Die EU blickt mit der Schaffung des europäischen Binnenmarktes und der Einführung des Euros auf rasante wirtschaftliche Entwicklungen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts zurück. Für Unternehmen hat sich das ökonomische Umfeld durch die Ausdehnung der Märkte, den internationale Konkurrenzdruck, die stetige Rationalisierung betrieblicher Prozesse, die Ressourcenknappheit sowie den erhöhten Forschungs- und Entwicklungsbedarf seitdem gravierend verändert. Die neuen Anforderungen haben wiederum die Bildung größerer Wirtschaftseinheiten begünstigt und so der Unternehmenskonzentration starke Impulse gegeben.
Vor diesem Hintergrund gewinnen Fragen der Konzernbesteuerung zunehmend an Bedeutung – insbesondere im Hinblick auf internationale Verflechtungen. Direktinvestitionen in Auslandsbeteiligungen kollidieren oftmals mit nationalem Steuerrecht der EU-Mitgliedsstaaten. Denn während Unternehmensgruppen beabsichtigen, Verluste von Konzerngesellschaften grenzüberschreitend nutzbar zu machen, versuchen die Mitgliedsstaaten meist, dies zu unterbinden, um kein Steuersubstrat zu verlieren. Solche steuerlichen Beschränkungen hemmen die Verwirklichung des europäischen Binnenmarktes. Angesichts der tendenziellen gemeinschaftsrechtlichen Bedenklichkeit derartiger Restriktionen haben einzelne Staaten mit der Schaffung liberaler Konzernbesteuerungssysteme die Flucht nach vorne angetreten und sind zugleich in eine „Marktlücke“ gestoßen. Besonders Österreich konnte 2005 durch Einführung einer attraktiven Gruppenbesteuerung im europäischen Standortwettbewerb auf sich aufmerksam machen.
Inhaltsverzeichnis
- Grundlagen
- Hintergrund der Gruppenbesteuerung
- Begriff und Konzeptionen der Gruppenbesteuerung
- Österreichisches Gruppenbesteuerungssystem
- Voraussetzungen
- Gruppenträger und Gruppenmitglieder
- Finanzielle Verbindung
- Gruppenantrag und Mindestdauer
- Rechtsfolgen
- Ergebnisverrechnung
- Nachversteuerung von Auslandsverlusten
- Teilwert- und Firmenwertabschreibungen
- Voraussetzungen
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit beleuchtet die österreichische Gruppenbesteuerung und ihre Bedeutung für die Unternehmenssteuerung. Die Untersuchung fokussiert auf die rechtlichen Grundlagen und die praktischen Auswirkungen des österreichischen Systems im internationalen Kontext.
- Rechtliche Rahmenbedingungen der Gruppenbesteuerung in Österreich
- Voraussetzungen für die Bildung einer steuerlichen Unternehmensgruppe
- Konsequenzen der Gruppenbesteuerung auf die Steuerbilanz der Unternehmen
- Bedeutung der Gruppenbesteuerung im internationalen Vergleich
- Potenziale und Herausforderungen der österreichischen Gruppenbesteuerung
Zusammenfassung der Kapitel
Grundlagen
Dieses Kapitel setzt sich mit dem Hintergrund und den grundlegenden Konzepten der Gruppenbesteuerung auseinander. Es erläutert die Entwicklung der Gruppenbesteuerung vor dem Hintergrund der europäischen Integration und des internationalen Konkurrenzdrucks, der zur Bildung größerer Wirtschaftseinheiten führt. Das Kapitel definiert zudem den Begriff der Gruppenbesteuerung und erläutert die verschiedenen Konzeptionen, die in der Literatur diskutiert werden.
Österreichisches Gruppenbesteuerungssystem
Dieses Kapitel behandelt das österreichische Gruppenbesteuerungssystem im Detail. Es beschreibt die Voraussetzungen für die Bildung einer steuerlichen Unternehmensgruppe, insbesondere die Kriterien für die Bestimmung des Gruppenträgers und der Gruppenmitglieder, die finanzielle Verbindung zwischen den Unternehmen sowie die Anforderungen an den Gruppenantrag und die Mindestdauer der Gruppenbildung. Zudem werden die wichtigsten Rechtsfolgen der Gruppenbesteuerung erläutert, darunter die Ergebnisverrechnung, die Nachversteuerung von Auslandsverlusten und die Teilwert- und Firmenwertabschreibungen.
Schlüsselwörter
Gruppenbesteuerung, Konzernbesteuerung, Unternehmensgruppe, Steuerbilanz, Ergebnisverrechnung, Auslandsverluste, Teilwert, Firmenwertabschreibungen, internationales Steuerrecht, EU-Binnenmarkt, Standortwettbewerb, Österreichisches Körperschaftsteuergesetz, Unternehmensfinanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Besondere an der österreichischen Gruppenbesteuerung?
Österreich führte 2005 ein sehr attraktives System ein, das die grenzüberschreitende Verrechnung von Verlusten ausländischer Tochtergesellschaften ermöglicht.
Welche Voraussetzungen müssen für eine Unternehmensgruppe erfüllt sein?
Es muss eine finanzielle Verbindung (Beteiligung von mehr als 50 %) bestehen, ein Gruppenantrag gestellt werden und die Gruppe muss für mindestens drei Jahre bestehen.
Wie funktioniert die Ergebnisverrechnung in der Gruppe?
Gewinne und Verluste der Gruppenmitglieder werden dem Gruppenträger zugerechnet und dort steuerlich saldiert, was die Liquidität des Konzerns erhöht.
Was bedeutet die Nachversteuerung von Auslandsverlusten?
Wenn ausländische Verluste in Österreich verwertet wurden, müssen diese nachversteuert werden, sobald sie im Ausland mit Gewinnen verrechnet werden können oder die Gesellschaft ausscheidet.
Welchen Einfluss hat das System auf den Standortwettbewerb?
Durch die liberalen Regelungen wurde Österreich zu einem attraktiven Standort für Holdinggesellschaften und internationale Konzerne innerhalb der EU.
- Arbeit zitieren
- Cornelius Schickle (Autor:in), 2011, Die österreichische Gruppenbesteuerung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190040