1. Einleitung
[...] Obwohl dem Islam häufig seine Historizität abgesprochen wird, da er nach islamischer Auffassung auf dem Koran, dem unverfälschten Wort Gottes beruht, ist auch er in historische Prozesse und Entwicklungen eingebunden. Wie jede Religion unterliegt auch der Islam den Einflüssen der jeweiligen Zeit, des Raumes und der Kultur (vgl. ebd.). Somit verändert sich auch sein Symbolgehalt in Abhängigkeit der Lesart. Dabei sind auch die Interpretationen von Theologen in einen historisch-kulturellen Kontext eingebunden und geprägt durch deren eigene Gegenwart, ihre moralischen Vorstellungen und Wünsche. „Daher spiegelt ihre jeweilige Lesart immer den geistigen Horizont einer bestimmten Zeit, eines bestimmten geographischen Ortes und einer bestimmten Kultur wider“ (ebd.).
Die Auseinandersetzung mit dem islamischen Menschenbild stützt sich in dieser Arbeit nur auf einzelne koranische Aussagen und die Interpretationen einiger weniger moderner Theologen. Eine Analyse der Entwicklung und Veränderung des islamischen Menschenbildes durch die verschiedenen Strömungen im Islam und durch die Rechtsschulen im Laufe der Zeit und in verschiedenen Teilen der Welt würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und ist daher auch nicht enthalten.
Im Folgenden wird vor dem Hintergrund einer theozentrischen Anthropologie des Islam der Mensch als Geschöpf Gottes beschrieben. Im Anschluss folgt eine Diskussion über die Stellung des Menschen in der gesamten Schöpfung, um darauf aufbauend auf das Wesen des Menschen aus koranischer Sicht einzugehen. Dabei erhebt die Autorin bei der Auslegung und der Auswahl der Quellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Repräsentanz.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Der Mensch als Geschöpf Gottes
- Stellung des Menschen im Islam
- Der Mensch als Diener Gottes
- Der Mensch als Stellvertreter Gottes
- Das Wesen des Menschen
- Offenbarung und Fitra – der Islam als natürliche Religion
- Freiheit und Verantwortung versus Prädestination
- Die Schwächen und der Ursprung des Bösen im Menschen
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem Menschenbild des Islam, indem sie dessen anthropologische Grundzüge aus koranischer Sicht beleuchtet. Dabei wird die Bedeutung des Menschen als Geschöpf Gottes und seine Stellung in der gesamten Schöpfung untersucht. Die Arbeit analysiert den Menschen als Diener und Stellvertreter Gottes und befasst sich mit den zentralen Konzepten von Offenbarung, Fitra, Freiheit und Verantwortung sowie dem Ursprung des Bösen im Menschen.
- Das Menschenbild im Islam als theozentrische Anthropologie
- Die Rolle des Menschen als Diener und Stellvertreter Gottes
- Die Konzepte von Offenbarung, Fitra und Prädestination
- Die Bedeutung von Freiheit und Verantwortung im islamischen Kontext
- Die anthropologische Dimension des Bösen im Menschen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema ein und erläutert die Bedeutung des Menschen als Geschöpf Gottes und die Dynamik des islamischen Menschenbildes im Kontext der Geschichte und Kultur. Kapitel 2 beschäftigt sich mit der Schöpfungsgeschichte des Menschen im Islam und den vielfältigen Interpretationen der koranischen Aussagen. Kapitel 3 beleuchtet die Stellung des Menschen im Islam, insbesondere die Konzepte des Menschen als Diener Gottes und als Stellvertreter Gottes. Dabei werden die Herausforderungen und die besondere Stellung des Menschen innerhalb der Schöpfung diskutiert.
Schlüsselwörter
Der Text konzentriert sich auf die zentralen Themen des islamischen Menschenbildes, insbesondere die Bedeutung des Menschen als Geschöpf Gottes, die Konzepte von Offenbarung, Fitra und Prädestination sowie die Rolle des Menschen als Diener und Stellvertreter Gottes. Weitere wichtige Themen sind die menschliche Freiheit und Verantwortung, die anthropologische Dimension des Bösen und die Herausforderungen, die mit der Interpretation und Anwendung dieser Konzepte in der heutigen Zeit verbunden sind.
Häufig gestellte Fragen
Wie wird der Mensch im Koran definiert?
Der Mensch wird als Geschöpf Gottes betrachtet, das eine Sonderstellung in der Schöpfung einnimmt.
Was bedeutet der Mensch als „Stellvertreter Gottes“ (Khalifa)?
Es beschreibt die Aufgabe des Menschen, die Schöpfung gemäß Gottes Willen zu verwalten und Verantwortung auf Erden zu übernehmen.
Was versteht man unter „Fitra“?
Fitra bezeichnet die dem Menschen innewohnende natürliche Veranlagung zum Glauben an Gott und zum Guten.
Gibt es im Islam Freiheit oder Prädestination?
Die Arbeit diskutiert das Spannungsverhältnis zwischen der menschlichen Freiheit/Verantwortung und der göttlichen Vorhersehung (Prädestination).
Wie wird das „Böse“ im Menschen koranisch erklärt?
Das Böse wird oft mit den menschlichen Schwächen und der Abkehr von der göttlichen Leitung in Verbindung gebracht.
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- Nelli Chrispens (Author), 2011, Das Menschenbild im Koran, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178393