niemals einer Empfindung einen Willen betreffend vorziehen. Wie begründet Hume dies? Seine These stützt Hume seiner Beobachtung über die Tätigkeit des Verstandes. Er geht hierbei von einer „doppelten Tätigkeit“ aus: Mit der „ersten Tätigkeit“ meint Hume die Betrachtung der abstrakten Beziehungen unserer Vorstellungen - kurz - unsere Gedanken. Die beschriebene „erste Tätigkeit“ des Verstandes findet in der Welt der Vorstellungen statt. Da aber der Wille immer real ist, können laut Hume bloße Gedanken nicht die Ursache einer Handlung sein.
[...]
[1] http://www.duden.de/rechtschreibung/Vernunft
[2]Lesch, Harald; Vossenkuhl, Wilhelm; Die Großen Denker: Philosophie im Dialog
[3] Hume, David: Treatise of Human Nature, Book 2, Part III, Sect. Ill: Of the influencing motives of the will
[4] Hume, David: Treatise of Human Nature, Book 2, Part III, Sect. Ill: Of the influencing motives of the will
[5] Hume, David: Treatise of Human Nature, Book 2, Part III, Sect. Ill: Of the influencing motives of the will
Häufig gestellte Fragen
Warum können Empfindungen laut David Hume nicht unvernünftig sein?
Für Hume ist die Vernunft allein nicht handlungsmotivierend. Da Empfindungen (Passions) die Grundlage unseres Handelns bilden und die Vernunft nur Beziehungen zwischen Ideen prüft, können Gefühle an sich nicht "falsch" oder "unvernünftig" sein.
Was ist Humes Kritik am traditionellen Rationalismus?
Hume widerspricht der These, dass Vernunft und Empfindungen in einem Kampf um die Vorherrschaft stehen. Er behauptet, dass die Vernunft niemals ein Motiv für eine Willenshandlung sein kann.
Wie definiert Hume die Rolle der Vernunft?
Hume sieht die Vernunft als Sklavin der Leidenschaften. Sie dient dazu, Mittel zum Zweck zu finden, kann aber selbst keine Ziele oder moralischen Werte setzen.
Was versteht Hume unter der „Weiterentwicklung“ der Empirie?
Hume fügt dem reinen Empirismus eine psychologische Komponente hinzu: Wahrnehmungen beruhen nicht nur auf Beobachtung, sondern sind untrennbar mit Gefühlen verbunden.
Was meint Hume mit der „doppelten Tätigkeit“ des Verstandes?
Die erste Tätigkeit ist die Betrachtung abstrakter Beziehungen (Gedanken). Da diese in der Welt der Vorstellungen stattfinden, der Wille aber real ist, können bloße Gedanken keine Handlung verursachen.
- Citation du texte
- Tobias Schmidt (Auteur), 2012, Warum können Empfindungen für David Hume nicht unvernünftig sein?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201101