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Die Entstehung der islamischen Rechtsschulen am Beispiel der Hanafīten und der Šāfi'īten

Titre: Die Entstehung der islamischen Rechtsschulen am Beispiel der Hanafīten und der Šāfi'īten

Dossier / Travail de Séminaire , 2010 , 19 Pages , Note: 2,0

Autor:in: Marina Schmidt (Auteur)

Orientalisme / Sinologie - Sciences de l'Islam
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Résumé Extrait Résumé des informations

Die Entstehung der vier anerkannten sunnitisch-islamischen Rechtsschulen, der
Hanafīten, Mālikīten, Hanbalīten und Šāfi'īten, ist in vielerlei Hinsicht bedeutend für
die Geschichte als auch die Gegenwart des Nahen Ostens. Daher soll sie in dieser
Arbeit nachgezeichnet werden, indem ich exemplarisch die Ausprägung der beiden
größten Rechtsschulen, der hanafītischen und der šafi‘ītischen, herausgreife und
chronologisch darstelle. Ich werde mich hierfür vor allem auf die Zeit zwischen dem
2./8. und dem 5./11. Jh. konzentrieren.
Die Darstellung, die in dieser Arbeit erfolgen wird, kann grob in zwei
Themengebiete unterteilt werden: Einerseits möchte ich mich mit den beiden oben
genannten Schulen im Speziellen befassen, andererseits möchte ich mich, basierend
auf der entstehenden Abhandlung, auch mit Fragen der Rechts- und der
Wissensüberlieferung allgemein auseinandersetzen. So soll die vorliegende Arbeit
auch eine Einführung in die Vielfalt der Publikationen leisten, die im Rahmen der
frühen islamischen Geschichtswissenschaft entstanden sind und die eine immense
Bedeutung und Nutzbarkeit bis zum heutigen Tage bieten. Auch die Biografien der
als Gründer bekannt gewordenen Rechtsgelehrten Abū Hanīfa und Imām aš-Šāfi'ī
werden Beachtung finden. Dabei möchte ich unter anderem der Frage
nachgehen, welchen Einfluss diese Persönlichkeiten sowohl auf die Entwicklung der
Rechtsschulen als auch auf die islamische Jurisprudenz allgemein hatten. Neben
einer Begriffs- und Namenserklärung sowie einer Gegenüberstellung beider Schulen
soll also dargelegt werden, welche Methoden der Überlieferung und Auslegung zur
Zeit der Entstehung der Rechtsschulen vorherrschten.
Letztendlich existieren zu diesem Themengebiet wissenschaftliche Quellen
unterschiedlichster Herangehensweisen, von denen ich hoffe, dass ich in meiner
Arbeit einige ihrer Facetten nutzen kann. Ich stütze mich zwar hauptsächlich auf
Werke, die aufgrund von Quellenlektüre die Ursprünge der islamischen Jurisprudenz
und ihrer Schulen ergründen wollen; zu beachten sind im allgemeinen
Zusammenhang aber ebenso Werke, deren Autoren sich kritisch mit den Quellen und Methoden islamischer Jurisprudenz auseinandersetzen. Zu nennen wäre hier allen
voran Joseph Schacht.
Als dritten Pfeiler der Quellenliteratur stütze ich mich auf arabische Texte, die von
Biografen bzw. Historiographen verfasst wurden und Aufschluss über die
Lebensumstände der frühislamischen Zeit und die Ausbreitung der Schulen geben.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung: Frühislamische Geschichtswerke als Quellen heutiger Erkenntnis

2.1. Tabaqāt

2.2. Kontroverse Herangehensweise der „westlichen“ Forschung

3. Islamisches Recht im 2./8. und 3./9. Jahrhundert

3.1. Kontroversen zwischen den Gelehrten

3.2. Abū Ḥanīfa

3.3. Aš-Šāfiʿī

4. Islamisches Recht ab dem 4./10. Jahrhundert

4.1. Die Herausbildung der ḥanafītischen Schule

4.2. Die Herausbildung der šāfiʿītischen Schule

5. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entstehung der sunnitisch-islamischen Rechtsschulen, wobei sie exemplarisch die Entwicklung der ḥanafītischen und der šāfiʿītischen Schule zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert analysiert. Ziel ist es, den komplexen Prozess der Institutionalisierung des islamischen Rechts und die Rolle der als "Gründer" identifizierten Gelehrten sowie deren Schüler kritisch zu hinterfragen.

  • Analyse der Quellenlage anhand frühislamischer biographischer Werke (Tabaqāt).
  • Untersuchung der Methodik und des Einflusses der "westlichen" Forschung, insbesondere Joseph Schachts.
  • Gegenüberstellung der traditionalistischen Strömungen (Ahl al-ḥadīṯ) und der rationalistischen Denkschulen (Ahl ar-ra'y).
  • Biographische und rechtsgeschichtliche Betrachtung von Abū Ḥanīfa und Aš-Šāfiʿī.
  • Darstellung der Entwicklung von regionalen Gelehrtenkreisen hin zu festen, "Zunft"-ähnlichen Rechtsschulen.

Auszug aus dem Buch

3.1. Kontroversen zwischen den Gelehrten

Die ursprüngliche Aufteilung islamischer Rechtsgelehrter im 2./8.Jh. gründete auf den Prinzipien der Rechtsfindung und brachte zwei Gruppen hervor: Die aṣḥāb al-ḥadīṯ und die aṣḥāb ar-ra’y. Anhänger der aṣḥāb al-ḥadīṯ werden in der Literatur oft auch als Traditionalisten bezeichnet. Ich möchte diese Bezeichnung im Folgenden übernehmen.

Konflikte zwischen den beiden Gruppierungen, die keinesfalls selbst als Schulen bezeichnet werden können, ergaben sich aus ihren unterschiedlichen Methoden zur Rechtsfindung. Dabei warfen die Traditionalisten den Anhängern der aṣḥāb ar-ra’y vor, ihre Methode sei illegitim und vor allem weder mit Allah noch dem Propheten vereinbar. Sie verurteilten z.B. den qiyās, weil er ihrer Meinung nach genutzt werden könnte, um die strengen Bestimmungen der aḥādīṯ zu umgehen. Die Herangehensweise der Traditionalisten unterschied sich dahingehend von derjenigen der aṣḥāb ar-ra’y, dass sie keine juristischen Fragen beantworteten, sondern vielmehr aḥādīṯ zitierten, die sie zum jeweiligen Thema kannten. Wichtig in Hinblick auf die mögliche Entwicklung von späteren Schulen mag hier der Hinweis sein, dass sie auch keine Autoritäten neben dem Propheten und dessen Gefährten identifizierten; also keinen Lehrer, der Recht überliefert. Dies wurde im Laufe der Zeit, wie wir unter 4. sehen werden, zu einem technischen Problem.

Historische Quellen belegen dennoch immer wieder, dass zwischen beiden Seiten auch ein Austausch stattfand und die Trennlinie bei Weitem nicht so scharf verlief, wie es die Schärfe einiger überlieferter Auseinandersetzungen zwischen den aṣḥāb al-ḥadīṯ und den aṣḥāb ar-ra’y vermuten ließe. Beispielsweise lernte der extremste Traditionarier des 3./9.Jh., Aḥmad ibn Ḥanbal, zeitweise bei einem ḥanafītischen Lehrer.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert den zeitlichen und inhaltlichen Rahmen der Arbeit und stellt die Bedeutung der hanafitischen und schafiitischen Rechtsschulen dar.

2. Einführung: Frühislamische Geschichtswerke als Quellen heutiger Erkenntnis: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Tabaqāt-Werke und setzt sich kritisch mit der westlichen Forschungsperspektive auf das islamische Recht auseinander.

3. Islamisches Recht im 2./8. und 3./9. Jahrhundert: Es werden die Spannungsfelder zwischen traditionalistischen und rationalistischen Strömungen sowie die Biographien der Gründungsfiguren Abū Ḥanīfa und Aš-Šāfiʿī beleuchtet.

4. Islamisches Recht ab dem 4./10. Jahrhundert: Das Kapitel analysiert den Wandel der Gelehrtenorganisation hin zu institutionalisierten Rechtsschulen und die Herausbildung der spezifischen hanafitischen und schafiitischen Traditionen.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Entstehung der Rechtsschulen ein jahrhundertelanger, komplexer Prozess durch viele Mitwirkende war und nicht als isolierte Gründung durch Einzelpersonen zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Islamisches Recht, Rechtsschulen, Ḥanafīten, Šāfiʿīten, Tabaqāt, Aṣḥāb al-ḥadīṯ, Aṣḥāb ar-ra’y, Abū Ḥanīfa, Aš-Šāfiʿī, Jurisprudenz, Tradition, Isnad, Rechtsfindung, Joseph Schacht, Islamwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die historische Entstehung und Ausprägung der zwei größten sunnitischen Rechtsschulen, der hanafitischen und der schafiitischen, unter Berücksichtigung der frühislamischen Rechtsentwicklung.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die biographische Forschung zu Gelehrten, die Entwicklung von Überlieferungsmethoden, der Konflikt zwischen Traditionalisten und Rationalisten sowie die Institutionalisierung von Rechtsschulen.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Ziel ist es, den historischen Prozess der Schulbildung zu rekonstruieren und zu prüfen, inwieweit die als Gründer benannten Persönlichkeiten tatsächlich den direkten Grundstein legten oder ob es sich um ein langfristiges Gemeinschaftswerk handelte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Autorin stützt sich auf eine quellenkritische Auswertung biographischer und historiographischer Werke sowie auf die Analyse fachspezifischer Sekundärliteratur zur islamischen Jurisprudenz.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Quellenwerken, die Analyse der intellektuellen Kontroversen des 8. und 9. Jahrhunderts sowie die Entwicklung hin zur klassischen Schulstruktur ab dem 10. Jahrhundert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Tabaqāt, Isnad, Qiyās, Ahl al-ḥadīṯ, Ahl ar-ra’y, Jurisprudenz und die Namen der zentralen Rechtsgelehrten.

Welche Bedeutung wird dem Begriff "Tabaqāt" in der Arbeit beigemessen?

Tabaqāt werden als zentrale biographische Literaturgattung identifiziert, die für die moderne Islamwissenschaft unverzichtbar ist, um die Entwicklung der Gelehrten-Generationen und deren Vernetzung zu verstehen.

Welche Rolle spielte die Lehre vom "erschaffenen Koran" für die Rechtsschulen?

Die Arbeit führt aus, dass diese theologische Doktrin laut Forschern wie Hallaq möglicherweise einen größeren Bruch zwischen den Gelehrtengruppen verursacht hat als die rein methodischen Unterschiede in der Rechtsfindung.

Wie unterscheidet die Arbeit die Rolle der "Gründer" von der ihrer Schüler?

Es wird aufgezeigt, dass die Schüler oft erst die juristischen Handbücher verfassten, die die Schulen als solche etablierten, während die "Gründer" eher als ideelle Autoritätsfiguren und Fixpunkte dienten.

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Résumé des informations

Titre
Die Entstehung der islamischen Rechtsschulen am Beispiel der Hanafīten und der Šāfi'īten
Université
University of Hamburg  (Asien-Afrika-Institut)
Cours
Hauptseminar
Note
2,0
Auteur
Marina Schmidt (Auteur)
Année de publication
2010
Pages
19
N° de catalogue
V183256
ISBN (ebook)
9783656075301
ISBN (Livre)
9783656075714
Langue
allemand
mots-clé
Rechtsschulen Islam Biographie Geschichte Frühislam
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Marina Schmidt (Auteur), 2010, Die Entstehung der islamischen Rechtsschulen am Beispiel der Hanafīten und der Šāfi'īten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183256
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Extrait de  19  pages
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