Mit dem Einsetzen der Industrialisierung waren die Städte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa mit einer Anzahl von Negativentwicklungen im städtischen Raum konfrontiert. Die zunehmende hohe Dichte der Städte durch den stetigen Zuzug von peripheren und arbeitsuchenden Bevölkerungsschichten, das ungeordnete Nebeneinander von verschiedenen Funktionen zu Lasten von Natur, Freiraum und Gesundheit und die soziale Ungleichheit in der Verteilung des städtischen Bodens waren Herausforderungen, die nur mit der Schaffung einer umfassenden gesetzlichen Grundlage reglementiert und hinsichtlich einer geordneten Stadtentwicklung gesteuert werden konnten. In Deutschland gilt hierfür als rechtliche Grundlage das Baupolizeirecht, dass alle bestehenden Rechtsvorschriften im Sinne des öffentlichen Baurechts in sich vereinte, sich aber nur auf die ordnungsrechtlichen Anforderungen an die zu errichteten oder bereits bestehenden Gebäude bezog. Mit dem Fortschreiten der Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert intensivieren sich soziale und räumliche Konflikte in den Städten. Raumnot, Umweltverschmutzung und soziale Segregation wachsen konstant mit dem Grad der Urbanisierung. Die Steuerungskapazität des Baupolizeirechts stieß angesichts der unhaltbaren baulichen Unordnung bald an ihre Grenzen. Mit den Fluchtliniengesetzen aus Baden (1868) und Preußen (1875) wurden Anfänge des Planungsrechtes geschaffen, die durch ihre Vorschriften Instrumente für eine geregelte Stadtentwicklung boten und deren Planung, Durchführung und Sicherung zum Gegenstand hatten. In den späteren Jahren erfolgte eine Vereinfachung auf dem Gebiet des Städtebaurechts, jedoch wurden kaum Anpassungen an sich verändernde zeitliche und staatsrechtliche Rahmenbedingungen getroffen. Erst mit dem Bundesbaugesetz von 1960 wurden wesentliche Grundlagen des Städtebaurechts festgesetzt, die bis heute ihre Gültigkeit behalten haben. Jedoch erfolgt nun in wichtigen Bereichen eine Novellierung an neue wichtige Ziele und Leitbilder der Stadtentwicklung in Bezug auf Gesellschaft und Umwelt wie z.B. der Klimaschutz oder das Prinzip der Nachhaltigkeit.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Bau- und Planungsrecht in Brasilien
- Planungskompetenzen
- Planverfahren
- Beteiligungen der Öffentlichkeit und der Behörden
- Bauleitpläne
- Zukünftige Herausforderungen
- Siedlungen subnormais
- Megastaudamm Belo Monte
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert das brasilianische Planungsrecht im Vergleich zum deutschen System und untersucht die Tragfähigkeit des Planungsverständnisses in Brasilien. Dabei stehen die sozialen Funktionen der Stadt, Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Vordergrund. Ziel ist es zu erforschen, ob die bestehenden rechtlichen Grundlagen in Brasilien ausreichend sind, um den Herausforderungen einer raumbezogenen Entwicklung gerecht zu werden.
- Vergleich des brasilianischen und deutschen Planungsrechts
- Analyse des Planungsverständnisses in Brasilien
- Bedeutung von sozialen Funktionen der Stadt, Nachhaltigkeit und Klimaschutz
- Bewertung der rechtlichen Grundlagen für eine raumbezogene Entwicklung in Brasilien
- Herausforderungen für die Stadtplanung in Brasilien
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beleuchtet die Entwicklung des städtebaulichen Rechts in Deutschland und stellt die historischen Herausforderungen dar, die zur Entwicklung eines umfassenden Planungsrechts führten. Das zweite Kapitel befasst sich mit dem brasilianischen Planungsrecht und untersucht die Planungskompetenzen, Planungsstufen, Verfahren und die Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Dynamik des brasilianischen Stadtplanungsrechts wird anhand von zwei aktuellen Herausforderungen – Siedlungen subnormais und dem Megastaudamm Belo Monte – im dritten Kapitel dargestellt.
Schlüsselwörter
Brasilianisches Planungsrecht, Stadtplanung, Vergleich, Siedlungen subnormais, Megastaudamm Belo Monte, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, soziale Funktion der Stadt, Planungsverständnis.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheidet sich das brasilianische vom deutschen Planungsrecht?
Während Deutschland ein historisch gewachsenes, stark reglementiertes System hat, kämpft Brasilien mit der Umsetzung gesetzlicher Grundlagen inmitten rasanter Urbanisierung und illegaler Siedlungen.
Was sind „Siedlungen subnormais“?
Dabei handelt es sich um illegale oder informelle Siedlungen (Favelas), die eine der größten Herausforderungen für die geordnete Stadtplanung in Brasilien darstellen.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in der brasilianischen Stadtplanung?
Moderne brasilianische Planungsansätze versuchen, soziale Funktionen der Stadt mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu verbinden, stoßen aber oft auf praktische Umsetzungshürden.
Was ist das Problem beim Megastaudamm Belo Monte?
Dieses Projekt wird als Beispiel für die Konflikte zwischen nationaler Energiepolitik, Umweltschutz und den Rechten der lokalen Bevölkerung im Planungsverfahren analysiert.
Gibt es in Brasilien Bürgerbeteiligung bei Bauvorhaben?
Das brasilianische Recht sieht Beteiligungsverfahren für Öffentlichkeit und Behörden vor, deren Tragfähigkeit und tatsächliche Wirksamkeit in der Arbeit kritisch hinterfragt werden.
- Citation du texte
- Dipl.-Ing. Christine Wede (Auteur), 2012, Brasilien - Eine Gratwanderung der Stadtplanung zwischen Metropole und illegaler Siedlung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199887