Diese Arbeit widmet sich der Wahrnehmung und Dokumentation von Stigmatisierungen und Diffamierungen deutscher Juden im Dritten Reich durch den Zeitzeugen Victor Klemperer. Basis dieser Untersuchung bilden dabei seine 1995 erschienenen Tagebücher "Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten", welche innerhalb der zwölfjährigen Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland entstanden. Weitere wesentliche Grundlage ist sein bereits 1946 veröffentlichtes Werk "LTI – Notizbuch eines Philologen." Als direkt von den Pogromen und der Verfolgung Betroffener hält Victor Klemperer nicht nur die Gesetze und Verordnungen, welche zur Diffamierung, Isolierung, Absonderung und Entwürdigung der Juden führten, in seinen Tagebüchern fest, sondern auch die Veränderungen der Alltags- und offiziellen Sprache, die ihren gesonderten Niederschlag in seiner "LTI" finden. Mit Klemperers Tagebüchern liegen uns Aufzeichnungen aus der Zeit des Nationalsozialismus vor, die trotz oder gerade wegen der persönlichen Betroffenheit in der Lage sind, von historisch bedeutenden Ereignissen dieser Epoche zu berichten. Kern dieser Arbeit bildet, wie eingangs bereits angedeutet, die Frage nach der Wahrnehmung und Kritik der Judenverfolgung im Dritten Reich durch den Philologen Victor Klemperer, die sich aus seinen Tagebüchern und der LTI herausschälen lassen. Während er sich in seiner LTI im Wesentlichen auf die Beschreibung der sprachlichen Seite des faschistischen Diskurses beschränkt, betrachtet Klemperer in seinen Tagebüchern "die faschistischen Institutionen, die Praxen der Judenverfolgung und -ausgrenzung konkret, die Lebensbedingungen der Menschen, der Juden und ‚Arier’, wissenschaftliche Aussagen, Gesetze, die Arbeitsbedingungen, den Krieg und die Kriegsfolgen, die Medien und deren Wirkung und den Alltag." Damit ist bereits angedeutet, dass es in dieser Arbeit nicht nur um eine Betrachtung Klemperers Kritik auf der rein sprachlichen Ebene gehen soll, sondern dass sie weitere Aspekte der Diffamierung und Stigmatisierung von Juden als diskursiver Praxen des Nationalsozialismus einschließt (Kapitel 5 und 6) Der gesonderten Betrachtung der (Sprach)kritik Klemperers (Kapitel 4) sei im Vorfeld die Auseinandersetzung mit seiner Vorstellung von Sprache und Sprachgebrauch geschuldet.(Kapitel 3). Einleitend dazu wird sich das Kapitel 2 dieser Arbeit mit allgemeinen Erkenntnissen über die Sprache und den Sprachgebrauch im Dritten Reich auseinandersetzen.
Inhalt
Einleitung
1. Die Sprache des Dritten Reiches
2. Klemperers Vorstellung von Sprache und Sprachgebrauch
3. Klemperers Sprachkritik
4. Antisemitismus
5. Stigmatisierung und Diffamierung von Juden im Dritten Reich
Schluss
Bibliografie
Häufig gestellte Fragen
Wer war Victor Klemperer?
Klemperer war ein Philologe jüdischer Herkunft, der das Dritte Reich in Dresden überlebte und die Verfolgung in seinen berühmten Tagebüchern dokumentierte.
Was bedeutet die Abkürzung „LTI“?
LTI steht für „Lingua Tertii Imperii“ (Sprache des Dritten Reiches) und ist Klemperers philologische Analyse der NS-Propagandasprache.
Wie kritisierte Klemperer die Diffamierung von Juden?
Er hielt akribisch fest, wie Gesetze, Verordnungen und der alltägliche Sprachgebrauch die Juden isolierten, entwürdigten und stigmatisierten.
Was ist der Unterschied zwischen seinen Tagebüchern und der LTI?
Die LTI fokussiert auf die sprachliche Ebene, während die Tagebücher („Ich will Zeugnis ablegen“) die konkreten Lebensbedingungen und den Terror beschreiben.
Welche Rolle spielt die Sprache im faschistischen Diskurs?
Klemperer zeigt, dass Sprache nicht nur Ausdruck, sondern Werkzeug der Unterdrückung war, indem sie Begriffe vergiftete und das Denken der Masse formte.
- Arbeit zitieren
- Antoinette Fuchs (Autor:in), 2007, Viktor Klemperers (Sprach-)Kritik an der Stigmatisierung und Diffamierung von Juden im Dritten Reich , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199154