Film und Fotografie sind in der heutigen Mediengesellschaft zu einem wichtigen Bestandteil des täglichen Lebens geworden. Fotoapparate und Videokameras sind längst nicht mehr professionellen Fotografen, Filme-machern oder enthusiastischen Amateuren vorenthalten. Sie lassen sich heutzutage, außer in Ihrer ursprünglichen Form, auch als Hybrid in Handys, Computern oder MP3-Playern wieder finden. Und die Forschung ist hierbei noch lange nicht an ihrem Höhepunkt angelangt, wobei die Entwicklung von dreidimensionalem Foto- und Videomaterial wohl den nächsten großen Schritt bedeutet. Festzuhalten bleibt, dass durch Massenproduktion und Vereinfachung der Geräte Film und Foto zu einem Massenphänomen geworden sind, an denen jeder teilhaben kann. Durch diesen unaufhaltsamen Fortschritt ist es umso wichtiger, sich die Auswirkungen, wie es Walter Benjamin in seiner Medientheorie: „Das Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduktion“ tut, vor Augen zu halten. Dabei geht er vor allem auf die Aura des Kunstwerkes und die Bedeutung der massenhaften Reproduktion in den 30er Jahren ein. Mir stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage: „Was bedeutet die Reproduzierbarkeit für die Kunst aus heutiger Sicht?“ Zur Beantwortung der Frage werde ich zunächst kurz auf die Person Walter Benjamins eingehen und die Entstehungsgeschichte seiner Arbeit, bevor ich im Hauptteil die zentralen Aussagen aus seiner Medientheorie herausarbeite und dessen zeitgenössischen Zusammenhang näher erläutere. Abschließend folgt ein Fazit mit einer kurzen Zusammenfassung und der Beantwortung der eingangsgestellten Frage.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zeithistorische Einordnung Walter Benjamin und die Entstehungsgeschichte seiner Medientheorie
3. Zentrale Aussagen der Medientheorie
3.1 Begriff der Reproduzierbarkeit
3.2 Begriff der Aura
4. Die Medientheorie im zeitgenössischen Zusammenhang
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Walter Benjamins Medientheorie und analysiert die Auswirkungen technischer Reproduktionsverfahren wie Film und Fotografie auf den Wert und die Wahrnehmung von Kunstwerken, wobei die zentrale Forschungsfrage lautet, welche Bedeutung die Reproduzierbarkeit für die Kunst aus heutiger Sicht besitzt.
- Die zeithistorische Kontextualisierung Walter Benjamins und seiner Theorien.
- Die Analyse des Begriffs der technischen Reproduzierbarkeit.
- Die Untersuchung des Konzepts der "Aura" eines Kunstwerkes.
- Der Wandel vom Kultwert zum Ausstellungswert in der modernen Kunst.
- Die zeitgenössische Relevanz und Anwendung von Benjamins Thesen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriff der Reproduzierbarkeit
Walter Benjamin definiert die Reproduzierbarkeit von Kunst wie folgt: „Das Kunstwerk ist grundsätzlich immer reproduzierbar gewesen. Was Menschen gemacht hatten, das konnte immer von Menschen nachgemacht werden.“ Die Reproduktion findet Ihren Beginn bei den Griechen. Sie kannten zu Vervielfältigung bereit zwei Techniken: den Guss und die Prägung. Des Weiteren „treten im Laufe des Mittelalters Kupferstich und Radierung sowie am Anfang des neuzehnten Jahrhunderts die Lithographie“ hinzu. Die Lithographie wurde seither „befähigt, den Alltag illustrativ zu begleiten“ Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Reproduktionstechniken ist die Erfindung der Fotografie und des Tonfilms um neunzehnhundert. Diese beiden Verfahren tragen nach Benjamins Meinung erheblich zum Werteverfall des Kunstwerkes bei.
Während die Autorität der Kunstwerke durch manuelle Reproduzierung nicht verloren geht, unterscheiden sich reproduzierte Filme oder Fotografien nicht von ihrem Original. Dadurch „erweist sich die technische Reproduktion dem Original gegenüber selbstständiger als die manuelle“. Kunstwerke waren seit jeher zeitlich sowie räumlich verankert. Dem Kunstwerk wohnte eine „Echtheit“ inne, die der Autor mit distanziertem Blick schuf. Durch die massive Reproduktion werden die Werke allerdings ihrem Kontext entrissen, können manipuliert werden (Vergrößerungen, Fotomontagen, Zeitlupen, Schnitte, etc…) und verlieren so ihre ursprüngliche „Aura“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die allgegenwärtige Rolle von Massenmedien ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Bedeutung der Reproduzierbarkeit für die zeitgenössische Kunst.
2. Zeithistorische Einordnung Walter Benjamin und die Entstehungsgeschichte seiner Medientheorie: Dieses Kapitel skizziert Benjamins Biografie, seinen politischen Hintergrund und die Entstehung seines einflussreichen Aufsatzes im Exil.
3. Zentrale Aussagen der Medientheorie: Hier werden die Kernbegriffe Reproduzierbarkeit und Aura theoretisch hergeleitet und deren Einfluss auf den Wandel des Kunstverständnisses analysiert.
4. Die Medientheorie im zeitgenössischen Zusammenhang: Dieser Teil reflektiert die Anwendbarkeit von Benjamins Thesen auf die moderne Kunstwelt, in der Reproduktion oft als eigenständiges stilistisches Mittel dient.
5. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Ergebnisse zusammen und bewertet die heutige Rolle von Reproduktionstechniken in der Kunst im Kontext der modernen Überflussgesellschaft.
Schlüsselwörter
Walter Benjamin, Medientheorie, technische Reproduzierbarkeit, Aura, Kultwert, Ausstellungswert, Kunstwerk, Fotografie, Film, Massenmedien, Historischer Materialismus, Wertverfall, Kunstsoziologie, Tradition, Moderne Kunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt Walter Benjamins Medientheorie, insbesondere sein Werk über das Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit, und untersucht, wie sich die Vervielfältigung von Kunst auf deren Wesen auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Begriff der Aura, die technische Reproduzierbarkeit durch Film und Fotografie, der Wandel vom Kultwert zum Ausstellungswert und die historische Einordnung der Medientheorie.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, was die technische Reproduzierbarkeit für die Kunst aus heutiger Sicht bedeutet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die primär auf der Literaturanalyse und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Benjamins Medientheorie basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der Reproduktion, definiert die zentralen Begriffe Aura und Reproduzierbarkeit und setzt diese in Bezug zur zeitgenössischen Kunstproduktion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Medientheorie, Aura, technische Reproduzierbarkeit, Massenmedien und die Transformation des Kunstbegriffs.
Warum spielt die Aura eine so zentrale Rolle bei Benjamin?
Die Aura steht für das "Hier und Jetzt" und die Einmaligkeit eines Kunstwerkes; ihr Verfall markiert für Benjamin den Übergang der Kunst in ein Zeitalter der Massenverfügbarkeit.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Benjamin zur heutigen Kunstpraxis?
Während Benjamin den Verfall der Aura als kritischen Prozess beschrieb, hat sich die moderne Kunst diesen Umstand zunutze gemacht, indem sie Reproduktion selbst als künstlerisches Ausdrucksmittel verwendet.
Wie beeinflusst der Film nach Benjamin die Wahrnehmung des Zuschauers?
Benjamin argumentiert, dass der Film den Kultwert verdrängt und den Zuschauer durch die Apparatur zur Passivität zwingt, da er sich eher in die Technik einfühlt als in das Originalobjekt.
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- Maria Neidhold (Author), 2011, Walter Benjamins Medientheorie „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193951