Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Bewertung von staatlicher Konjunkturpolitik (KP). Konjunkturzyklen mit ihren negativen Begleiterscheinungen wie Preissteigerungen und Arbeitslosigkeit stehen seit Anbeginn der ökonomischen Forschungen im Mittelpunkt des wissenschaftlichen wie allgemeinen Interesses. Die, durch ungesteuerte Entwicklungen, entstehenden Übertreibungen an den Märkten durch aktive staatliche Steuerung einzudämmen und damit die wirtschaftlichen und sozialen Folgen konjunktureller Abschwünge abzufedern wird immer wieder durch die Betroffenen selbst und Teile der Wissenschaft an die Politik adressiert. Genauso vehement vertreten durch wissenschaftliche Kreise und wirtschaftliche Akteure ist die Forderung nach Enthaltsamkeit staatlichen Eingreifens in den komplexen volkswirtschaftlichen Mechanismus. Olaf Storbeck schreibt 2011 in Zeit-Online: „Die Antworten, die Volkswirte auf diese Fragen geben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Wenige Themen sind in der ökonomischen Zunft so umkämpft wie Sinn oder Unsinn von Konjunkturpolitik.“ Während zum Ende des 20. Jahrhunderts eine gewisse Harmonisierung der Ansichten einsetzte, sind die Meinungen seit Auflegung der Konjunkturpakete in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder weit auseinander gegangen.
Dem Umfang der Arbeit entsprechend soll der wissenschaftliche Diskurs zum Thema KP im theoretischen, historischen und aktuellen Kontext dargestellt werden. Zuerst erfolgt eine begriffliche Verortung des Untersuchungsgegenstandes. Danach sollen die zentralen Eigenschaften der dem Diskurs zugrunde liegende theoretischen Modelle dargestellt werden um anschließend den Diskursverlauf, sowie den aktuellen Stand zusammengefasst wiederzugeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffliche Verortung des Untersuchungsgegenstandes
2.1 Definition Konjunktur
2.2 Definition Konjunkturpolitik (KP)
3 Theoretische Verortung des Diskurses
3.1 Die klassische Nationalökonomie (KNÖ)
3.2 Keynesianismus (K)
3.3 Monetarismus (M)
4 Situation vor der Finanzkrise und Zwischenfazit
5 Umriss des aktuellen Diskurses und Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der These auseinander, dass staatliche Konjunkturpolitik teuer sei und kaum nennenswerte Effekte erzielt. Im Zentrum steht dabei die Untersuchung des wissenschaftlichen Diskurses sowie der theoretischen Modelle (Klassik, Keynesianismus, Monetarismus) in ihrem historischen und aktuellen Kontext, um die Wirksamkeit und die Kosten staatlicher Eingriffe im Rahmen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 zu bewerten.
- Theoretische Grundlagen und ordnungspolitische Leitbilder der Konjunkturpolitik.
- Gegenüberstellung von nachfrageorientierten (Keynesianismus) und angebotsorientierten (Monetarismus) Ansätzen.
- Analyse des "Magischen Vierecks" und der fiskalpolitischen Instrumente.
- Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 auf den wirtschaftspolitischen Diskurs.
- Herausforderungen der nationalen Konjunkturpolitik in einem globalisierten Umfeld.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die klassische Nationalökonomie (KNÖ)
Den unterschiedlichen Strömungen der klassischen Nationalökonomie als Ursprung der VWL war gemein, dass sie das Wirtschaftsleben grundsätzlich als konjunkturlos und angebotsinduziert sahen. Kerngedanke dieser Modelle bestand in einem Kausalzusammenhang zwischen den volkswirtschaftlichen Größen Angebot und Nachfrage. Ein solches System tendiert zu einem Gleichgewicht, da das Angebot sich seine eigene Nachfrage schafft (Say´sche Theorem): Ein erhöhtes geplantes Güterangebot generiere auch eine entsprechend höhere geplante Nachfrage, denn die im Produktionsprozess erzielten Einkommen entsprechen dem Wert des erzeugten Güterangebots. Eine Über- oder Unterproduktion ist nur auf einzelnen Märkten möglich, nicht aber über die gesamte Wirtschaft gesehen. Eine Überproduktion auf dem einen Markt erzeugt eine Unterproduktion gleichen Umfangs auf einem anderen Markt. Ein unzureichendes Nachfrageniveau kann daher gesamtwirtschaftlich gar nicht entstehen.
Der Arbeitsmarkt als Teilmarkt tendiert ebenfalls automatisch hin zu einem Zustand der Vollbeschäftigung, als arbeitsmarktspezifischem Gleichgewicht. Demnach könne es auch keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit existieren, solange nicht fiskalpolitische Maßnahmen, z. B. in Form von Mindestlöhnen oder Steuerregulierungen, das Marktgeschehen verzerren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Debatte um Sinn und Unsinn staatlicher Konjunkturpolitik ein und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Begriffliche Verortung des Untersuchungsgegenstandes: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Konjunktur und Konjunkturpolitik und skizziert das Instrumentarium fiskal- und geldpolitischer Maßnahmen.
3 Theoretische Verortung des Diskurses: Hier werden die wissenschaftlichen Hauptströmungen – Klassische Nationalökonomie, Keynesianismus und Monetarismus – mit ihren jeweiligen Annahmen über staatliche Eingriffe vorgestellt.
4 Situation vor der Finanzkrise und Zwischenfazit: Dieses Kapitel analysiert die Wirksamkeit konjunkturpolitischer Programme vor 2008 und bewertet die Debatte anhand der verschiedenen theoretischen Modelle.
5 Umriss des aktuellen Diskurses und Fazit: Das abschließende Kapitel diskutiert die Relevanz staatlicher Eingriffe vor dem Hintergrund der Finanzkrise 2008 und gibt einen Ausblick auf künftige Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Konjunkturpolitik, Fiskalpolitik, Geldpolitik, Keynesianismus, Monetarismus, Klassische Nationalökonomie, Finanzkrise, Konjunkturzyklus, Staatsverschuldung, Beschäftigungspolitik, Magisches Viereck, Nachfragesteuerung, Angebotstheorie, Preisstabilität, Wirtschaftswachstum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die kritische These, dass staatliche Konjunkturpolitik hohe Kosten verursacht, aber nur einen geringen ökonomischen Nutzen stiftet.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Arbeit thematisiert die theoretischen Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, die Historie der Konjunkturtheorien sowie die aktuelle Debatte um staatliche Interventionen in Krisenzeiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den wissenschaftlichen Diskurs um staatliche Konjunkturpolitik im theoretischen und historischen Kontext aufzuarbeiten und die Validität der Kritik an staatlichen Eingriffen kritisch zu prüfen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die auf Lexika, wissenschaftlichen Aufsätzen, Monographien sowie aktuellen Zeitungsberichten und Dokumenten basiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Einführung, die Darstellung der drei großen ökonomischen Denkmodelle (Klassik, Keynesianismus, Monetarismus) sowie eine Analyse der Situation vor und während der Finanzkrise 2008.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär durch die Begriffe Konjunkturpolitik, Fiskalpolitik, Geldpolitik, Keynesianismus und Monetarismus sowie deren Wechselwirkungen charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die monetaristische Sichtweise von der keynesianischen im Hinblick auf Konjunkturpolitik?
Während der Keynesianismus eine antizyklische Fiskalpolitik zur Steuerung der Gesamtnachfrage fordert, lehnen Monetaristen dies ab und fokussieren sich auf die stetige Steuerung der Geldmenge sowie die Deregulierung der Märkte.
Welche Rolle spielt die Europäische Zentralbank (EZB) laut der Arbeit für nationale Konjunkturprogramme?
Die Arbeit betont, dass die nationale Geldpolitik durch die gemeinsame Währung im Euro-Raum eingeschränkt ist, was es für Mitgliedsländer erschwert, eine eigenständige Konjunkturpolitik effektiv mit geldpolitischen Instrumenten zu flankieren.
- Citar trabajo
- B.A. Alexander Schabowski (Autor), 2011, Stellungnahme zur These - Konjunkturpolitik ist teuer und bringt wenig, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179052