Nach dem Zerfall der Sowjetunion Anfang der 90ger Jahre gelang Russland noch vor Ende der Dekade ein deutlicher wirtschaftlicher turn around. In Folge dessen ist die Zahl der deutsch-russischen Geschäftskontakte rasch gestiegen. Die meisten Großunternehmen sind mittlerweile mit Direktinvestitionen und in Form von Joint Ventures in Russland engagiert und die Bezeichnung BRIC – Staat verdeutlicht das Potential das Russland auch in Zukunft noch zugerechnet wird.
Mit der Intensivierung der Geschäftsbeziehungen stieg aber auch das zwischenmenschliche Konfliktpotential, wodurch Wettbewerbsvorteile vernichtet wurden und werden. Die Basis für Indifferenzen in der Ost-West-Annäherung hat sich von einer politisch-wirtschaftlichen Determinierung zu Zeiten des Ost-West-Konfliktes hin zu einer kulturellen Determinierung gewandelt. Die Verringerung von Reibungsverlusten in interkulturellen Verhandlungssituationen und im interkulturellen Geschäftsalltag und somit interkulturelles Lernen haben stark an Bedeutung gewonnen.
Die vorliegende Arbeit vermittelt einen Überblick über den wissenschaftlichen Forschungsstand im Bereich kultureller bedingter Missverständnisse in deutsch-russischen Verhandlungssituationen und im deutsch-russischen Geschäftsalltag aus deutscher Perspektive.
Den theoretischen Fokus bilden die Kulturanalysemodelle von Geerd Hofstede und Edward Hall, deren Beschreibung zusammen mit einer Kulturdefinition dem empirischen Teil vorangestellt ist. Die Analyse der kulturellen Unterschiede beginnt mit einer Darstellung des kulturellen Ursprungs beider Länder, die zwar nicht originärer Bestandteil der Modelle von Hall und Hofstede ist, aber hilfreich für das Verständnis der kulturellen Bedingtheit des jeweiligen Landes. Im Anschluss an die Identifikation von kulturellen Divergenzen entlang der beiden angewandten Modelle erfolgt die Ableitung möglicher Missverständnis-Quellen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theoretische Verortung des Betrachtungsfeldes
- Kulturdefinition
- Geschäftsbeziehungen als besondere Art der Interaktion
- Kulturdimensionen nach Hofstede
- Machtdistanz (PDI)
- Kollektivismus versus Individualismus (IDV)
- Feminine versus maskuline Kulturen (MAS)
- Unsicherheitsvermeidung (UAI)
- Langfristige versus kurzfristige Orientierung (LTO)
- Kulturdimensionen nach Hall
- Kontextorientierung
- Raumorientierung (Proxemik)
- Monochrones bzw. polychrones Zeitverständnis
- Informationsgeschwindigkeit
- Analyse kultureller Unterschiede zwischen Deutschland und Russland
- Divergenzen im kulturellen Ursprung
- Kulturelle Divergenzen nach Hofstede
- Kulturell determinierte Kommunikationsunterschiede nach Hall
- Kritische Würdigung der Dimensionierungskonzepte und Studien
- Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert kulturell bedingte Konfliktpotentiale in deutsch-russischen Geschäftsbeziehungen. Sie strebt an, ein tieferes Verständnis für kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Russland zu schaffen und die Auswirkungen dieser Unterschiede auf die Interaktion in geschäftlichen Kontexten aufzuzeigen.
- Kulturelle Unterschiede in Deutschland und Russland
- Einfluss von Kultur auf Geschäftsbeziehungen
- Identifikation von Konfliktpotentialen
- Analyse der Kulturanalysemodelle von Hofstede und Hall
- Praxisrelevante Erkenntnisse für interkulturelle Kommunikation
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung stellt den aktuellen Forschungsstand zu kulturellen Missverständnissen in deutsch-russischen Geschäftsbeziehungen dar und beleuchtet die Relevanz des Themas. Sie gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
- Das zweite Kapitel definiert den Begriff "Kultur" und erläutert die Bedeutung von Geschäftsbeziehungen als besondere Form der Interaktion. Es werden die Kulturanalysemodelle von Hofstede und Hall vorgestellt, die im weiteren Verlauf der Arbeit verwendet werden.
- Das dritte Kapitel befasst sich mit der Analyse der kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Russland. Es untersucht die Divergenzen im kulturellen Ursprung und stellt kulturelle Unterschiede anhand der Dimensionen von Hofstede und Hall dar.
- Das vierte Kapitel widmet sich einer kritischen Würdigung der Dimensionierungskonzepte und Studien, die zur Analyse der kulturellen Unterschiede verwendet werden.
Schlüsselwörter
Deutsch-russische Geschäftsbeziehungen, Kultur, Kulturanalyse, Hofstede, Hall, Konfliktpotential, interkulturelle Kommunikation, Machtdistanz, Individualismus, Kollektivismus, Unsicherheitsvermeidung, Kontextorientierung, Raumorientierung, Zeitverständnis.
Häufig gestellte Fragen
Welche kulturellen Unterschiede prägen deutsch-russische Geschäftsbeziehungen?
Wesentliche Unterschiede finden sich in der Machtdistanz, dem Zeitverständnis (monochron vs. polychron) und der Bedeutung persönlicher Beziehungen gegenüber rein sachlichen Verträgen.
Was sagt Geert Hofstede über die russische Arbeitskultur?
Russland weist laut Hofstede eine hohe Machtdistanz und eine starke Unsicherheitsvermeidung auf, was sich in hierarchischen Entscheidungsstrukturen und dem Wunsch nach klaren Regeln äußert.
Welche Rolle spielt die „Kontextorientierung“ nach Edward Hall?
Russland gilt als High-Context-Kultur, in der viele Informationen zwischen den Zeilen kommuniziert werden, während Deutschland eine Low-Context-Kultur ist, die sehr direkt und explizit kommuniziert.
Wie unterscheidet sich das Zeitverständnis in Deutschland und Russland?
Deutsche agieren oft monochron (linear, pünktlich), während Russen eher polychron handeln, also mehrere Dinge gleichzeitig tun und Zeitpläne flexibler handhaben, wenn persönliche Kontakte wichtiger sind.
Wie lassen sich Missverständnisse im Geschäftsalltag vermeiden?
Interkulturelles Lernen und die Sensibilisierung für die kulturelle Bedingtheit des Gegenübers sind entscheidend, um Reibungsverluste in Verhandlungen zu minimieren.
- Citar trabajo
- B.A. Alexander Schabowski (Autor), 2011, Kulturell bedingte Konfliktpotentiale in den deutsch-russischen Geschäftsbeziehungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179051