Das deutsche Arbeitsrecht ist bis auf den heutigen Tag nicht einheitlich kodifiziert. Die Gründe hierfür sind mannigfacher Natur, nicht zuletzt spielte die wechselvolle deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert hierfür eine wesentliche Rolle. Trotzdem ist die Forderung nach einem einheitlichen Arbeitsgesetzbuch keine Idee dieser Tage, sondern im Gegenteil reichen die Wurzeln dieser Programmatik bis zum Übergang vom kaiserlichen Deutschland zur ersten deutschen Republik zurück. In den Tagen, in denen „die Macht im Staate (…) buchstäblich auf der Straße lag“ (Wahsner, Roderich, Arbeitsrecht unter'm Hakenkreuz, Baden-Baden 1994, S. 22) wurden entscheidende Fortschritte in der Entwicklung des deutschen Arbeitsrechts erzielt, allem voran die verfassungsrechtliche Kodifizierung der Koalitionsfreiheit im Art. 159 WRV, dessen Bedeutung entsprechend sich diese Arbeit, nach einem Überblick über die historische Entwicklung des Arbeitsrechts bis zur Entstehung der Weimarer Reichsverfassung und deren wichtigsten arbeitsrechtlichen Regelungen, weitestgehend widmen wird.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Die historische Entwicklung
- III. Die Systematik der arbeitsrechtlichen Artikel
- IV. Koalitions- und Vereinsfreiheit
- V. Negative Koalitionsfreiheit
- VI. Kampfmittelschutz durch Koalitionsfreiheit?
- VII. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die verfassungsrechtlichen Grundlagen des Arbeitsrechts in der Weimarer Republik, insbesondere die Koalitionsfreiheit als Kernelement. Im Fokus stehen die Entwicklung des Arbeitsrechts in der historischen Perspektive, die Systematik der arbeitsrechtlichen Artikel der Weimarer Reichsverfassung und die Bedeutung der Koalitionsfreiheit im Kontext des Kampfes um Arbeitsbedingungen.
- Die historische Entwicklung des Arbeitsrechts in Deutschland bis zur Weimarer Republik
- Die verfassungsrechtliche Kodifizierung der Koalitionsfreiheit im Art. 159 WRV
- Die Bedeutung der Koalitionsfreiheit für die Entwicklung des kollektiven Arbeitsrechts
- Die Rolle des Staates im Verhältnis zu den Gewerkschaften
- Die Auseinandersetzung mit dem Kampfmittelschutz durch die Koalitionsfreiheit
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung
Die Einleitung stellt die Relevanz eines einheitlichen Arbeitsgesetzbuches in Deutschland dar und führt in das Thema der Koalitionsfreiheit als zentrale Säule des Arbeitsrechts ein. Sie erläutert die Bedeutung von Art. 159 WRV und die fortlaufende Gültigkeit dieses Artikels in modifizierter Form im Art. 9 III GG.
II. Die historische Entwicklung
Dieses Kapitel beleuchtet die Entwicklung des Arbeitsrechts in Deutschland vor dem Hintergrund der Gesetzgebung und der gewerkschaftlichen Selbsthilfe. Die Gesetzgebung des 19. Jahrhunderts fokussiert auf Jugendschutz und Arbeitsschutz, während die gewerkschaftliche Selbsthilfe nach dem Auslaufen des Sozialistengesetzes 1890 an Bedeutung gewinnt. Die Entwicklung des kollektiven Arbeitsrechts wird im Kontext des Ersten Weltkriegs und der Einführung von Arbeitspflicht sowie der Anerkennung von Gewerkschaften durch den Staat beleuchtet.
III. Die Systematik der arbeitsrechtlichen Artikel
Dieses Kapitel behandelt die systematische Einordnung der arbeitsrechtlichen Artikel in der Weimarer Reichsverfassung. Es analysiert die einzelnen Artikel und ihre Bedeutung im Kontext des Arbeitsrechts.
IV. Koalitions- und Vereinsfreiheit
In diesem Kapitel wird die Koalitionsfreiheit und ihre Bedeutung im Zusammenhang mit der Vereinsfreiheit im Kontext des deutschen Arbeitsrechts beleuchtet. Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Umsetzung der Koalitionsfreiheit.
V. Negative Koalitionsfreiheit
Dieser Abschnitt analysiert das Konzept der negativen Koalitionsfreiheit, das den Schutz der Freiheit des Einzelnen beinhaltet, keiner Gewerkschaft angehören zu müssen. Die Arbeit beleuchtet die rechtlichen und sozialen Implikationen der negativen Koalitionsfreiheit.
VI. Kampfmittelschutz durch Koalitionsfreiheit?
Dieses Kapitel befasst sich mit der Frage, inwieweit die Koalitionsfreiheit den Einsatz von Kampfmitteln wie Streiks und Aussperrungen rechtfertigt. Die Arbeit untersucht die rechtlichen Grenzen und die sozialen Folgen des Einsatzes von Kampfmitteln.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den zentralen Themen des deutschen Arbeitsrechts in der Weimarer Republik, insbesondere mit der Koalitionsfreiheit, der historischen Entwicklung des Arbeitsrechts, der gewerkschaftlichen Selbsthilfe, dem Kampfmittelschutz und der Rolle des Staates im Verhältnis zu den Gewerkschaften. Weitere wichtige Begriffe sind Tarifverträge, Arbeiterversicherung, Arbeitsschutz, Betriebsräte und die Weimarer Reichsverfassung.
Häufig gestellte Fragen
Was war die Bedeutung von Artikel 159 der Weimarer Reichsverfassung?
Artikel 159 kodifizierte erstmals die Koalitionsfreiheit auf Verfassungsebene und sicherte das Recht, zur Wahrung der Arbeitsbedingungen Vereinigungen zu bilden.
Warum ist das deutsche Arbeitsrecht nicht einheitlich kodifiziert?
Die Gründe liegen in der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts, die eine Zusammenführung in ein einheitliches Arbeitsgesetzbuch bis heute verhindert hat.
Was versteht man unter „negativer Koalitionsfreiheit“?
Dies beschreibt den Schutz des Einzelnen davor, gezwungen zu werden, einer Gewerkschaft oder Vereinigung beizutreten.
Wie entwickelte sich das Arbeitsrecht vor der Weimarer Republik?
Im 19. Jahrhundert lag der Fokus auf Jugendschutz und staatlichem Arbeitsschutz, während das kollektive Arbeitsrecht erst durch die gewerkschaftliche Selbsthilfe nach 1890 an Fahrt gewann.
Schützt die Koalitionsfreiheit auch den Einsatz von Streiks?
Die Arbeit untersucht den „Kampfmittelschutz“ und stellt fest, dass Streiks und Aussperrungen als notwendige Instrumente zur Durchsetzung von Arbeitsbedingungen im Rahmen der Koalitionsfreiheit betrachtet werden.
- Quote paper
- Stefan Schubert (Author), 2002, Die verfassungsrechtlichen Grundlagen des Arbeitsrechts in der Weimarer Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19014