In dieser Diplomarbeit werden das wechselseitige Verhältnis von Narzißmus und Unternehmen sowie dessen Auswirkungen untersucht. Die Arbeit bedient sich verschiedener psychologischer und soziologischer Erklärungsmodelle für Narzißmus. Zur Analyse der Wechselwirkungen wird systemische Organisationstheorie angewendet. Abschließend werden die Aspekte narzißtischer Führung diskutiert und beurteilt.
Inhaltsverzeichnis
1. Die narzißtische Persönlichkeit
1.1 Eine Phänomenologie des Narzißmus
1.1.1 Das narzißtische Basissyndrom
1.1.2 Paradoxien des Charakters
1.2 Relevante Spezifika der narzißtischen Persönlichkeit
1.2.1 Rückzug aus sozialen Beziehungen
1.2.2 Images statt Persönlichkeit
1.2.3 Narzißtische Wut - eine maßlose Reaktion
1.3 Diskussion
2. Zur Genese des Narzißmus
2.1 Definition und Begriff
2.2 Psychologische Erklärungsmodelle
2.2.1 Der libidotheoretische Ansatz nach Sigmund Freud
2.2.2 Der individualtheoretische Ansatz nach Alfred Adler
2.3 Zur Dichotomie von Psychologie und Soziologie
2.4 Soziologische Erklärungsmodelle
2.4.1 Das soziologische Erklärungsmodell der Individualisierung
2.4.2 Der gesellschaftstheoretische Ansatz der Individualisierung nach Ulrich Beck
2.4.3 Individualisierungsbedingter Wandel der Arbeitsethik
2.5 Diskussion
3. Relevanz des Narzißmus für Organisationen
3.1 Die Organisation als offenes System
3.2 Zum Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Organisation
3.2.1 Narzißmus als Resultante außerorganisatorischer Wandlungsprozesse
3.2.2 Narzißmus als Resultante innerorganisatorischer Wandlungsprozesse
3.3 Bedingtheit von formaler Organisation und Narzißmus
3.3.1 Bedingtheit von traditionellen Organisationen und Narzißmus
3.3.2 Bedingtheit von modernen Organisationen und Narzißmus
3.4 Die narzißtische Organisation
3.5 Diskussion
4. Narzißtische Führung in Unternehmen
4.1 Führung als Prozeß
4.2 Führungsverständnis und Narzißmus
4.2.1 Das Führungsverständnis bei Sigmund Freud
4.2.2 Das Führungsverständnis bei Alfred Adler
4.3 Narzißmus und Führungsstil
4.4 Positive und negative Aspekte narzißtischer Führung
4.5 Diskussion
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung narzißtischer Verhaltensweisen für Unternehmen. Ziel ist es zu analysieren, wie Narzißmus entsteht, welche psychologischen und soziologischen Ursachen er hat und wie er durch das Individuum in organisationale Kontexte getragen wird, um dort sowohl als Erfolgsfaktor als auch als Störfaktor zu wirken.
- Psychologische Grundlagen und Erklärungsmodelle des Narzißmus
- Soziologische Dimensionen: Individualisierung und Wertewandel
- Das Zusammenspiel von Individuum, Gesellschaft und Organisation
- Bedingtheit von Narzißmus durch moderne vs. traditionelle Organisationsstrukturen
- Auswirkungen narzißtischer Führung auf Unternehmenserfolg und Arbeitsklima
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Das narzißtische Basissyndrom
Das „Basissyndrom pathologisch-narzißtischen Erlebens“ stellt nach Stimmer einen Sammelbegriff dar, der die wesentlichen Symptome und Charakteristika narzißtischer Persönlichkeiten subsumiert. Die beiden Hauptcharakteristika sind: 1) die Entwicklung von Größenvorstellungen von sich selbst und 2) eine Distanziertheit in sozialen Beziehungen. Die meisten der zu beschreibenen Eigenschaften, Merkmale und Verhaltensweisen liegen in diesen zentralen Charakteristika begründet oder lassen sich von ihnen ableiten. Im ersten Fall geht es um das Verhältnis des Narzißten zu sich selbst, im zweiten um sein Verhältnis zu anderen. Narzißtisches Verhalten verdeutlicht sich also vor allem über Beziehungstrukturen.
Narzißtische Persönlichkeiten werden häufig als einnehmende und gewinnende Menschen beschrieben, neigen aber dazu, in ihren emotionalen Beziehungen eine schützende Oberflächlichkeit zu kultivieren. Diese hält sie davon ab, glückliche Erlebnisse in der Erinnerung zu bewahren und erneut zu durchleben, um bei Verlusten oder Enttäuschungen den entstehenden emotionalen Schmerz möglichst gering zu halten. Durch das Ausklammern positiver Erlebnisse wird der Maßstab, an dem Enttäuschungen und Kränkungen gemessen werden, klein gehalten. Diese selbst erzeugte Oberflächlichkeit (zu verstehen auch als ein Sich-nicht-einlassen-können auf andere Menschen) führt dazu, daß sich narzißtische Persönlichkeiten inmitten des sozialen Beziehungssystems ausgeschlossen und fremd sowie sich selbst entfremdet fühlen, so daß zur Vermeidung und/oder Linderung daraus resultierender negativer Emotionen wiederum verstärkt narzißtisches Verhalten als Schutzmechanismus eingesetzt wird. Narzißtisches Verhalten kann so zu einem sich selbst verstärkenden (Reaktions-) Mechanismus werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die narzißtische Persönlichkeit: Dieses Kapitel erläutert die phänomenologischen Grundlagen, definiert das narzißtische Basissyndrom und analysiert die typischen Beziehungsstrukturen sowie Charaktereigenschaften narzißtischer Individuen.
2. Zur Genese des Narzißmus: Hier werden psychologische Theorien von Freud und Adler sowie soziologische Erklärungsmodelle wie die Individualisierungstheorie herangezogen, um die Entstehung von Narzißmus zu begründen.
3. Relevanz des Narzißmus für Organisationen: Dieses Kapitel verknüpft die organisationstheoretische Sicht auf Unternehmen als offene Systeme mit den Entstehungsfaktoren von Narzißmus in traditionellen und modernen Organisationsstrukturen.
4. Narzißtische Führung in Unternehmen: Abschließend wird untersucht, wie narzißtische Persönlichkeiten Führungsrollen interpretieren, welchen Führungsstil sie bevorzugen und welche Auswirkungen dies auf den Erfolg und das Klima in Organisationen hat.
Schlüsselwörter
Narzißmus, Organisation, Individuum, Individualisierung, Führung, Selbstwertgefühl, psychoanalytische Theorie, Führungsstil, soziale Beziehungen, Macht, Status, Arbeitsethik, psychische Störung, Unternehmensführung, Systemtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht das Phänomen Narzißmus im Kontext von Organisationen und Führung, insbesondere wie sich das Zusammenspiel von Individuum und Unternehmen durch narzißtische Verhaltensweisen gestaltet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf die psychologischen Ursprünge des Narzißmus, die soziologischen Faktoren der Individualisierung und die Auswirkungen dieser Persönlichkeitsmerkmale auf organisationale Strukturen und Führungsstile.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Bedeutung narzißtischer Verhaltensweisen für Organisationen zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie diese Verhaltensweisen durch organisationale Rahmenbedingungen gefördert oder begrenzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und nutzt organisationspsychologische sowie soziologische Theorieansätze, um ein Typisierungsschema für narzißtische Persönlichkeiten zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Narzißmus, die Analyse seiner Genese durch gesellschaftlichen Wandel und eine detaillierte Untersuchung narzißtischer Führung in hierarchischen und modernen Organisationen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Selbstwertstabilisierung, narzißtisches Basissyndrom, Individualisierung, Machtstreben, Führungskompetenz und organisationale Anpassung.
Welche Rolle spielt die Individualisierung bei der Entstehung von Narzißmus?
Die Individualisierung führt zu einer Entwertung traditioneller Bindungen, was beim Individuum Verunsicherung und einen Mangel an sozialer Spiegelung auslöst, den narzißtische Persönlichkeiten durch Größenvorstellungen zu kompensieren versuchen.
Inwiefern beeinflusst Narzißmus das Führungsverhalten?
Narzißtische Führungskräfte neigen zu autoritären Stilen, suchen Bestätigung durch Statussymbole und setzen ihre Durchsetzungskraft oft erfolgreich in Krisenzeiten ein, vernachlässigen dabei jedoch häufig die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter.
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- Gabriela Humborg (Author), 1998, Narzißmus in Organisationen - Eine organisationspsychologisch basierte Analyse zum Verhältnis von Individuum und Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185207