„Wer weiß, was er zu tun hat, und tut es nicht,
der macht sich schuldig“.
Doch woher weiß man, was man zu tun hat? Diese Frage zu beantworten ist sicher nicht immer leicht und man muss sie individuell angehen. Doch gibt es manchmal nur eine Antwort - für die Evangelische Kirche zu der Zeit des Hitlerregimes hätte es nur eine geben dürfen, denn in Anbetracht der Tatsache, dass der Hitlerstaat ein Staat der Grausamkeiten war, hätte die Kirche hier eine Hilfe für diejenigen sein müssen, die von diesen Grausamkeiten betroffen waren. Kirche soll eine menschenwürdige und menschenliebende Institution sein, keine „menschenvernichtende“.
Auf die Frage, wieso die Kirche nicht geholfen hat, gibt es (bis heute) keine ausrei-chende Antwort, ebenso wenig wie es eine Erklärung für das gibt, was im Dritten Reich geschehen ist. Die evangelische Kirche hat jedoch, kurz nach Beendigung des zweiten Weltkrieges, eine Erklärung abgegeben, die Stuttgarter Schulderklärung, in der sie versuchte zu erklären, warum sie gehandelt hat, wie sie gehandelt hatte.
Inhaltsverzeichnis
- Schuldbekenntnis ohne Schuldanerkennung
- Die Stuttgarter Schulderklärung
- Dietrich Bonhoeffer
- Bonhoeffers „stellvertretendes Schuldbekenntnis“
- Die Stuttgarter Erklärung und ihre Kritik
- Ein neuer Anfang?
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Stuttgarter Schulderklärung der Evangelischen Kirche von 1945 im Kontext des Dritten Reichs. Sie untersucht die theologischen und ethischen Fragen im Umgang mit Schuld und Verantwortung der Kirche während des Nationalsozialismus.
- Die Stuttgarter Schulderklärung und ihre Aussagekraft
- Die Rolle Dietrich Bonhoeffers und sein „stellvertretendes Schuldbekenntnis“
- Die Auseinandersetzung mit dem Thema Kollektivschuld
- Kritik an der Stuttgarter Schulderklärung und deren Selbstkritik
- Der Versuch der Evangelischen Kirche, einen Neuanfang zu wagen
Zusammenfassung der Kapitel
Der Text beginnt mit der Einführung der Stuttgarter Schulderklärung und der Frage nach der Solidarität von Schuld. Es folgt eine kurze Biografie von Dietrich Bonhoeffer und seiner Rolle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Auszüge aus Bonhoeffers „stellvertretenden Schuldbekenntnis“ werden präsentiert und analysiert. Anschließend wird die Stuttgarter Schulderklärung kritisch beleuchtet, insbesondere ihre Aussage zur aktiven Beteiligung der Kirche an den Gräueltaten des Regimes und die ungeklärte Frage, wer genau gemeint ist, wenn von fehlender Mut, Gebet, Glaube und Liebe gesprochen wird. Schließlich wird der Versuch der Kirche, einen Neuanfang zu wagen, kritisch betrachtet.
Schlüsselwörter
Stuttgarter Schulderklärung, Dietrich Bonhoeffer, Schuldbekenntnis, Kollektivschuld, Nationalsozialismus, Evangelische Kirche, Drittes Reich, Widerstand, Arierparagraph, Bekennende Kirche, Ethik, Verantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Stuttgarter Schulderklärung?
Es ist eine Erklärung der Evangelischen Kirche von 1945, in der sie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Versäumnisse gegenüber den Opfern des NS-Regimes einräumte.
Welche Rolle spielte Dietrich Bonhoeffer?
Bonhoeffer war ein Theologe im Widerstand, der ein "stellvertretendes Schuldbekenntnis" formulierte und die mangelnde Hilfe der Kirche für Verfolgte kritisierte.
Warum wird die Stuttgarter Erklärung oft kritisiert?
Kritiker bemängeln, dass sie zwar Schuld bekannte, aber eine konkrete Anerkennung der Mitschuld an spezifischen Gräueltaten oft vage blieb.
Was bedeutet "Schuldbekenntnis ohne Schuldanerkennung"?
Der Titel deutet auf das Spannungsfeld hin, in dem die Kirche zwar religiöse Reue zeigte, aber die volle politische und moralische Verantwortung oft nur zögerlich übernahm.
Was war die "Bekennende Kirche"?
Es war eine Oppositionsbewegung innerhalb der evangelischen Kirche, die sich gegen die Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten (Deutsche Christen) wehrte.
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- Tanja Hühne (Author), 2008, Schuldbekenntnis ohne Schuldanerkennung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183427