Als einer der der wichtigsten geschichtsphilosophischen und staatstheoretischen Denker ging Montesquieu in die Geschichte ein. Bereits zu Lebzeiten galt sein 1748 er-schienenes Hauptwerk ‚Vom Geist der Gesetze’ (im Original: De l’esprit des lois) als Bestseller. Gerade das sechste Kapitel des elften Buches, das sog. Englandkapitel mit seinem Modell der Machtteilung, sorgte für großes Aufsehen und ist bis heute ein zent-raler Punkt der Gewaltenteilungslehre.
„Montesquieu ist zwar nicht der Erfinder der Machtteilungsdoktrin, wohl aber ihr He-rold.“ Selbstverständlich gab es bereits lange Zeit vor ihm Gedanken zu Mischverfas-sung und Machtteilung – man denke nur an Polybios oder Machiavelli, doch mit seiner Abhandlung nahm er diesen Gedanken erneut auf und entwickelte ein in seinen Augen ideales Staatsmodell, das verfassungsgeschichtlich hohe Relevanz hatte und bis heute noch hat.
In dieser Arbeit soll nun primär die Gewaltenteilungslehre nach Montesquieu in ihren wichtigsten Merkmalen erläutert und untersucht werden. Zunächst gehe ich dabei auf Montesquieus Biographie ein, da gerade seine Reise nach England ein Motiv für seine Arbeit war. Danach wird das Englandkapitel aus ‚Vom Geist der Gesetze’ in den Vor-dergrund treten, wobei auch eine gesonderte Betrachtung des britischen Parlamenta-rismus notwendig ist, um die daran anschließende Vorstellung der vier Teile des Mo-dells, sowie auch das gesamte montesquieu‘sche Modell zu verstehen. Nach einer ausführlichen Vorstellung von Montesquieus Machtteilungsmodell folgt eine kurze kon-textuelle Interpretation in Bezug auf das gesamte Werk, bzw. eine gesonderte Betrach-tung des Mischverfassungsaspekts in Bezug zur Machtteilung.
Dazu sollen auch kritische Anmerkungen zu Montesquieus Gewaltenteilung erfolgen sowie auf Fehlinterpretationen seiner Ideen hingewiesen werden, bevor ein abschlie-ßendes Fazit gezogen wird.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Biographie
3.) Das Englandkapitel in ‚Vom Geist der Gesetze’
3.1.) Allgemeines
3.2.) Der britische Parlamentarismus
3.3.) Die vier Teile des montesquieu'schen Gewaltenteilungsmodells
3.3.1.) Die Gewalten
3.3.2.) Die gesellschaftlichen Kräfte
3.3.3.) Die Staatsorgane
3.3.4.) Die Befugnisse
3.4.) Das Gewaltenteilungsmodell als Ganzes
3.4.1.)Das Volk
3.4.2.) Der Adel
3.4.3.) Der Monarch
3.5.) Regeln des Modells
4.) Die Mischverfassung
4.1.) Allgemeines
4.2.) Verkennung der Mischverfassung
5.) Kritik
6.) Fazit
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern von Montesquieus Gewaltenteilungslehre?
Es geht um die Aufteilung der Staatsmacht in verschiedene Gewalten, um Machtmissbrauch zu verhindern und die Freiheit des Bürgers zu sichern.
Warum ist das „Englandkapitel“ in seinem Werk so wichtig?
In diesem Kapitel analysiert Montesquieu den britischen Parlamentarismus als Vorbild für ein System der gegenseitigen Kontrolle (Checks and Balances).
Welche vier Teile umfasst sein Modell?
Das Modell besteht aus den Gewalten, den gesellschaftlichen Kräften (Volk, Adel, Monarch), den Staatsorganen und den spezifischen Befugnissen.
Was versteht man unter einer „Mischverfassung“?
Es ist ein Staatsmodell, das monarchische, aristokratische und demokratische Elemente kombiniert, um ein stabiles politisches Gleichgewicht zu schaffen.
Gilt Montesquieu als Erfinder der Gewaltenteilung?
Er ist nicht der alleinige Erfinder (Vorgänger waren Polybios oder Machiavelli), gilt aber als der „Herold“, der das Modell für die moderne Verfassungsgeschichte perfektionierte.
- Arbeit zitieren
- Michael Brandl (Autor:in), 2010, Das Modell der Gewaltenteilung nach Montesquieu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196302