Das Jahr 1198 nimmt in der mittelalterlichen Geschichte eine besondere Stellung ein, denn in diesem Jahr ist nicht nur der Staufer, Philipp von Schwaben, nach dem Tod seines Bruders bzw. Kaisers Heinrich VI., zum König gewählt worden, sondern auch der Welfe, Otto von Braunschweig (auch: Otto von Poitou), der Sohn Heinrich des Löwen. Im selben Jahr wurde zudem Innozenz III., dem die Kirche ihren Machtzuwachs verdankte, als Nachfolger Coelestins III. zum Papst gewählt. In den Jahren zuvor versuchte Heinrich VI., der mit Konstanze von Sizilien verheiratet war, das Deutsche Reich von einer Wahlmonarchie zu einer Erbmonarchie umzugestalten, um die deutsche Königswürde für seinen Sohn Friedrich II. zu sichern. Das Normannenreich war bereit eine Erbmonarchie, somit war in Sizilien die Krone für Friedrich II. gesichert. Mit der Idee des Erbreichplans sollte die Verbindung zwischen dem Imperium und dem sizilischen Regnum dauerhaft werden. Aus Furcht von den Staufern umzingelt zu werden, lehnte Papst Coelestin III. Heinrichs Plan ab. Auch die deutschen Fürsten sowie Erzbischof von Köln, Adolf von Altena, der zuvor für die Zeit des Kreuzzuges die Zuständigkeit für alle Reichsangelegenheiten vom Erzbischof Konrad von Mainz übertragen worden war, reagierten mit heftigen Protesten. Bereits zu Lebzeiten ließ Heinrich seinen zweijährigen Sohn Friedrich zum deutschen Mitkönig wählen. Philipp von Schwaben, der Bruder des Kaisers und Onkel des jungen Friedrichs, zog noch im selben Jahr nach Italien, um seinen Neffen im Auftrag des Kaisers zur Königskrönung von Foligno nach Aachen zu bringen. Der Tod des Kaisers am 28. September 1197 ist der Wendepunkt in der staufischen Herrschaftsgeschichte. Heinrichs Frau Konstanze übernahm die Regierungsgewalt und wollte ihrem Sohn Friedrich die Herrschaft über Sizilien sichern. Friedrich wurde nach Palermo gebracht, wo Konstanze aufgrund des Lehenseides an dem Papst auf das deutsche Königtum verzichtete. Kurz vor ihrem Tod habe sie dem Papst zudem die Vormundschaft über den mittlerweile vierjährigen Friedrich zugesprochen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Suche nach den Wahlkandidaten unter englisch – französischer Einflussnahme
2.1. Der Konflikt zwischen England und Frankreich
3. Papst Innozenz III. und sein Einfluss auf den Thronstreit
3.1. Wahlanzeige für Otto von Braunschweig an den Papst
3.2. Wahlanzeige für Philipp von Schwaben an den Papst
3.3. Innozenz Entscheidung im Thronstreit
4. Die Wende im Thronstreit
5. Fazit
6. Literatur – und Quellenverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Wer waren die Hauptgegner im deutschen Thronstreit von 1198?
Die Kontrahenten waren der Staufer Philipp von Schwaben und der Welfe Otto von Braunschweig.
Welche Rolle spielte Papst Innozenz III. im Thronstreit?
Der Papst nutzte den Konflikt, um den Einfluss der Kirche auszuweiten, und musste zwischen den Wahlanzeigen beider Kandidaten entscheiden.
Was war der Erbreichplan Heinrichs VI.?
Heinrich VI. wollte das Deutsche Reich von einer Wahlmonarchie in eine Erbmonarchie umwandeln, um die Krone für seinen Sohn Friedrich II. zu sichern.
Warum lehnten der Papst und die Fürsten den Erbreichplan ab?
Der Papst fürchtete die Umklammerung durch die Staufer (Verbindung von Imperium und Sizilien), während die Fürsten um ihre Wahlrechte bangten.
Wie beeinflussten England und Frankreich den Konflikt?
Beide Mächte nahmen Einfluss auf die Suche nach Wahlkandidaten, um ihre eigenen machtpolitischen Interessen im Reich zu wahren.
- Arbeit zitieren
- Özlem Duranöz (Autor:in), 2011, Der deutsche Thronstreit von 1198 im Kontext der westlichen Mächte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194602