Die Weltwirtschaft sieht sich seit einigen Jahren stark steigenden Leistungsbilanzsalden einzelner Länder gegenüber. Bei den Defizitländern nehmen die USA mit einem Fehlbetrag von rund 811 Mrd. US-Dollar im Jahr 2006 eine dominante Stellung ein. Dem Leistungsbilanzdefizit der USA stehen Überschüsse in den meisten anderen wichtigen Ländern gegenüber. Es stellt sich die Frage ob diese Konstellation, die häufig und zutreffend als globales Ungleichgewicht klassifiziert wird, zu einer starken Abwertung des US-Dollars und zu einem massiven Einbruch der Weltkonjunktur führen könnte. Der US-Dollar hat aufgrund seiner Stellung als Leitwährung international als Transaktions- und Reservewährung große Bedeutung. Ein „Dollar-Crash“ hätte demnach eine weltweite Krise zur Folge. Angesichts der erreichten Größenordnung wird das amerikanische Leistungsbilanzdefizit daher häufig als die größte Bedrohung der Weltwirtschaft bezeichnet und früher oder später muss eine Korrektur des Ungleichgewichtes einsetzten. Hierbei stellt sich jedoch die Frage, wie sich das Leistungsbilanzdefizit in einem kontrollierten Prozess abbauen lässt und welche Konsequenzen dies für den Dollarkurs hat. Dies setzt die Kenntnis über die Wechselwirkungen zwischen der US-Leistungsbilanz und dem Dollarkurs, sowie mögliche Ausgangsszenarien voraus. Die meisten Studien gehen davon aus, dass eine „sanfte Landung“ möglich ist, so dass sich Auswirkungen auf die Weltwirtschaft in Grenzen halten würden. Allerdings ist auch eine abrupte Anpassung möglich, sei es in Form einer Abwertung des US-Dollars, oder eines konjunkturellen Einbruchs in den vereinigten Staaten. Für die Weltwirtschaft ist dabei die entscheidende Frage, ob sich ein Abbau so gestallten lässt, dass sich die erwähnte „harte Landung“ vermeiden lässt. Im ersten Teil meiner Seminararbeit stelle ich zunächst Fakten wie Ursachen für die Entstehung, aktuelle Daten und Prognosen bezüglich der US-Leistungsbilanz, sowie die grundlegenden Determinanten einer Leistungsbilanz, zusammen. Im zweiten Teil beschäftige ich mich mit der Frage, ob das derzeitige Leistungsbilanzdefizit der USA tragfähig und nachhaltig ist und ob Anpassungsprozesse zu erwarten sind. Im dritten Teil wird zwischen einer abrupten und graduellen Anpassung differenziert. Außerdem stelle ich die Meinungen diverser Ökonomen bezüglich möglicher Ausgangsszenarien zusammen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Entwicklung des US-Leistungsbilanzdefizits und des Dollars
- Determinanten einer Leistungsbilanz
- Ursachen für das Leistungsbilanzdefizit der vereinigten Staaten
- Anpassungsprozesse
- Tragfähigkeit der Verschuldungsposition der USA
- Intertemporale Betrachtung
- Zur Nachhaltigkeit
- Ausgangsszenarien - Hard versus soft landing
- Erwarteter Ausgang: „Harte Landung“
- Modell
- Mögliche Anpassungen
- Effekte auf den Dollar und auf die Weltwirtschaft
- Kritik an diesem Szenario
- Erwarteter Ausgang: „Harte Landung“
- Schlussbemerkung / Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit befasst sich mit dem Leistungsbilanzdefizit der USA und den möglichen Konsequenzen für den Dollarkurs und die Weltwirtschaft. Das Ziel ist es, die Ursachen des Defizits zu analysieren, die Tragfähigkeit der Verschuldungsposition der USA zu bewerten und mögliche Anpassungsprozesse zu untersuchen. Dabei werden die Szenarien einer „harten Landung“ und einer „sanften Landung“ betrachtet und die jeweiligen Auswirkungen auf den Dollar und die Weltwirtschaft diskutiert.
- Entwicklung und Ursachen des US-Leistungsbilanzdefizits
- Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit des Defizits
- Mögliche Anpassungsprozesse und ihre Folgen
- Ausgangsszenarien: „Harte Landung“ vs. „Sanfte Landung“
- Auswirkungen auf den Dollarkurs und die Weltwirtschaft
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema des US-Leistungsbilanzdefizits ein und stellt die Relevanz für die Weltwirtschaft heraus. Kapitel 2 beleuchtet die Entwicklung des Defizits und des Dollars sowie die Determinanten einer Leistungsbilanz und die Ursachen des US-Defizits. Kapitel 3 befasst sich mit der Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit des Defizits sowie mit den zu erwartenden Anpassungsprozessen. In Kapitel 4 werden verschiedene Ausgangsszenarien, insbesondere die „harte Landung“ und die „sanfte Landung“, analysiert, wobei auf die Auswirkungen auf den Dollar und die Weltwirtschaft eingegangen wird. Schließlich werden in der Schlussbemerkung / Fazit die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst.
Schlüsselwörter
US-Leistungsbilanzdefizit, Dollar, Weltwirtschaft, Anpassungsprozesse, „harte Landung“, „sanfte Landung“, Tragfähigkeit, Nachhaltigkeit, Determinanten der Leistungsbilanz, Wechselkurs, Handelsbilanz, globale Ungleichgewichte.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist das US-Leistungsbilanzdefizit so groß?
Hauptgründe sind der hohe Konsum in den USA im Vergleich zur Sparquote, hohe Importe und die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung, die die Verschuldung erleichtert.
Was bedeutet „Hard Landing“ für die US-Wirtschaft?
Ein Hard Landing beschreibt eine abrupte Korrektur des Defizits, etwa durch einen Dollar-Crash oder eine schwere Rezession, die auch die Weltwirtschaft mitreißen könnte.
Was ist ein „Soft Landing“?
Ein kontrollierter, gradueller Abbau des Defizits ohne massive wirtschaftliche Erschütterungen, bei dem sich der Dollarkurs langsam anpasst.
Welche Rolle spielt der Dollarkurs beim Leistungsbilanzdefizit?
Ein schwächerer Dollar macht US-Exporte billiger und Importe teurer, was theoretisch dazu beitragen sollte, das Handelsbilanzdefizit abzubauen.
Ist die hohe Verschuldung der USA nachhaltig?
Das ist unter Ökonomen umstritten. Solange internationale Anleger Vertrauen in den Dollar haben und US-Staatsanleihen kaufen, kann das Defizit finanziert werden, birgt aber langfristige Risiken.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2008, Das Leistungsbilanzdefizit der USA: Hard versus Soft landing, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198531